Sind Asteroiden eine Gefahr?

Der Impaktkrater aufgrund eines Meteoriteneinschlags in Gosses Bluff in Australien.

Asteroiden

Sind Asteroiden eine Gefahr?

Immer wieder sorgen sie in den Schlagzeilen für Aufregung: Asteroiden, die oft sehr plötzlich in Erdnähe auftauchen. Welche Gefahr stellen diese Kleinplaneten für die Erde dar? Was könnten wir im Ernstfall gegen eine drohende Kollision unternehmen?

Wie oft kommen Einschläge vor?

Ein "globaler Killer", wie er vor 65 Millionen Jahren auf der Erde einschlug und vermutlich die Dinosaurier auslöschte, droht uns etwa alle 15 bis 60 Millionen Jahre. Sein Durchmesser betrug mehr als 10 Kilometer. Ein Asteroid mit 30 Meter Durchmesser kann uns laut Statistik in 200 Jahren einmal treffen. Damit ist die Wahrscheinlichkeit dafür, bei einem Asteroideneinschlag ums Leben zu kommen immerhin höher als die, bei einem Flugzeugunglück zu sterben.

Die Folgen eines Einschlags hängen von der Größe, genauer von der Masse, des Asteroiden und seiner Geschwindigkeit ab. Ein Beispiel: Ein Asteroid mit 350 Metern Durchmesser hinterlässt einen Krater von sechs Kilometern Durchmesser und verwüstet ein Gebiet, das doppelt so groß ist wie das Saarland. Seine Sprengkraft beträgt zwischen einer und zehn Gigatonnen TNT, was 77.000 Hiroshima-Bomben entspricht. Schlägt der Himmelskörper im Meer ein, muss mit gewaltigen Überschwemmungen gerechnet werden.

Ist der Asteroid fünfmal so groß, also 1,75 Kilometer im Durchmesser, droht eine Katastrophe globalen Ausmaßes: Eine Fläche von der Größe Frankreichs würde direkt zerstört. Durch den hochgeschleuderten Staub käme es zu weltweiten Klimaänderungen und einer globalen Zerstörung der Ozonschicht. Leicht vorstellbar, dass ein zehn Kilometer großer Brocken zu einem Massensterben führen würde.

Wie findet man gefährliche Asteroiden?

Luftaufnahme einer vulkanischen Bergspitze, auf der sich ein Observatorium befindet.

Beste Sicht auf den Nachthimmel: der Mauna Kea in Hawaii

In den USA nehmen Wissenschaftler die Bedrohung sehr ernst, dort suchen Institutionen wie Spacewatch im Regierungsauftrag nach gefährlichen Himmelskörpern. NeuestesVorzeigeprojekt ist Pan-Starrs, ein System aus vier Teleskopen, das vom Astronomischen Institut Hawaii auf dem Mauna Kea gebaut wird. Ursprünglich sollte es 2007 einsatzbereit sein, jedoch wird bis heute an ihm gebaut und es kommen nur Prototypen zum Einsatz.

Für das Projekt bauen Techniker die größten elektronischen Kameras der Welt und entwickeln spezielle Computertechnik, um die riesigen Datenmengen zu verarbeiten. So wollen die Forscher innerhalb von fünf Jahren alle Asteroiden finden, die größer als 300 Meter sind, und sie katalogisieren. Zusätzlich wollen sie die Bahnen der Kleinplaneten auf 30 Jahre im Voraus berechnen können.

Danach blieben uns also drei Jahrzehnte Zeit, bei einer drohenden Kollision Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Manche Wissenschaftler halten diese Zeitspanne beim heutigen Stand der Raumfahrttechnik für zu knapp, anderehalten dagegen, dass innerhalb dieser Zeitspanne durchaus Abwehrmaßnahmen entwickelt werden können.

Welche Abwehrmaßnahmen sind denkbar?

Zeichnung: Ein Asteroid durchschlägt einen Planeten, der daraufhin explodiert.

Werden wir künftig einen Asteroiden auf Kollisionskurs stoppen können?

Hollywood schlägt im Film Deep Impact eine Sprengung mit Nuklearraketen vor. Das Unternehmen misslingt, der Himmelskörper zerbricht lediglich in zwei Teile, ohne seine Bahn zu ändern und verwüstet die Erde. Eine realistische Einschätzung, meinen Astronomen vom Astronomischen Institut Hawaii, die als Berater für den Film tätig waren. So ließe sich eine Katastrophe mit ziemlicher Sicherheit nicht verhindern.

Seit sie wissen, dass Asteroiden auch durch die Reflektion des Sonnenlichts ihre Bahn verändern, gibt es bessere Ideen, die aber auf den ersten Blick etwas abenteuerlich erscheinen: Man könnte einen Asteroiden einfach mit weißer Farbe überziehen. Er reflektiert dann das Sonnenlicht besser und erfährt dadurch einen Strahlungsdruck, der ihn von seinem Kollisionskurs mit der Erde ablenkt.

Den gleichen Effekt könnte das gebündelte Licht riesiger Parabolspiegel haben, die in die Nähe gefährlicher Asteroiden geflogen werden müssten. Eine weitere Idee ist, ein Ionentriebwerk am Asteroiden zu befestigen. Sein geringer aber über lange Zeit wirksamer Rückstoß sollte ebenfalls den Orbit des Felsbrockens im All ein ganz klein wenig verändern.

Solche Ideen sind keine Hirngespinste von Science-Fiction-Autoren, sondern Theorien hochkarätiger Wissenschaftler. Sie wurden im renommierten Wissenschaftsmagazin "New Scientist" veröffentlicht. Tatsache ist aber, dass die Menschheit zurzeit über keine Technologie verfügt, mit der auch nur eine dieser Abwehrmaßnahmen in kurzer Zeit realisierbar wäre.

Autor: Harald Brenner

Stand: 30.05.2016, 09:35

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