Main-Donau-Kanal

Der Main-Donau-Kanal 01:58 Min. Verfügbar bis 24.02.2030

Donau

Main-Donau-Kanal

Er ist eines der umstrittensten Bauwerke der deutschen Nachkriegsgeschichte – und gleichzeitig eines der beeindruckendsten: Der Main-Donau-Kanal ermöglicht eine durchgehende Schiffsverbindung von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer. Die 171 Kilometer lange Wasserstraße beginnt am Main bei Bamberg und trifft bei Kelheim auf die Donau.

Darum geht's:

  • 793: Karl der Große will Main und Donau miteinander verbinden.
  • 1100 Jahre später entsteht der Ludwig-Donau-Main-Kanal.
  • Der Kanal ist zu schmal für die Schifffahrt und lohnt sich nicht.
  • Ein neuer Kanal benötigt 100 Jahre von der Idee zur Vollendung.
  • Wirtschaftlich oder nicht? Der Kanal ist heftig umstritten.

Erste Versuche

Die Idee zu einem Main-Donau-Kanal ist schon weit über 1000 Jahre alt. Der Frankenkaiser Karl der Große hatte bereits die Idee, Main und Donau miteinander zu verbinden. Unter seiner Herrschaft wurde 793 sogar ein Bauversuch unternommen, der aber schnell wieder aufgegeben wurde: Ein heftiger Regen brachte die ersten mühsam gegrabenen Dämme zum Einsturz.

Weitaus mehr Erfolg hatte knapp 1100 Jahre später der bayerische König Ludwig I. Er ließ von 1836 bis 1845 den "Ludwig-Donau-Main-Kanal" anlegen. Der Kanal hatte jedoch ein erhebliches Manko: Er war zu schmal für die zunehmend größer werdenden Schiffe. So blieben Kanalgebühren aus, das Unternehmen wurde ein finanzielles Fiasko und der Kanal verlor schon zum Ende des 19. Jahrhunderts seine Bedeutung.

1950 verabschiedete man sich dann von dem unrentablen Kanal. Einige Abschnitte wurden trockengelegt, andere abgetragen oder überbaut. Die wenigen verbliebenen Teilstücke stehen seit den 1970er Jahren unter Denkmalschutz und sind ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Radfahrer.

Eine Skizze zeigt den Verlauf des Main-Donau-Kanals zwischen Bamberg und Kelheim. Er bewegt sich zum Teil im Verlauf des früheren 'Ludwig-Donau-Main-Kanals' und der Altmühl.

Der Verlauf des Main-Donau-Kanals

100 Jahre von der Idee zur Vollendung

Die Idee zum heutigen Main-Donau-Kanals kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf: 1892 gründete sich der "Verein zur Hebung der Fluß- und Kanalschiffahrt in Bayern". Sein Ziel war, durch Lobbyarbeit die Voraussetzungen für eine Verbindung von Main und Donau zu schaffen. Doch es sollten noch viele Jahre vergehen, bis das Projekt ins Rollen kam.

1921 wurde eine Gesellschaft gegründet, deren Aufgabe es war, durch den Bau von Wasserkraftwerken und den daraus resultierenden Gewinnen das benötigte Geld zu erwirtschaften. Konkrete Planungen zum Bau des Kanals begannen 1938. Bis 1942 wurden einige Vorarbeiten durchgeführt, durch den Zweiten Weltkrieg aber unterbrochen.

Erst 15 Jahre nach Ende des Krieges begannen dann die richtigen Bauarbeiten. 1992, also 32 Jahre nach Baubeginn und ein Jahrhundert nach der Gründung jenes Vereins, war der Kanal dann erstmals durchgängig befahrbar.

Nicht nur in Bezug auf die Bauzeit schlägt der Kanal Rekorde: Auch die Ausmaße der Erdbewegungen und des verbauten Materials – überwiegend Stahl und Beton – waren gigantisch.

16 Schleusen mussten eingebaut werden, um Höhenunterschiede auf dem Weg zwischen Main und Donau auszugleichen. Die drei größten Schleusen haben jeweils eine Hubhöhe von über 20 Metern. Zudem wurden auf der gesamten Kanalstrecke 122 Straßen- und Fußgängerbrücken gebaut.

Genial oder überflüssig?

Der Bau des Main-Donau-Kanals war und ist bis heute umstritten. Naturschützer, allen voran der "Bund Naturschutz" in Bayern, attackierten das Projekt. Man warf den Betreibern vor, unter anderem das Altmühltal durch den Bau zu zerstören. Einen großen Rückschlag für die Kanalbauer gab es im März 1979, als sich bei Katzwang ein Dammbruch ereignete und ein Kind ertrank.

Auch kamen während des Baus immer wieder Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Mammutprojektes auf. Anfang der 1980er Jahre wollte die Bundesregierung das Projekt wegen knapper Haushaltslage und schlechter Prognosen für die Kanalnutzung sogar beenden. Der Freistaat Bayern konnte sich aber letztlich durchsetzen. Man ließ Gegengutachten erstellen und bestand auf der Einhaltung aller Verträge.

Mittlerweile haben sich die Fronten ein wenig beruhigt. Auch die Spuren der Baustellen sind längst nicht mehr sichtbar. Einige Kritiker räumen inzwischen sogar ein, dass man keine Mühen gescheut habe, den Kanal der Natur anzupassen. Was die Auslastung des Bauwerkes angeht, sind die Angaben widersprüchlich.

Kanal vor grünen Hügeln.

Einbettung in die Landschaft

Es gibt Behauptungen, der Kanal sei nicht wirtschaftlich und könne es auch nie werden. Die Prognosen über das mögliche Frachtaufkommen aus den 1980er Jahren haben sich keinesfalls erfüllt. Die Bayerische Landesregierung dagegen sieht den Bau des Kanals positiv. Die Wasserstraße habe sich voll und ganz bewährt und fördere zudem den umweltfreundlichen Güterverkehr.

Autoren: Helmut Brasse/Tobias Aufmkolk

Weiterführende Infos

Stand: 31.07.2017, 16:22

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