Körperreaktionen außer Kontrolle

Ein gähnender Mann steht vor einem Spiegel

Nerven

Körperreaktionen außer Kontrolle

Nicht alle Körperreaktionen werden bewusst über das Gehirn reguliert. Um es zu entlasten, übernimmt das vegetative Nervensystem einen beachtlichen Anteil an Arbeit. Ohne dass wir es bewusst wahrnehmen, reguliert es autonom Körperfunktionen wie Herzschlagfrequenz oder Verdauungsvorgänge. Und manchmal, so scheint es, geraten die Nervenzellen dabei auch außer Kontrolle.


Einen kühlen Kopf bewahren: Gähnen hilft

Nicht gerade höflich für unser Gegenüber, aber manchmal kann man es einfach nicht unterdrücken: das Gähnen. Die Hauptursachen sind – das kennt man ja – Langeweile und Müdigkeit. Durch das Gähnen wird die Kiefermuskulatur angespannt und tief eingeatmet. Die Herzfrequenz steigt und das Gehirn wird mit einem ordentlichen Schub Sauerstoff versorgt. Das soll zu mehr Aufmerksamkeit führen.

Amerikanische Wissenschaftler konnten in einer Gähn-Studie sogar feststellen, dass unser Gehirn beim Gähnen abgekühlt wird. Das könnte aus evolutionsbiologischer Sicht auch ein Grund dafür sein, warum Gähnen ansteckend ist.

Das gemeinsame Gähnen innerhalb der Gruppe könnte die Hirntätigkeit und damit die Aufmerksamkeit aller kurzfristig verbessern und sie dadurch erfolgreicher in Gefahrensituationen handeln lassen. Ein triftiger Grund also, dass man diese Reaktion nicht willkürlich kontrollieren kann.

Wie peinlich: Erröten kommt immer ungelegen

Eine andere Körperreaktion, die vermutlich jeder nur zu gerne mehr unter Kontrolle hätte, ist das Erröten. Wenn uns etwas peinlich ist oder wir uns bei etwas ertappt fühlen, lässt er nicht lange auf sich warten: der heiß-kalte Schauer, der über den Körper zieht und den Kopf erglühen lässt. Je mehr man es zu unterdrücken versucht, desto schlimmer wird es.

Dabei wird der Errötende Opfer der sympathischen Nerven seines vegetativen Nervensystems – dem Teil des Nervensystems, der automatisch ablaufende Körperfunktionen wie beispielsweise Herzschlag, Atmung und Blutdruck kontrolliert.

Der Sympathikus wird in Situationen aktiv, die uns bedrohlich erscheinen. Er bereitet den Körper auf einen möglichen Kampf oder die Flucht vor ("Fight or Flight"). Der Herzschlag beschleunigt sich, das erhöht die Durchblutung der Muskeln – und eben auch der Haut. In einer peinlichen Situation ist das Erröten also quasi ein unerwünschter Nebeneffekt einer im Ernstfall lebensrettenden Nervenfunktion.

Frau versteckt ihr Gesicht in den Händen

Wenn es passiert, kaum zu verstecken: ein errötendes Gesicht

Adrenalin für Extremsituationen: Prüfungsangst und Lampenfieber

In die gleiche Kategorie wie das Erröten fallen Prüfungsangst und Lampenfieber. Das Herz rast, die Atmung wird immer schneller, die Muskeln sind angespannt, Adrenalin flutet den Körper.

Auch diese meist unangenehme Aufregung haben wir dem Sympathikus zu verdanken. Der vermeintliche Kontrollverlust hat unseren Vorfahren in Gefahrensituationen das Leben gerettet, indem er sie in Alarmbereitschaft versetzt hat.

Auch heute noch bringen uns diese Reaktionen auf Hochtouren für anstehende Herausforderungen wie die mündliche Abiturprüfung oder einen Auftritt vor großem Publikum. Leider schadet eine überbordende Reaktion aber auch.

Ein Mann im Anzug beißt sich auf die Fingenägel.

Angst versetzt den Körper in Alarmbereitschaft

Ein Reflex mit Geräusch: der Schluckauf

Wie die bereits genannten Körperreaktionen hat auch der allseits unbeliebte Schluckauf in erster Linie eine Schutzfunktion. Beim Embryo verhindert dieser Reflex das Einatmen von Fruchtwasser.

Bei Kindern und Erwachsenen ist die Hauptursache für den Schluckauf ein Reizen der Speiseröhre durch Essen, etwa durch ein Stück hartes Brot. Durch die Reizung zieht sich das Zwerchfell zusammen, der Brustraum wird erweitert und Luft in die Lunge gesaugt. Bei diesem ruckartigen Einatmen verschließt sich schlagartig die Stimmritze – das verursacht das typische Schluckaufgeräusch.

Kontrollverlust mit Vergnügen: der Lachkrampf

Auf Schluckauf, Erröten und Prüfungsangst könnten viele Menschen sicherlich gut verzichten. Einen ordentlichen Lachkrampf hin und wieder will aber wahrscheinlich keiner missen.

Bei einem Lachkrampf spricht man von einem sogenannten Affektkrampf. Darunter versteht man eine Übersteigerung emotionaler Reaktionen, die nicht mehr kontrolliert werden können.

Das hört sich schlimmer an, als es im Normalfall ist. Denn Lachen macht Spaß und ist gesund. Puls und Atmung beschleunigen sich, unzählige Muskeln sind beim Lachen beteiligt: Allein 17 Gesichtsmuskeln, aber auch das Zwerchfell und die Zwischenrippenmuskeln spannen sich an. Insgesamt sollen es bis zu 300 Muskeln sein, die aktiv sind. Es kann manchmal auch Spaß machen, die Kontrolle zu verlieren.

Frauen sitzen gesellig beieinander und lachen

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Autorin: Amanda Mock

Stand: 22.08.2018, 09:25

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