Orient-Express und Bagdadbahn

Auf einem Gemälde sieht man viele Menschen am Bahnhof vor einer einlaufenden Dampflok. Im Hintergrund hat der Maler Alexander Pawlowitz Berge gezeichnet.

Istanbul

Orient-Express und Bagdadbahn

Von Sine Maier-Bode

Istanbul besitzt zwei große Bahnhöfe. Im europäischen Teil der Stadt liegt der Sirkeci-Bahnhof. Hier endete einst der Orientexpress aus Paris. Auf der asiatischen Seite liegt der Bahnhof Haydarpaşa, von wo aus die Bagdadbahn in den Orient fuhr.

Der Orient-Express

Der Orient-Express war von Anfang an ein Zug für die Wohlhabenden. Wer mit ihm von Paris aus in Richtung Istanbul (damals Konstantinopel) fahren wollte, hatte alle wünschenswerten Bequemlichkeiten, die sich ein Reisender Ende des 19. Jahrhunderts erträumen konnte.

Die Waggons waren von angesehenen Künstlern mit feinstem Mobiliar ausgestattet. Der Service sollte Könige, Fürsten, Stars und Sternchen zufriedenstellen. Kein Wunder also, dass sich um den Orientexpress seit seiner ersten Fahrt im Oktober 1883 schon immer Geschichten und Legenden rankten.

Berühmtheit erlangte der Zug auch durch den Krimi "Der Mord im Orient-Express" von Agatha Christie, der später verfilmt wurde. Wer auf dem Bahnhof von Sirkeci ankam, war in einer anderen Welt gelandet. Istanbul verkörperte den Zauber aus 1001 Nacht, den fernen Orient. Doch wer wirklich in den fernen Orient reisen wollte, der setzte seine Reise auf der asiatischen Seite am Bahnhof Haydarpaşa fort.

Zeichnung von Reisenden im Orient-Express

Der Orient-Express war ein Reisevergnügen für die Wohlhabenden

Die Bagdadbahn

Der Bahnhof Haydarpaşa stammt aus der wilhelminischen Zeit und wurde erbaut von deutschen Architekten. Von hier aus startete Anfang des 20. Jahrhunderts die legendäre Bagdadbahn. Sie war ein gemeinsames Projekt von Sultan Abdülhammit II. und Kaiser Wilhelm II.

Das damalige Osmanische Reich erstreckte sich von Ägypten bis zum Persischen Golf. Nun sollte es erschlossen werden. Das Geld kam von der Deutschen Bank und die Aufträge gingen an deutsche Unternehmen. Die Zusammenarbeit hatte schon Ende des 19. Jahrhunderts begonnen und die Strecke quer durch Anatolien bis nach Konya war schon fertiggestellt.

Die größten Probleme begannen 1903 mit dem Ausbau Richtung Süden. Das Taurusgebirge stellte die Konstrukteure des Jahrhundertprojekts vor riesige Anforderungen. In einer Höhe bis zu 1478 Metern mussten auf 64 Kilometern Strecke 44 Tunnel gegraben werden.

Noch heute gilt der Bau der Bagdadbahn als eines der eindrucksvollsten Bauunternehmen der damaligen Zeit. Doch das abenteuerliche Unternehmen brauchte Menschen, die die Arbeit verrichteten. Nicht wenige von ihnen verloren hierbei ihr Leben.

Schwarzweiß-Foto vom Bau der Bagdadbahn 1925

Der Bau der Bagdadbahn war ein langwieriges Unterfangen

Der Erste Weltkrieg verhinderte zunächst eine Fortführung des Baus. Das Zeitalter des Osmanischen Reiches war vorüber und die Grenzen des neuen Staates, der Türkei, wurden neu festgelegt. Vorerst endete die Bahnstrecke in der Nähe der syrisch-türkischen Grenze.

Erst 1940 war die mehr als 2500 Kilometer lange Strecke fertiggestellt. Doch einen geregelten Bahnverkehr gab es nur selten. Im neuen Jahrtausend wollten die Türkei und der Irak zwar wieder einen geregelten Verkehr aufnehmen, der jüngste Irak-Krieg machte diesen Plan jedoch, wie schon häufig zuvor in der Geschichte, erneut zunichte.

Wer heute in den Orient reisen will, nimmt das Flugzeug, und wer innerhalb der Türkei unterwegs ist, benutzt die Busse oder das Auto, denn die Straßen haben den Schienenverkehr zu großen Teilen ersetzt. Die pompösen Bahnhöfe existieren weiterhin. Vom Bahnhof Haydarpaşa aus transportiert heute der Taurusexpress vor allem Pendler aus Istanbul in die Wohnorte ihrer Familien im Inneren Anatoliens.

Im Bahnhof Sirkeci kommen die Züge aus Belgrad, Bukarest und Thessaloniki an, und nur ganz selten taucht einmal ein nostalgischer Orient-Express hier auf. 1962 traf der letzte Zug unter dem Namen Simplon-Orientexpress in Istanbul ein.

Seit Ende der 1970er Jahre haben private Reiseunternehmer Waggons aus den 1920er Jahren restauriert, die man heute auf unterschiedlichen Routen von Europa aus buchen kann.

Das Innere eines Waggons des Orient-Express.

Das Interieur ist immer noch luxuriös

Wer von Haydarpaşa aus eine Nostalgie-Reise unternehmen will, fährt nicht so luxuriös wie die Passagiere des Orient-Express. Heute verkehren verschiedene Züge auf den Strecken der ehemaligen Bagdadbahn.

Es gibt einen Bummelzug, der sich zwar Express nennt, jedoch an jedem Bahnhof anhält. In einem besonderen Abteil konnte man eine Zeit lang mit ihm allerdings bis nach Aleppo in Syrien reisen.

Und damit befindet man sich wieder auf einer Strecke, die Agatha Christie auch lieb und vertraut war. In den 1920er und 1930er Jahren fuhr sie mehrere Male nach Syrien, um ihren Mann Max Mallowan zu besuchen, der dort als Archäologe Ausgrabungen leitete.

Stand: 26.07.2019, 10:20

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