Bhutan

Kloster oberhalb eines Flusses in Bhutan

Himalaja

Bhutan

Unberührte Himalaja-Gipfel, burgartige Klöster und blühender Rhododendron – Bhutan ist unbestritten eines der letzten Paradiese auf dieser Erde. Mit knapp 750.000 Einwohnern (2016) wohnen in dem unabhängigen Königreich in etwa so viele Menschen wie in Frankfurt am Main, auf einer Fläche, die fast so groß ist wie die Schweiz. Eingepfercht zwischen China und Indien musste das südasiatische Land immer wieder darum kämpfen, unabhängig zu bleiben. Heute begeht Bhutan den steinigen Weg in die Moderne.

Arm, aber glücklich?

Buddhistisches Kloster an einer Felswand.

Kloster Tatsang in Bhutan

Die Bhutaner gehören zu den ärmsten Menschen der Welt. Im Jahr 2012 lebten rund 12 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Das liegt auch daran, dass der größte Teil der Gesellschaft von der Landwirtschaft lebt. Doch die Bhutaner sind ein fröhliches und eigensinniges Volk. Es gibt kein Kastensystem, einem gesellschaftlichen Aufstieg steht grundsätzlich nichts im Wege.

Sie lieben und akzeptieren ihren König, der für sie "materiellen Fortschritt und spirituelles Wohlbefinden" erreichen will. Drachenkönig Jigme Dorji Wangchuks (1952 bis 1972) war der erste Monarch, der weitreichende Reformen durchführte. Er ermöglichte der Bevölkerung kostenlosen Zugang zu Schulen und auch kostenlose ärztliche Versorgung. Deswegen sind der Bildungsstandard und die Lebenserwartung der Bhutaner innerhalb der letzten 40 Jahre rapide angestiegen.

Die nepalesischen Einwanderer

Zwei Frauen arbeiten auf einem Feld in Süd-Bhutan.

Zwei Frauen bei der Feldarbeit in Süd-Bhutan

Eine Bevölkerungsgruppe ist bis heute am Rande der bhutanischen Gesellschaft geblieben und hat wenig von den Reformen profitieren können: die nepalesischen Einwanderer, die vorwiegend im Süden des Landes leben. Denn als bei einer Volkszählung im Jahr 1980 diese nepalesische Minderheit, deren Anhänger Hindus sind, fast 50 Prozent der Bevölkerung ausmachten, verfolgte die Regierung einen strikten Bhutanisierungs-Kurs, der zur Benachteiligung und schließlich auch zur Vertreibung der nepalesisch-stämmigen Einwanderer führte.

Wegen der Politik des vierten Drachenkönigs Jigme Singye Wangchuck (1974 bis 2006), verließen etwa 100.000 Süd-Bhutaner Anfang der 1990er Jahre das Land und leben seitdem in Flüchtlingslagern in Nepal. Weitere 15.000 flohen nach Indien. Bis heute versuchen sie, ihre Rechte geltend zu machen, um nach Bhutan zurückzukehren.

Buddhismus als Staatsreligion

Kloster mit gelben Dächern an einem bewaldeten Hang.

Tashichho-Dzong in der bhutanischen Hauptstadt Thimpu

Als einziges Land weltweit hat Bhutan den Vajrayana-Buddhismus als Staatsreligion. Die größte buddhistische Schule in Bhutan ist die Drukpa-Kagyü, eine Schulrichtung des tibetischen Buddhismus. Das hat das Leben im Land in allen Bereichen stark beeinflusst. Der Je Khenpo, höchster Abt und Oberhaupt der Drukpa-Kagyü, wird vom König in allen Entscheidungen zu Rate gezogen. Die Kloster und Klosterburgen (Dzongs) bilden oft gesellschaftliche Zentren. Hier trifft sich die Bevölkerung zu Festen, zu Debatten und zum Gebet.

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts waren die Klöster sogar die einzigen Schulen des Landes. Unterrichtet wurde ausschließlich von Mönchen. Erst als 1952 König Jigme Dorji Wangchucks an die Macht kam, reformierte er das Schulsystem radikal und machte Bildung für alle Bürger kostenlos zugänglich.

