Kaiser Wilhelm II.

Wilhelm II. auf einem colorierten Foto

Persönlichkeiten

Kaiser Wilhelm II.

"Zu Großem sind wir noch bestimmt, und herrlichen Tagen führe ich euch noch entgegen." Ein großes Versprechen des deutschen Kaisers Wilhelm II, der die Monarchie wenige Jahrzehnte später im Deutschen Reich zu Grabe tragen sollte. Ganz falsch liegt er dennoch nicht mit seinem Versprechen. Das Deutsche Reich erlebt in seiner Regentschaft einen unglaublichen Aufschwung und die Menschen leben in Frieden. Fast wäre Wilhelm II. als Friedenskaiser in die Annalen eingegangen. Wilhelm II. ist ein Mann, der das Militärische liebt, sich als Kaiser von Gottes Gnaden versteht und der mit Glanz und Gloria nicht geizt, obwohl sein Start ins Leben alles andere als glänzend ist.

Die Kindheit Wilhelms II.

Am 27. Januar 1859 wird Wilhelm II. als Kind von Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen und dessen Frau Victoria, einer Tochter der englischen Königin Victoria, geboren. Seine Mutter knüpft große Erwartungen an ihren Sohn, soll er doch als Musterprinz zu einem idealen deutschen Kaiser im Sinne englischer Liberalität erzogen werden.

Doch schon gleich nach der Geburt muss Victoria an ihrem Vorhaben zweifeln. Der Prinz wird bei der Geburt so schwer verletzt, dass sein linker Arm für immer gelähmt sein wird. Diese Behinderung empfindet Victoria als Schmach, sie kann mit dem Makel nicht umgehen und will die Unvollkommenheit ihres Sohnes um jeden Preis kompensieren.

Eine strenge Erziehung und körperliche Torturen quälen den Jungen. So muss er eine Kopfstreckmaschine tragen und den gelähmten Arm im Kadaver eines frischgeschossenen Hasen baden, verzweifelte Versuche, den Arm doch noch beweglich zu machen. Wilhelm II. hat eine freudlose Kindheit.

Das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn wird immer sehr problematisch bleiben. Auch das Verhältnis zu seinem Vater ist schlecht, Liebe erfährt der Junge nur durch seine Großmutter, die englische Königin Victoria.

der sitzende Prinz Wilhelm und seine Mutter lesen ein Buch

Prinz Wilhelm und Kronprinzessin Victoria von Preußen

Das Dreikaiserjahr

Im Jahr 1888 besteigt Wilhelm II. den Thron. Als Kaiser Wilhelm I. am 9. März stirbt, wird Wilhelms Vater, Kronprinz Friedrich Wilhelm deutscher Kaiser. Er ist zu diesem Zeitpunkt jedoch schon todkrank.

Friedrich Wilhelm leidet an Kehlkopfkrebs, seine Amtszeit soll nur 99 Tage dauern, Friedrich III. stirbt am 15. Juni 1888 – ihm folgt Wilhelm. Mit nur 29 Jahren wird er deutscher Kaiser.

Brustbild von Friedrich III

Friedrich III. starb 1888 an Kehlkopfkrebs

Wilhelm II. sieht sich als Kaiser von Gottes Gnaden. Das liberale Gedankengut seiner Eltern fällt bei ihm auf fruchtlosen Boden. Wilhelm II. ist reaktionär, entwickelt früh eine Leidenschaft für alles Militärische und als Kaiser ist er sogar oberster Kriegsherr.

Wilhelm II. will selbst politisch gestalten und erhebt Anspruch auf ein eigenes Regiment. Die Auseinandersetzungen mit Reichskanzler Otto von Bismarck sind vorprogrammiert Der Konflikt gipfelt 1890 in der Entlassung des 75-jährigen Reichskanzlers.

Zur Zeit Wilhelm II. hat das Deutsche Reich eine konstitutionelle Monarchie. Alle Gesetze werden vom Deutschen Reichstag beschlossen, dem Parlament fehlt aber eine entscheidende Kompetenz: Der Kaiser, nicht das Parlament wählt die Zusammensetzung der Regierung.

Der Kaiser wählt sein politisches Personal selbst, hievt die richtigen Leute in die richtigen Positionen und muss sich nicht um das Alltagsgeschäft kümmern. So bleibt genügend Zeit, sich einer seiner Lieblingsbeschäftigungen zu widmen: dem Reisen.

Der Reisekaiser

Ob auf Städtereisen oder unterwegs mit seiner Jacht “Hohenzollern“: Wilhelm II. liebt es zu reisen – bis zu 200 Tage im Jahr ist er unterwegs, vier Jahre seines Lebens soll Kaiser Wilhelm allein auf seiner Dampfjacht "Hohenzollern" verbracht haben. Kreuzfahrten durch das Mittelmeer, Korfu, Italien, Türkei, Israel – und immer sind die Reisen mit ausgiebigen Landausflügen verbunden.

Jedes Jahr geht er für mehrere Wochen auf "Nordlandreise" in die norwegischen Fjorde. Während sein Volk seinen Großvater "greisen Kaiser" und seinen Vater den "weisen Kaiser " nannte, spricht es schon bald bei Wilhelm II. vom Reisekaiser.

Die jacht Hohenzollern in Norwegen

Jacht Hohenzollern in Norwegen

Der Medienkaiser

In der Kaiserzeit expandiert der Zeitungsmarkt. Es gibt eine große Nachfrage nach bunten, privaten Geschichten und für dieses Bedürfnis ist Wilhelm II. genau der Richtige. Die Medien und der Kaiser haben sich gefunden.

