Wissenschaften und Praxis eng verzahnt

Eine Sitzung der Kaiser- Wilhelm-Gesellschaft

Kaiser Wilhelm II.

Wissenschaften und Praxis eng verzahnt

Von Henning Hooss

Im Kaiserreich entwickelten sich Universitäten und Forschungsinstitute zu den modernsten ihrer Zeit. Eine ganz neue und herausragende Rolle dabei spielte die 1911 in Berlin gegründete "Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung von Wissenschaft und Forschung" (KWG), die heutige Max-Planck-Gesellschaft.


Außeruniversitäre Forschungsinstitute

Mit der Gründung der KWG schloss sich Preußen einem internationalen Trend zur Errichtung staatsunabhängiger Forschungsinstitute an und stieß dabei auf großes Interesse bei Kaiser Wilhelm II.: "Wir bedürfen Anstalten…, die lediglich der Forschung dienen", hatte er beim Festakt gesagt.

Seine Majestät gab der überwiegend durch privates Mäzenatentum finanzierten, staatlich verwalteten und unter der Leitung berühmter Wissenschaftler stehenden Körperschaft seinen Namen.

Ihr Ziel war die Errichtung von vorwiegend naturwissenschaftlichen außeruniversitären Forschungsinstituten. Erster Präsident der Gesellschaft wurde der evangelische Theologe und begnadete Wissenschaftsorganisator Adolf von Harnack.

Die ersten beiden Kaiser-Wilhelm-Institute (KWI) für physikalische Chemie und Elektrochemie sowie für experimentelle Therapie wurden 1912 in Berlin-Dahlem eröffnet. Bis 1933 kamen 20 neu gegründete oder übernommene Einrichtungen dazu.

Zunächst hatten es die Deutschen schwer, den Vorsprung der Engländer und Franzosen in Physik und Chemie aufzuholen. Doch gerade die enge Verzahnung zwischen Wissenschaft und Praxis ermöglichte einen ungeahnten Aufschwung.

So begann etwa das Zeitalter der künstlichen Farbstoffe und der Kunststoffe. Firmen wie Bayer-Leverkusen, Badische Anilin- und Soda-Fabrik (BASF) in Ludwigshafen oder Farbwerke Hoechst gewannen Weltruhm.

Die Biochemie revolutionierte die Landwirtschaft und die Ernährung. Besonders in der Chemischen Industrie, aber auch in den anderen neuen Industrien zeichnete sich ein neuer Typus der Produktion ab.

Die Unternehmen bauten ihre Produktion auf neuester wissenschaftlicher Erkenntnis auf, investierten in eigene Forschungsabteilungen und stellten zahlreiche akademisch ausgebildete Fachkräfte ein – 1914 waren allein bei Bayer etwa 600 akademisch ausgebildete Chemiker beschäftigt.

Max Planck bei der Hauptversammlung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft

Max Planck bei der Hauptversammlung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft

Nobelpreise

Die Förderung von Wissenschaft und Forschung zeigte schon bald Erfolge. Allein aus den Kaiser-Wilhelm-Instituten gingen 15 Nobelpreisträger hervor. Vor dem Ersten Weltkrieg ging somit jeder dritte Nobelpreis für Naturwissenschaften nach Deutschland. Viele Nobelpreisträger haben Weltruf.

Wilhelm Conrad Röntgen

Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) entdeckte im verdunkelten Laboratorium die nach ihm benannten Strahlen. Als der Physiker 1895 in der Schrift "Über eine neue Art von Strahlen" seine Entdeckung beschrieb, fürchtete er die Reaktion, der durch das Knochen-Foto seiner Hand erregten Menschen: "Der Röntgen ist verrückt geworden."

Portrait von Nobelpreisträger Wilhelm Conrad Röntgen

Entdecker der "X-Strahlen": Wilhelm Conrad Röntgen

Fritz Haber

Fritz Haber (1868-1934): Der promovierte Chemiker wurde 1898 außerordentlicher Professor für technische Chemie an der TU Karlsruhe.

Haber fand 1908 eine Möglichkeit zur Stickstoffbindung durch Synthese von Wasserstoff und Luftstickstoff zu Ammoniak. Sie wurde ein Jahr später von Carl Bosch für die Umsetzung in der industriellen Produktion weiterentwickelt ("Haber-Bosch-Verfahren"). 1919 erhielt Haber den Chemie-Nobelpreis.

Max Planck

Max Planck (1858-1947) erhielt 1918 für die Begründung der Quantentheorie den Nobelpreis für Physik. 18 Jahre zuvor hatte er seine revolutionäre Theorie entwickelt.

Durch eine Interpolation entwickelte er das exakte Gesetz der schwarzen Wärmestrahlung, das "Plancksche Strahlungsgesetz". Von 1930 bis 1937 war er Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (KWG).

Ein Portrait von Max Plank, Nobelpreisträger und Physiker

Entdecker der Quantenenergie: Max Planck

Robert Koch

Robert Koch (1843-1910) erhielt 1905 den Nobelpreis für Medizin als Entdecker des Tuberkulose- und des Cholera-Virus. Koch hatte die Mikroskopie perfektioniert, um die Untersuchungsmöglichkeiten von Bakterienkulturen zu verbessern.

Er konnte als Erster Mikroorganismen als Ursache von Infektionskrankheiten nachweisen. Koch gilt neben Louis Pasteur als Begründer der modernen Bakteriologie und Mikrobiologie.

Robert Koch

Robert Koch: Geehrt für seine Tubekulose-Forschung

Albert Einstein

Albert Einstein (1879-1955) veränderte mit seinen Forschungen zur Struktur von Materie, Raum und Zeit sowie dem Wesen der Gravitation maßgeblich das physikalische Weltbild.

Einsteins Hauptwerk, die Relativitätstheorie, machte ihn weltberühmt. Er gilt daher als einer der größten Physiker aller Zeiten. 1914 wurde er zum Direktor an das neu gegründete Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik berufen.

Alber Einstein geht eine Straße entlang.

Albert Einstein

Gerhart Hauptmann

Der Schriftsteller und Dramatiker Gerhart Hauptmann (1862-1946), arbeitete zunächst bildhauerisch. Mit der Uraufführung des sozialkritischen Dramas "Vor Sonnenaufgang" 1889 wurde Hauptmann zu einem der führenden Dramatiker der Moderne.

1892 folgte mit "Die Weber" sein bedeutendstes Werk. Kaiser Wilhelm II. kündigte nach der Uraufführung im Deutschen Theater seine dortige Loge. 1912 erhielt Hauptmann den Nobelpreis für Literatur, "vornehmlich für seine reiche, vielseitige, hervorragende Wirksamkeit auf dem Gebiete der dramatischen Dichtung."

Gerhart Johann Robert Hauptmann (1862-1946)

Gerhart Hauptmann

Stand: 21.03.2017, 11:51

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