El Niño

Luftaufnahme: Eine Stadt ist überflutet

Klimaforschung

El Niño

Von Uwe Leonhardt

Immer wieder wird das Klimaphänomen El Niño für Orkane, sintflutartige Regenfälle und Flutkatastrophen in Süd- und Mittelamerika verantwortlich gemacht. Was aber verbirgt sich hinter diesem spanischen Pseudonym?

Ein "Christkind" bringt Unglück

Etwa alle vier Jahre zur Weihnachtszeit erwärmt sich das Meer vor der südamerikanischen Westküste und beschert den Fischern dort eine existenzbedrohende Flaute beim Fischfang. Aufgrund der ungewöhnlich hohen Temperaturen sterben große Teile des Fischbestandes oder verlassen die Meeresräume. Hinzu kommen gewaltige Niederschläge, die für Überschwemmungen und Orkane sorgen.

Die Fischer nennen dieses Phänomen der christlichen Jahreszeit entsprechend "El Niño", also "das Christkind". Ein Christkind, das Unheil bringt. Denn meistens ist ein El-Niño-Jahr mit vielen Katastrophen für die Einheimischen verbunden.

Eine junge Frau wird mit einer Seilwinde über eine überflutete Straße transportiert

El Niño verursacht Stürme und Flutkatastrophen

Was ist El Niño?

Zwischen einem Hochdruckgebiet vor der Westküste Südamerikas und einem Tiefdruckgebiet vor der Ostküste Australiens zirkulieren in bestimmten Richtungen Winde, die sogenannten Passatwinde. Je nach Stärke des jeweiligen Druckausgleichs entstehen unterschiedliche Windgeschwindigkeiten.

Parallel dazu kreisen kalte und warme Meeresströmungen. Die kalte Meeresströmung aus dem Süden wird Humboldtstrom genannt. Sie sorgt für ein ausgeglichenes Klima im Meer.

In einem El-Niño-Jahr bricht das Hoch zusammen. Dies geschieht immer im Südsommer, der heißesten Jahreszeit, und die ist auf der Südhalbkugel stets zur Weihnachtszeit. Durch den Zusammenbruch geraten die Winde außer Kontrolle und blasen teilweise mit erheblichen Geschwindigkeiten in entgegengesetzte Richtungen.

Dadurch verändern sich auch die Meeresströmungen. Der Humboldtstrom wird abgeleitet und das Meer erwärmt sich mehr und mehr. Plankton und andere Meerestiere verenden.

Neben den bereits erwähnten wirtschaftlichen Problemen bringen die gewaltigen Stürme in der Regel aufgrund der chaotischen Wetterlage ausgiebige Niederschläge mit sich. Es kommt immer wieder zu Flutkatastrophen und Erdrutschen. Die Folgen sind Tod, Zerstörung und Krankheiten.

Kann El Niño auch bei uns auftreten?

Durch die Veränderungen der Windzirkulation im Pazifikraum werden die Passatwinde rund um den ganzen Globus beeinträchtigt. An der Ostküste Afrikas entstehen zum Beispiel Dürren, weil der Passat hier ausfällt und keine feuchte Luft vom Ozean auf das Land bringt.

Ebenso kommt es zu Trockenperioden in Australien und Indonesien und damit zu erhöhter Waldbrandgefahr. Auch auf Europa soll El Niño Einfluss haben: Den eisigen Winter 2009/2010 zum Beispiel führen einige Wissenschaftler auf das Phänomen zurück.

Woher kommt El Niño?

Bisher steckt die Forschung hier noch in den Kinderschuhen. Wie das Phänomen funktioniert, ist weitgehend entdeckt. Aber die Ursachen liegen noch im Bereich der Spekulation. Manche Forscher machen die schon von Galileo Galilei 1610 entdeckten Sonneneruptionen für solche Phänomene verantwortlich.

Aufnahme von Protuberanzen der Sonne

Sonneneruptionen – Ursache des Phänomens?

Alle elf Jahre ungefähr verändern sich diese Sonnenflecken, gewaltige Entladungen an der Sonnenoberfläche. Alle vier Jahre, also im El-Niño-Rhythmus, verändert sich die Intensität dieser Eruptionen. Die dadurch abgestrahlte Energie soll einen Einfluss auf unser Klima haben.

Wissenschaftlich umstritten ist auch der Zusammenhang von El Niño und der Erwärmung der Erdatmosphäre. Zwar beobachteten Klimaforscher vor allem bis 1997 eine Verstärkung des Phänomens. Danach hat sich diese Entwicklung wieder normalisiert.

Somit können auch natürliche Schwankungen, die immer wieder beobachtet wurden, dafür verantwortlich sein. Viele Wetterforscher vermuten aber weiterhin, dass es einen Zusammenhang gibt und dass El Niño wegen des Anstiegs der Erdtemperaturen in Zukunft häufiger vorkommen wird.

Stand: 23.07.2019, 09:45

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