Karl Ritter von Ghega und die Semmeringbahn

Das Altenbekener Viadukt in NRW

Eisenbahn

Karl Ritter von Ghega und die Semmeringbahn

Der Mathematiker und Ingenieur Carlo Ghega wird am 10. Januar 1802 als Sohn albanischer Eltern in Venedig geboren. Schon früh stellt sich seine mathematische Begabung heraus. Mit 15 Jahren geht er an die Universität von Padua.

Österreichs Verbindung zum Mittelmeer

Nur ein Jahr später erhält er schon sein Diplom als Architekt und Ingenieur, ein weiteres Jahr später macht er seinen Doktor. Seine Begabung bleibt nicht lange verborgen. Im zu Österreich gehörenden Norditalien ist er schon in jungen Jahren für groß angelegte Projekte im Straßenbau zuständig.

Der Straßenbau befriedigt Ghega nicht lange, die aufkommende Eisenbahn fasziniert ihn viel mehr. Zwischen 1836 und 1837 schaut er sich verschiedene Bahnprojekte in England und anderen europäischen Ländern an, um seine Erkenntnisse anschließend für den Bau von österreichischen Strecken zu nutzen.

Bereits mit 34 Jahren leitet er dann den Bau verschiedener Teilstrecken der österreichischen Nordbahn, die von Wien nach Krakau führt. Als Wien endlich eine schnelle Verbindung nach Triest ans Mittelmeer haben will, bekommt Ghega den Auftrag, den visionären Bau durchzuführen. Er plant die Strecke über den Semmering, einen 984 Meter hohen Gebirgspass in den Alpen.

42 Kilometer gilt es zu überwinden. Von Wien bis ins niederösterreichische Gloggnitz gibt es bereits eine Eisenbahnstrecke. Und auf der anderen Seite des Gebirges führt die Strecke vom steirischen Mürzzuschlag nach Graz und von dort weiter nach Süden ins norditalienische Triest.

Viele Monate wandert Ghega durch die Gegend um den Ort Semmering, um all die Schluchten und Berge kennenzulernen. Die Bahnstrecke muss über Gräben hinweg, durch Berge hindurch und an Felswänden entlang gebaut werden. Ghega plant 15 Tunnel und 16, zum Teil zweistöckige, Viadukte.

Schub im Lokomotivbau

Von Anfang an wird Ghega für seine Pläne kritisiert. Seine Gegner halten seine Ideen für technisch nicht realisierbar. Keine Lokomotive sei in der Lage, die geplanten Steigungen zu befahren, geschweige denn, Nutzlast zu befördern. Aber Ghega lässt sich nicht beirren.

Er führt einen Wettbewerb durch, der die Entwicklung einer solch starken Lokomotive zum Ziel hat. Der Wettbewerb führt zu einem gewaltigen Entwicklungsschub im Lokomotivbau. Vier Lokomotiven, die den ausgeschriebenen Leistungsanforderungen entsprechen, bleiben schließlich übrig.

Doch keine kann im Praxistest wirklich überzeugen. Der Ingenieur Wilhelm von Engerth fasst schließlich die Vorteile der vier Wettbewerbsgewinner zusammen und konstruiert ein Modell, das Ghega überzeugt.

1848 erfolgt der Baubeginn der Strecke. Bis zu 20.000 Arbeiter sind in den folgenden sechs Jahren mit dem Bau beschäftigt. Mehrere Hundert Menschen sterben während der Bauarbeiten durch Unfälle oder Epidemien, die in den Arbeitsunterkünften immer wieder ausbrechen. Am 16. Mai 1854 gibt sich Kaiser Franz Josef I. persönlich die Ehre und fährt zusammen mit Ghega die Strecke ab.

Mit der Eröffnung der Semmeringbahn ist Österreich dank ihres Erbauers zum Pionier beim Bau von Gebirgsbahnen geworden. Ghega bekommt bereits 1851 den Adelstitel verliehen und stirbt am 14. März 1860 als Karl Ritter von Ghega.

Ein Zug der Semmeringbahn bei der Fahrt aus einem Tunnel

Eine Eisenbahnstrecke als Weltkulturerbe

Auch sein Lebenswerk wurde inzwischen geadelt: Die Semmeringbahn ist 1998 als erste Eisenbahnstrecke der Welt zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt worden. In der Begründung heißt es, dass es Ghega gelungen sei, auf einizgartige Art und Weise Natur und Technik harmonisch miteinander zu verbinden.

Autoren: Rolf Stephan/Tobias Aufmkolk

Stand: 14.03.2018, 15:37

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