Der Weg zur konstitutionellen Monarchie

Vier buddhistische Mönche in festlichen, reich verzierten Trachten.

Bhutanische Musiker und Tänzer in traditionellen Trachten

Schon der von 1952 bis 1972 regierende König von Bhutan, Jigme Dorje Wangchuck, leitete einen Reformprozess für sein Land ein. Er sorgte für die Aufhebung der Leibeigenschaft, für die Aufnahme in die Vereinten Nationen und berief erstmals eine Nationalversammlung ein. Auch sein Sohn und sein Enkel führten diesen Prozess weiter fort, bis 2005 ein Verfassungsentwurf vorgelegt und schließlich 2008 verabschiedet wurde. Dieser beinhaltet das Recht auf freie Wahlen und politische Parteien.

Im März 2008 fanden in Bhutan Wahlen mit zwei Parteien statt, die an die Regierungsmacht wollten. Eine Wahlbeteiligung von fast 80 Prozent zeigte die hohe Akzeptanz der Bevölkerung in Bezug auf das neue Regierungssystem. Mit der Unterzeichnung der Verfassung durch den König ist Bhutan seit Juli 2008 auch formal eine konstitutionelle Monarchie nach britischem Vorbild mit einem Ober- und Unterhaus.

In Bhutan wurde der Wandel von einer absoluten zu einer konstitutionellen Monarchie somit vom König und von der herrschenden Oberklasse angeordnet – anders als bei vielen anderen Monarchien, die vom Volk gestürzt wurden.

Bewahrung der Tradition

Vier Yaks und zwei Yak-Treiber laufen an einem See. Im Hintergrund sind die schneebedeckten Gipfel des Himalaja zu sehen.

Versteck jenseits der Modernität

Bhutan wird nicht umsonst als "Versteck jenseits der Modernität" gesehen. Im Jahr 1999 war Bhutan das letzte Land weltweit, das das Fernsehen eingeführte. Etwas später kam auch das Internet und erst 2004 wurden Mobiltelefone erlaubt. Die restriktive Politik des Königs sollte verhindern, dass die Traditionen verwässert werden und letztendlich verloren gehen. So ist bis heute die Angst groß, dass vor allem Touristen die Gesellschaft verändern könnten.

Deswegen durften erst 1974 die ersten Urlauber ins Land einreisen und seitdem setzt Bhutan – anders als Nepal – eher auf den sanften als auf den Massentourismus. Mit 200 bis 250 Dollar Reisepauschale pro Tag ist das unberührte Bhutan für Urlauber eher ein teures Reiseziel. Da auch kommerzielles Bergsteigen wegen religiöser Bedenken verboten ist, wird nur ein bestimmtes Klientel angesprochen. Das hohe Preisniveau kontrolliert also den Tourismus und so können die jahrhundertealten Traditionen fast unverfälscht erhalten bleiben.

Aufbruch ins moderne Zeitalter

Bhutaner sind sehr umweltbewusst. Schon in den Schulen wird den Kindern die Verantwortung für ihre Umwelt beigebracht. Deswegen setzt Bhutan im Vergleich zu vielen anderen Himalaja-Staaten im Kampf gegen den Klimawandel und die Umweltverschmutzung seit einigen Jahren auf Wasserkraftwerke und Solarenergie. So soll das wertvolle Holz, das 2006 immer noch mehr als 70 Prozent des Energiebedarfs des Landes deckte, in Zukunft geschont werden.

Bis 2020 – so das ehrgeizige Ziel des Königs – soll jeder Haushalt an das öffentliche Stromnetz angeschlossen sein. In den entlegenen Bergregionen, wo ein durchgängiges Stromnetz nicht möglich ist, soll Solarenergie den Bauern den Strom liefern. Sollten diese Pläne tatsächlich umgesetzt werden, würde Bhutan eine Vorreiterrolle innerhalb der Himalaja-Region übernehmen.

Autorin: Eva Mommsen

Stand: 30.08.2016, 10:55

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