Kritik an Zoos

Zoos

Kritik an Zoos

Tausende exotische Wildtiere leben in Käfigen und Gehegen der Zoos. Vor allem in Großstädten sind sie beliebte Ausflugsziele. Tierschützer bezeichnen die Gefangenschaft der Tiere jedoch als Quälerei und Isolationsfolter.

Titanic oder Arche?

Wildtiere sind in ihrem Verhalten und Körperbau auf ein Leben in Freiheit ausgerichtet. Nach Meinung von Tierschützern verkümmern die Tiere in Gefangenschaft. Anzeichen dafür seien die sogenannten Stereotypien, also die immer gleichen Bewegungsabläufe: etwa das Schwenken mit dem Kopf oder pausenloses Hin- und Herlaufen.

Besonders häufig könnten solche Abnormitäten bei Bären und Großkatzen beobachtet werden. Der Großteil der Zootiere, so der Vorwurf der Tierschützer, fühle sich von den Besuchermassen gestört und werde aggressiv. Manche töteten sogar ihre Artgenossen, verstümmelten sich selbst oder zeigten andere Formen von Verhaltensstörungen.

Ein Tiger reißt vor dem Wasserbecken in seinem Gehege das Maul auf

Großkatzen können kaum artgerecht gehalten werden

Aber Tierpark ist nicht gleich Tierpark. Natürlich exisitieren Zoos, in denen die Tiere unter schlechtesten Bedingungen gehalten werden – aber es gibt auch positive Beispiele. Viele Zoos versuchen die Tiere so artgerecht wie möglich zu halten.

Durch größere, den Bedürfnissen der Tiere angepasste Gehege haben sich die Haltungsbedingungen in den vergangenen Jahren deutlich verbessert.

Zudem wird versucht, die Tiere auf verschiedene Art und Weise zu beschäftigen, indem es ihnen zum Beispiel erschwert wird, an ihr Futter zu gelangen. So müssen Eisbären Fleischbrocken erst aus großen Eiswürfeln holen oder Schimpansen ihre Rosinen aus einem ausgehöhlten Baumstamm.

Zuchthaus statt Zucht-Haus?

Im Gegensatz zu früher können Zoologische Gärten heute auch größere Zuchterfolge verzeichnen. Zoogegner argumentieren jedoch, dass die in Tierparks geborenen und aufgewachsenen Tiere nicht mit ihren in der Wildnis lebenden Artgenossen zu vergleichen seien.

Erbkrankheiten und andere Anomalien seien häufig die Folge der mangelnden genetischen Vielfalt durch Inzucht.

Dagegen spricht allerdings, dass es mittlerweile weltweit operierende Netzwerke zwischen den Zoos gibt, um Tiere untereinander auszutauschen. Dabei achten die Zoos genau auf den Stammbaum der Tiere, um Inzucht zu vermeiden.

Denn auch unabhängig vom Tierschutz liegt es im Interesse der Zoobetreiber, möglichst gesunde Tiere zu züchten. Kein Besucher möchte sich kranke Tiger, Elefanten oder Eisbären ansehen.

Eisbär Knut im Berliner Zoo

Tierbabys sind Publikumsmagneten

Zootier ist nicht gleich Wildtier

Die Rolle der Zoos als Zuchtstation und Artenschutz-Pension wird von Tierschützern in Frage gestellt. Bei der Wiederauswilderung ergeben sich oft Schwierigkeiten: Zootiere sind in der freien Wildbahn kaum überlebensfähig, da sie nicht gelernt haben, sich durchzusetzen.

Außerdem könnten Zoos keinen Beitrag zum Artenschutz leisten, solange nicht gleichzeitig die natürlichen Lebensräume geschützt würden. Dass viele Zoos genau das tun, übersehen einige Tierschützer dabei.

Auswilderungsprogramme, internationale Naturschutzprogramme und die Wildhüter in den Heimatländern der Tiere werden von vielen großen Zoos unterstützt. Denn dass die Nachzucht und Auswilderung von bedrohten Tierarten nur Sinn macht, wenn es in den Heimatländern noch einen natürlichen Lebensraum für die Tiere gibt, ist auch den Zoobetreibern klar.

Zusammen mit Naturschützern können Tierparks so einen Beitrag dazu leisten, das Überleben einer Spezies in freier Wildbahn zu sichern. Aus diesem Grund arbeiten auch große Naturschutzorganisationen wie zum Beispiel der "World Wide Fund For Nature" (WWF) mit Zoos zusammen.

Vergnügungspark und Volksverdummung?

Schon lange sind Zoos ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur. Neben der Erholung und Unterhaltung sollen sie heute vor allem der Bildung dienen, um den Besuchern sowohl die Tierwelt als auch die Probleme des Arten- und Naturschutzes nahe zu bringen.

Tierschützer kritisieren aber, dass Zoos ein völlig falsches Bild der Natur vermitteln. Zum einen werde die Gefangenschaft von Tieren als völlig unproblematisch dargestellt, zum anderen seien die in Gehegen und Käfigen lebenden Tiere keine echten Vertreter ihrer freilebenden Artgenossen.

Im Zoo wie auch im Zirkus neige man dazu, die Tiere zu vermenschlichen und sich auf ihre Kosten zu amüsieren. Während die meisten Besucher nur einmal im Jahr für ein paar Stunden in den Zoo gehen, müssten die Tiere ihr Leben lang hinter Gittern und auf wenig Raum ihr Dasein fristen.

Den perfekten Zoo wird es wahrscheinlich nie geben, aber in der Regel sind Zoologische Gärten darauf bedacht, dass ihre Tiere möglichst artgerecht gehalten werden, und verbessern die Haltung ihrer Tiere immer weiter.

Elefanten fressen im Zoo in Köln  einen Weihnachtsbaum

Elefanten brauchen viel Platz

Autoren: Susanne Wagner / Christian Görzel

Stand: 29.10.2018, 09:00

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