Wilhelm II. ist ein Selbstdarsteller, liebt die Kamera und sieht in den neuen Medien eine große Chance, das Kaisertum wirksam zu repräsentieren. Er lässt sich ständig fotografieren, schlüpft in die unterschiedlichsten Uniformen und geht sehr unkompliziert auf die Menschen zu, er genießt das Bad in der Menge – nicht immer zur Freude seines Protokollchefs.

Oft hält der Kaiser bei solchen Anlässen spontane Reden. Von Stimmungen geleitet, macht er immer wieder Äußerungen, die undiplomatisch sind, wie zum Beispiel in der "Hunnenrede".

Bei der Verabschiedung des deutschen Expeditionskorps zur Niederschlagung des Boxeraufstandes in China lässt er sich unter anderem zu folgenden Äußerungen hinreißen:

"Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht! ... Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, so möge der Name Deutschland in China in einer solchen Weise bekannt werden…."

Während des Ersten Weltkriegs benutzt die britische Kriegspropaganda den Begriff "Hunnen" als Synonym für deutsche Barbarei.

Familienfoto von Kaiser Wilhelm II. und seiner Familie

Kaiser Wilhelm II. weiß sich und seine Familie in Szene zu setzen

Wilhelm II. und der Erste Weltkrieg

Als der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 in Sarajevo ermordet wird, befindet sich Kaiser Wilhelm II. auf seiner Jacht Hohenzollern auf der Kieler Woche. Er kehrt sofort zurück nach Berlin.

Das Deutsche Reich hat ein Abkommen mit Österreich-Ungarn. Wilhelm II. hat im Fall eines Krieges mit Serbien, dem Verbündeten bedingungslose Unterstützung zugesichert.

Als Österreich den Serben den Krieg erklärt sieht er sich in der Pflicht. Einerseits steht Wilhelm II. in Nibelungentreue zu Österreich-Ungarn, andererseits versucht er in einer Depesche an seinen Vetter Zar Nikolaus II., den Krieg zu verhindern.

Der Einfluss der Monarchen reicht aber nicht mehr aus, die militärische Führung des Deutschen Reichs entscheidet sich aus strategischen Gründen für ein schnelles Vorgehen gegen Russland.

Die Frage der Schuld Wilhelms II. am Ausbruch des Ersten Weltkriegs ist nach wie vor ein heikles Thema und wird unter Historikern kontrovers diskutiert. Sicher ist, dass der Kaiser nicht alleine über Krieg oder Frieden entscheiden konnte. Das deutsche Regierungssystem hat das nicht zugelassen.

Außerdem war das Deutsche Reich Teil eines Systems zweier feindseliger Lager in Europa. Auf der einen Seite Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien, auf der anderen Seite Russland und Frankreich. Alle am Ersten Weltkrieg beteiligten Staaten hätten den Kriegsausbruch verhindern können.

Die Kriegsbegeisterung ist unter den Deutschen groß und auch die Zuversicht: an Weihnachten, da war man sich sicher, würde man wieder zuhause sein.

Keiner konnte sich damals vorstellen, in welche Katastrophe Europa durch diesen Krieg und in Folge den Zweiten Weltkrieg steuern würde. Die neuen Waffentechnologien fordern unfassbar viele Opfer, so dass die anfängliche Kriegseuphorie im Reich immer mehr nachlässt.

Wilhelm II. ist überfordert und leidet unter Depressionen. Ab 1916 gewinnen Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg und General Erich Ludendorff in der Obersten Heeresleitung immer mehr an Macht, militärische Entscheidungen werden ohne den Kaiser getroffen, er wird zu einem "Grüßaugust", der Orden an der Front verteilt.

Kaiser Wilhelm II. bei einem Besuch der deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen in Galizien.

Erster Weltkrieg - Kaiser Wilhelm II. bei der Truppe in Galizien

Abdankung und Exil

Nachdem der Krieg verloren ist, drängen die USA auf eine Abdankung des Kaisers. Sie wollen einen Regimewechsel in Deutschland, damit das Land sich innenpolitisch reformieren kann. Auch innerhalb des Reiches formiert sich Widerstand gegen den Kaiser und die Monarchie.

Im November 1918 weigern sich die Matrosen der kaiserlichen Flotte zur Entscheidungsschlacht gegen England in See zu stechen. Es kommt zu revolutionären Zuständen im Reich, die SPD fordert die Abdankung des Kaisers. Wilhelm II. kann sich diesem Druck nicht länger erwehren: am 8. November 1918 tritt Wilhelm II. zurück und flüchtet nach Holland ins Exil.

In der Niederlande auf Schloss Doorn lebt der letzte deutsche Kaiser 23 Jahre im Exil. Anfänglich fühlt er sich wie ein Gefangener, ein Polizist wird zu seinem ständigen Begleiter. Mangels Aufgaben verbringt Wilhelm II. seine Zeit damit Holz zu sägen, hält Hof und verteilt kleine Souvenirs in Form von Kaiserfotos an Besuchergruppen.

Wilhelm II. stirbt am 4. Juni 1941, beigesetzt wird er in Doorn. Er verfügt, dass die "Umbettung seiner Gebeine in deutsche Erde" erst nach der Wiederherstellung der Monarchie in Deutschland durchzuführen sei.

Kaiser Wilhelm II. bei Holzarbeit im Park

Kaiser Wilhelm II. bei der Holzarbeit

Autor: Horst Basting

Stand: 21.03.2017, 14:00

Darstellung: