Orient-Express

Blauer Waggon mit einem silbernen Abzeichen darauf.

Eisenbahn

Orient-Express

Der legendäre Orient-Express ist ein echter Mythos und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Aber wie heißt eigentlich der Schöpfer dieses Luxuszuges?


Wagen aus Teakholz

Die Fahrt mit der Eisenbahn ist im 19. Jahrhundert noch ein großes Abenteuer. Doch schon bald gelüstet es Reisende nach luxuriösen Bahnreisen in ferne, fremde Länder. Dies erkennt auch der belgische Geschäftsmann Georges Nagelmackers, Gründer der Gesellschaft "Compagnie des Wagons-Lits" und "Erfinder" des Orient-Express.

Am 4. Oktober 1883 fährt der Orient-Express zum ersten Mal die Strecke von Paris nach Istanbul, das damals noch Konstantinopel heißt. Große Aufregung herrscht am Pariser Bahnhof "Gare de Strasbourg", dem heutigen "Gare de l'Est". Mit Spannung beobachten die Menschen auf dem Bahnsteig die Einfahrt des nagelneuen Luxuszuges.

An eine Dampflok vom Typ 120 sind die Waggons der Gesellschaft "Compagnie des Wagons-Lits" gekoppelt: Restaurantwagen, Schlafwagen und Gepäckwagen aus stabilem Teakholz. Auch für die Innenausstattung hat man nur feinstes Material verarbeitet: Genueser Samt, Cordoba-Leder und Gobelin.

Vierarmige Gas-Kronleuchter sorgen für Licht, auf den weiß gedeckten Tischen im Zugrestaurant glänzen Silberbesteck, Kristallglas und Geschirr aus Porzellan. Der Orient-Express – ein Luxushotel auf Rädern. Die "Reisesprache" ist Französisch, daneben gibt es auch deutsche, ungarische und türkische Speisekarten.

Zeichnung von Reisenden im Orient-Express

Der Orient-Express war ein Reisevergnügen für die Wohlhabenden

In den ersten Jahren fährt der eigentliche Orient-Express nur bis in die rumänische Stadt Giurgiu an der Donau. Dort müssen die Reisenden die Donau überqueren, mit einem einfachen Zug bis nach Warna weiterreisen, um von dort mit dem Schiff nach Konstantinopel überzusetzen. Erst ab 1888 ist der Endpunkt der Reise dann die türkische Großstadt.

Mythen und Geschichten

Georges Nagelmackers vollbringt mit diesem Projekt eine politische Meisterleistung. Er schließt Verträge mit neun Bahngesellschaften aus heute fünf europäischen Ländern: Frankreich, Deutschland, Österreich, Ungarn und Rumänien. So verbindet der Orient-Express Länder mit teilweise sehr unterschiedlichen politischen Interessen – über eine Strecke von mehr als 3000 Kilometern. Der Orient-Express wird zu einer schnellen, intereuropäischen Verkehrsverbindung.

Und der Zug schreibt Geschichte. Immerhin kann man mit ihm in den Orient reisen – Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts ein geheimnisvolles Ziel, umrankt von Mythen und Geschichten. Schriftsteller, Schauspieler, Musiker und Filmemacher sind fasziniert, der Luxuszug beflügelt die Phantasie.

Agatha Christie schreibt nach einer Reise ihren berühmten Kriminalroman "Mord im Orient-Express", Graham Greene inspiriert der Zug zu seinem Roman "Stamboul Train". Und James Bond jagt in "Liebesgrüße aus Moskau" den Bösewicht im Orient-Express. Mit so berühmten Fahrgästen wie Mata Hari, Leo Trotzki und Greta Garbo sorgt der extravagante Zug für Schlagzeilen.

Zankapfel der Politik

Weil der Orient-Express verschiedene Länder durchquert, wird er immer wieder zum Zankapfel der Politik. Nach dem Ersten Weltkrieg wird die Route des Zuges zweigeteilt. Die ursprüngliche Strecke wird für den zivilen Verkehr gesperrt, sie bleibt ausschließlich hochrangigen Militärs und Politikern vorbehalten.

Für normale Reisende wird 1919 der "Simplon-Orient-Express" ins Leben gerufen, der über die Schweiz, Norditalien und Kroatien bis nach Istanbul führt. So werden die Verliererstaaten Deutschland und Österreich bei der Streckenführung übergangen. Nach dem Zweiten Weltkrieg verliert der legendäre Zug zunehmend an Bedeutung. Gewöhnliche Schnellzüge ersetzen die historischen Wagen.

Zudem ist selbst ein Luxuszug der Konkurrenz von Automobil und Flugzeug nicht mehr gewachsen. Aus dem normalen Fahrplanangebot werden immer mehr Teilstrecken gestrichen. Doch Ende der 1970er Jahre beginnt eine Renaissance des Orient-Express.

Auf einem Gemälde sieht man viele Menschen am Bahnhof vor einer einlaufenden Dampflok. Im Hintergrund hat der Maler Alexander Pawlowitz Berge gezeichnet.

Ein Zug mit Geschichte

Verschiedene Betreiber-Gesellschaften erwecken den "König der Züge" zu neuem Leben, indem sie spezielle Touristik-Fahrten anbieten. Heute können Eisenbahnfans zumindest auf Teilen der ursprünglichen Route wieder die Fahrt in einem der historischen Orient-Express-Züge genießen und bei einem Gourmet-Menü die vorbeiziehende Landschaft betrachten.

Autor: Rolf Stephan

Stand: 26.06.2018, 10:11

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