Entwicklung der deutschen Autoindustrie

VW Werk in Wolfsburg

Verkehr

Entwicklung der deutschen Autoindustrie

Von Frank Drescher

Mit 850.000 Beschäftigten und 407 Milliarden Euro Umsatz ist die deutsche Autoindustrie das Schwergewicht der deutschen Wirtschaft. Seit mehr als 60 Jahren gehört Deutschland zu den führenden Auto-Nationen der Welt. Durch die Diesel-Krise zeigt sich, welche Bürde das auch sein kann.

Kugelförmig mit Heckmotor – der Käfer wird ein Welterfolg

Zu hässlich, zu laut und technisch zu rückständig – mit diesem Urteil begründeten die Chefs der britischen Autoindustrie ihr Desinteresse an der Kriegsbeute, die die British Army aus dem Osten Niedersachsens mitgebracht hatte: ein produktionsreif entwickeltes kugelförmiges Auto mit Heckmotor. So durfte die Herstellung des kuriosen Gefährts in der norddeutschen Tiefebene bleiben.

Nach 1945 ging der Käfer hier in Serie und nicht etwa in den britischen Midlands. Dass er trotz seiner offenkundigen Schwächen ein Welterfolg wurde, verdankte der Wagen anderen Qualitäten: Robustheit und Langlebigkeit. Schon 1955 lief das einmillionste Exemplar vom Band.

Deutsche Touristen zwischen zwei VW Käfern, die mit Ski-Ausrüstungen beladen sind vor Alpenkulisse.

Mit dem VW Käfer unterwegs in den Skiurlaub

Deutsche Automobil-Werke auf der ganzen Welt

Wie es mit diesem Auto weiterging, steht beispielhaft für den Weg, den die deutsche Autoindustrie insgesamt nahm. Denn der Käfer fand nicht nur weltweit reißenden Absatz. Bald schon entstanden auch die ersten Produktionsanlagen jenseits der deutschen Grenzen: unter anderem in Brasilien, Südafrika und Mexiko ließ VW seinen Käfer vom Band rollen.

Auch wenn der Käfer inzwischen längst Geschichte ist, betreibt der Konzern bis heute dort und auch in vielen anderen Ländern Werke. Bereits seit Mitte der 1980er Jahre ist das Unternehmen auch in China vertreten und baut Autos zusammen mit chinesischen Partnerunternehmen.

Dabei bietet VW in diesen Ländern oft auch Modelle an, die in Deutschland gar nicht erhältlich sind, weil sie speziell auf die Bedürfnisse der Kundschaft in Übersee zugeschnitten sind. BMW und Mercedes-Benz begannen erst in den 1990er Jahren, Werke außerhalb Deutschlands zu errichten.

Gebäude mit BMW-Logo.

BMW Zentrale in München

Inzwischen haben die deutschen Autohersteller nach einer Erhebung des Verbands der Automobilindustrie (VDA) aus dem Jahr 2010 in mehr als 70 Ländern eine Fertigung aufgebaut. So kommt es, dass die deutsche Autoindustrie inzwischen den Großteil ihrer Umsätze jenseits der Grenzen erwirtschaftet: Von den 407 Milliarden Euro im Jahr 2016 entfällt mit 150 Milliarden nur etwas mehr als ein Drittel aufs Inland.

Arbeitgeber Autoindustrie

Dennoch ist die Autoindustrie mit ihren 850.000 Beschäftigten auch im Inland einer der bedeutendsten Industriezweige, nur Maschinenbau (1,1 Millionen) und übrige Metallindustrie (878.000) beschäftigen mehr Menschen.

In vielen Gegenden Deutschlands hängt der Wohlstand stark von der Autoindustrie ab: In Städten wie Zwickau, Eisenach, Wolfsburg sind die örtlichen Autofabriken oft die wichtigsten Arbeitgeber.

Entsprechend hart trifft es die Standorte bei Werksschließungen: Bochum etwa war von 1960 bis 2014 Standort einer Opel-Produktion, die bis zu 20.000 Menschen beschäftigte, zum Zeitpunkt der Werksschließung waren es immer noch 3.500.

Verwaltungsgebäude des ehemaligen Opelwerks in Bochum.

Verwaltungsgebäude des ehemaligen Opelwerks in Bochum

Neben den Arbeitskräften leiden in solchen Fällen auch die betroffenen Kommunen. Infolge des Diesel-Skandals verlor die Stadt Wolfsburg einen Großteil ihrer Gewerbesteuerzahlungen: Sie sanken von 253 Millionen Euro für das Jahr 2014, dem letzten Jahr vor dem Diesel-Skandal, auf 52 Millionen für 2015. So hängen die Planstellen von Erzieherinnen oder die Höhe der örtlichen Friedhofsgebühren indirekt auch vom Erfolg der Autoindustrie ab.

Weiterführende Infos

Stand: 11.07.2018, 08:52

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