Zwischenfälle auf Start- und Landebahn

Flugzeuge auf einem Rollfeld

Flugsicherheit

Zwischenfälle auf Start- und Landebahn

Von Lothar Nickels

Auf dem Rollfeld kommen Flugzeuge sich oft gegenseitig oder anderen Fahrzeugen in die Quere. Solche "Runway Incursions", zu deutsch "Störungen auf der Start- oder Landebahn", zählen zu den häufigsten Ursachen von Flugzeugunfällen weltweit.

Zahlreiche Faktoren

Piloten tragen eine große Verantwortung – nicht nur in der Luft, sondern auch am Boden. Nach der Landung und vor dem Start müssen sie das Flugzeug zum richtigen Gate rollen. Das ist ein besonders riskanter Flugabschnitt. Weil jeder Flughafen anders ist, orientieren sich die Piloten mit Kartenmaterial des jeweiligen Areals.

Das Netz der Rollwege großer Flughäfen wird immer komplizierter und undurchsichtiger. Da kann es sein, dass sie beim Rangieren der Maschine die falsche Route erwischen. Natürlich erhalten sie per Funk Anweisungen vom Tower. Diese Kommunikation ist aber nicht immer frei von Missverständnissen, weil die Frequenz am Funkgerät ständig wechselt.

Es kann auch passieren, dass die Anweisungen durch die Besatzung ganz einfach falsch ausgeführt werden oder vom Kontrollturm falsch erteilt wurden. Sind auch noch die Sichtverhältnisse durch Nebel oder Dunkelheit erschwert, kommt es vor, dass sich zwei Flugzeuge auf einer Rollbahn begegnen.

Dann spricht man von einer "Runway Incursion" ("Störung auf der Start- oder Landebahn"). Nach offiziellen Angaben ist das etwa einmal im Monat der Fall. Die Dunkelziffer bleibt unbekannt. Meistens gehen diese Beinahe-Kollisionen jedoch glimpflich aus.

Flugzeugeinweiser weist ein Flugzeug ein

Auch auf dem Rollfeld besteht noch ein Risiko

Verkettung von Umständen

Zum schwersten Unglück der Luftgeschichte am Boden kam es 1977 auf Teneriffa. Damals starben 583 Menschen. Eine Boeing 747 der niederländischen Fluggesellschaft KLM kollidierte auf der Rollbahn beim Abheben mit einer US-amerikanischen PanAm-Maschine.

Mehrere Faktoren hatten dazu beigetragen. Auf der Nachbarinsel Gran Canaria war der Flughafen gesperrt, weil es dort einen Bombenanschlag und weitere Terrordrohungen gegeben hatte. Alle Flugzeuge mussten nach Teneriffa ausweichen, darunter auch die beiden Unglücksjets.

Der sehr kleine Ersatzflughafen war diesem starken Aufkommen kaum gewachsen. Nachdem schließlich der Nachbarflughafen auf Gran Canaria wieder freigegeben war, wollten alle umgeleiteten Flugzeuge möglichst schnell dorthin.

Allerdings herrschte zu diesem Zeitpunkt am Flughafen von Teneriffa dichter Nebel. Bei den extrem schlechten Sichtverhältnissen wussten die Piloten auf dem für sie fremden Gelände nicht, wo genau sie sich befanden.

Auch der Tower konnte die Flugzeuge nicht sehen. Ein Bodenradar gab es nicht. Ohne eine ausdrückliche Starterlaubnis erhalten zu haben, setzte die niederländische Maschine schließlich zum Abheben an. Es kam zur Kollision mit verheerenden Folgen.

Flugzeug im Nebel

Problematisch: schlechte Sichtverhältnisse

Risiko kann gemindert werden

Am Himmel ist das Kollisionsrisiko durch entsprechende Frühwarnsysteme minimiert. Nach der Landung oder vor dem Start fehlen solche Hilfsmittel. Piloten haben daher keine exakten Informationen darüber, wo sie selbst und weitere Objekte sich auf der Bahn befinden.

Wissenschaftler arbeiten an Systemen, ihnen auch am Boden eine genaue Orientierung an die Hand zu geben. Die meisten Schwierigkeiten bereitet dabei der Umgebungsverkehr. Nicht nur Flugzeuge, sondern auch andere Fahrzeuge, die auf einem Flughafen unterwegs sind, müssen technisch so ausgestattet sein, dass sie mit den Flugzeugen kommunizieren können.

Bis eine solche Technik für den Luftverkehr einsatzbereit ist, wird es noch lange dauern. Zwar hat sich die Sicherheit an deutschen Flughäfen verbessert, was ein Bericht der Vereinigung Cockpit (VC) zeigt. Aber noch immer gibt es Mängel, die zu einem ungewollten Abweichen von Rollwegen und Pisten führen.

Dem könnten einfache Maßnahmen entgegenwirken. So fordern die Piloten beispielsweise eine unkomplizierte Markierung der Bahnen. Auch müsste die Beleuchtung verbessert werden. Zusätzliche Rotlichtampeln an jeder Pistenkreuzung würden die Sicherheit ebenfalls erhöhen. Denn die Signalfarbe Rot steht auch im Straßenverkehr weltweit für Stopp.

SWR | Stand: 22.10.2019, 11:15

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