Die Dechenhöhle

Die wunderschöne Tropfsteinhöhle "Dechenhöhle" in Iserlohn.

Höhlenforschung

Die Dechenhöhle

Seit fast 150 Jahren ist die Dechenhöhle nicht nur Ziel für Touristen, sondern auch für Höhlenforscher. Mitten im Fels tut sich dem Besucher eine phantastische Welt auf. Um ihn herum glitzern bizarr geformte Tropfsteine, in der Ferne schimmert ein glasklarer See.

Eisenbahnarbeiter entdecken die Dechenhöhle

Es ist still in der Höhle, nur der Atem der wenigen Gäste ist zu vernehmen und das unregelmäßig wiederkehrende tropfende Geräusch auf dem Höhlenboden. Etwa die Hälfte der Höhle ist als Schauhöhle für Besucher ausgebaut.

Viele der benachbarten Höhlengänge sind noch immer unerforscht. Hier besteht immer noch die Möglichkeit, irgendwann auch einmal Überreste unserer Vorfahren zu finden. Doch auch ohne spektakuläre Funde ist ein Besuch in der Höhle allemal ein Abenteuer.

Wappen der Dechenhöhle in Iserlohn.

Die Dechenhöhle in Iserlohn

Wer mit der Bahn die Höhle besuchen fährt, nimmt ab Hagen den Zug Richtung Iserlohn. Seit 2002 halten die Züge fahrplanmäßig an der Dechenhöhle an, aber das war nicht immer so.

"Sagen Sie dem Lokführer Bescheid, dass er sie an der Dechenhöhle rauslässt", rieten früher die Schalterbeamten, denn der Zug führt direkt an dem Fels entlang, in dem sich die Dechenhöhle befindet. Und gerade diesem Zug ist es zu verdanken, dass die Höhle überhaupt entdeckt worden ist.

Es waren Eisenbahnarbeiter, die im Sommer 1868 bei Felssicherungsarbeiten einen Hammer in einem Felsspalt verloren hatten. Auf der Suche nach dem Hammer stießen sie auf eine Halle voller Tropfsteine. Bald darauf folgten die Forscher: der eine – ein angesehener Geologe – sollte der Höhle ihren Namen geben: Heinrich von Dechen.

Dem anderen, dem Lehrer und passionierten Höhlenforscher Johann Carl Fuhlrott, hätte diese Ehre wohl eher zugestanden. Fuhrtrott nämlich war es, der die Höhle als erster von Grund auf erforschte. Bekannt wurde er allerdings nicht als Erforscher der Dechenhöhle, sondern als Entdecker des Neandertalers.

Palmen und andere Sehenswürdigkeiten

Was schon die Eisenbahnarbeiter entzückt haben mag zieht noch heute die Menschen in die Höhle im Sauerland: wunderbare Tropfsteinformationen befinden sich fast im gesamten Verlauf der Höhle, die inzwischen auf eine Länge von 870 Meter ausgebaut ist.

Lila angestrahlte Tropfsteine in der Orgelgrotte

Eine in Jahrtausenden gewachsene Orgel

Jeder Tropfstein sieht dabei anders aus und einige haben, ihrer Form entsprechend, einen Namen bekommen: die Kapelle, die Orgel, die Palme oder einen Vorhang, dem der Kenner sogar Töne entlocken kann.

Denn auch die Akustik hier unter der Erde ist besonders reizvoll. Das hat auch dazu geführt, dass in der Dechenhöhle regelmäßig Konzertveranstaltungen stattfinden.

Aus dem Meer geboren

Wie viele Höhlen ihrer Art ist die Dechenhöhle das Ergebnis einer Kalksteinbildung, die hier vor etwa 370 Millionen Jahren am Meeresboden stattgefunden hat. Erst sehr viel später, vor 500.000 bis 700.000 Jahren, entstand die eigentliche Dechenhöhle.

Allerdings lag sie damals noch im Grundwasser. Eine Warmzeit führte dazu, dass sich der Kalkstein im Grundwasser auflöste.

Wieder sehr viel später sank der Grundwasserspiegel, so dass die Höhle nun trocken gelegt wurde. Jetzt erst konnten sich allmählich Tropfsteine bilden – die ältesten sind etwa 235.000 Jahre alt, die jüngsten sind erst nach der letzten Eiszeit gewachsen und an der Basis etwa 12.400 Jahre alt.

Leben und Sterben in der Dechenhöhle

Wenn man heute nach einem Lebewesen in der Dechenhöhle Ausschau hält, dann sieht man eigentlich nur noch Höhlentouristen oder vereinzelt einen Höhlenforscher, der auf der Suche nach früherem Leben in der Höhle ist.

Großaufnahme dess Skeletts eines Höhlenbärenbabys

Ein versteinertes Höhlenbärenbaby

Menschenknochen hat man hier zwar noch nicht gefunden, aber vor einiger Zeit erregte der Fund eines Höhlenbärenbabys die Aufmerksamkeit der Forscher. Endlich war der Beweis erbracht, dass in der Dechenhöhle nicht nur Höhlenlöwen, Höhlenhyänen oder Waldnashörner gelebt haben.

Auch Höhlenbären haben in der Höhle Schutz gesucht, um dort ihre Jungen zur Welt zu bringen. Aber das liegt schon lange zurück: Vor etwa 16.000 Jahren starben die letzten Höhlenbären und in der Dechenhöhle findet man heute lebend höchstens noch eine Fledermaus.

Autorin: Sine Maier-Bode

Stand: 22.12.2017, 11:00

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