Rumänien

Ein Passagierschiff fährt auf der Donau entlang einer Felswand.

Südosteuropa

Rumänien

Rumänien – das ist die pulsierende Zwei-Millionen-Metropole Bukarest mit schicken Autos, teuren Boutiquen, zahllosen Restaurants und einer beeindruckenden Kulturszene. Rumänien – das sind aber auch die vielen ländlichen Regionen, in denen die Menschen wie vor 100 Jahren leben und arbeiten. Es ist ein Land mit vielen Gegensätzen, ein Land, in dem schon eine kurze Fahrt eine Art Zeitreise ist.

Darum geht's:

  • Transsilvanien, Karpaten, Donaudelta – Rumäniens Landschaft ist vielfältig.
  • Die Kluft zwischen Arm und Reich ist riesig.
  • Rumänien ist ein Schmelztiegel europäischer Kulturen.
  • Seit 2007 ist das Land Mitglied der EU.
  • Korruption ist ein rumänisches Dauerproblem.

Berge und Meer

Drei Flugstunden von Deutschland entfernt, zwischen Ungarn, der Ukraine, der Republik Moldau, dem Schwarzen Meer, Bulgarien und Serbien, liegt Rumänien – ein Land, das von der Fläche her fast so groß ist wie Deutschland, allerdings nur mit einem Viertel der Einwohnerzahl.

Geografisch ist das südosteuropäische Land etwa dreigeteilt: Ein Drittel sind Gebirge, ein Drittel Hügelländer und Hochebenen, ein Drittel weitere Ebenen.

In der Landesmitte umgibt der Karpatenbogen das Transsilvanische Hochland (Siebenbürgen). Bei den Ostkarpaten handelt es sich um drei Gebirgsketten, die in Nord-Süd-Richtung verlaufen – hier befindet sich das größte Forstgebiet Rumäniens. Die Karpaten mit ihrer Durchschnittshöhe von 1000 Metern sind übrigens das größte zusammenhängende Gebiet Europas.

Im Süden des Landes liegt das wichtigste Agrargebiet Rumäniens. Bedeutend ist auch das Donaudelta, dessen überwiegender Teil sich auf rumänischem Staatsgebiet befindet. Es ist ein einzigartiges Naturparadies, das inzwischen ins Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen wurde.

Armes Land – Reiches Land

Rumänien verfügt über einen reichen Schatz an Rohstoffvorkommen: Ölreserven im Süden und im Schwarzen Meer, Erdgasvorkommen in Siebenbürgen; Gold, Silber und Buntmetallerze finden sich im Norden in der Maramureş.

Dazu kommen Braunkohle, Uran, Bauxit und viele andere Bodenschätze. In Rumänien befinden sich darüber hinaus ein Drittel aller Heilwasserquellen Europas.

Überblick über ein Stadtteil von Bukarest.

Die boomende Millionen-Metropole Bukarest

Eigentlich sollte Rumänien mit seinen Schätzen ein wohlhabendes Land sein – doch das Gegenteil ist der Fall. Lange Zeit galt es als Armenhaus Europas. Zu Zeiten der kommunistischen Diktatur brachten der Größenwahn des Diktators Ceauşescu sowie erhebliche Misswirtschaft das Land an den Rand des Ruins.

Nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Sturz des Ceauşescu-Regimes 1989 ging es mit der Umstrukturierung der Wirtschaft nur langsam voran, Investoren aus dem Ausland zögerten, viele gut gebildete Rumänen verließen das Land.

Heute ist das soziale Gefälle im Land riesig: Während sich die großen Städte entwickeln und Investoren aus dem Ausland anziehen, gibt es in vielen ländlichen Regionen weder Elektrizität noch fließendes Wasser, ganz zu schweigen von Telefonleitungen oder öffentlichem Nahverkehr. Bauern bewirtschaften ihre Felder wie ihre Vorfahren vor über 100 Jahren. Auf den Straßen bewegen sich ganz selbstverständlich Pferdefuhrwerke zwischen PS-starken Karossen.

Ethnische Vielfalt

Die wechselhafte Geschichte des heutigen Staatsgebiets von Rumänien hat das Land zu einem Schmelztiegel europäischer Kulturen werden lassen.

Über viele Jahrhunderte wanderten Menschen aus verschiedensten Regionen Europas ein – teils nach Aufrufen österreichischer und ungarischer Könige, die ihnen im Gegenzug viele Privilegien zugestanden. Über lange Zeit lebten die Zuwanderer in friedlicher Koexistenz. 

Eine lachende Roma-Familie fährt auf einer Pferdekutsche entlang einer Wiese.

Bei Dobrudscha: Eine Roma-Familie auf einem Pferdewagen

Erst im 19. Jahrhundert entstand durch die Vereinigung der beiden Fürstentümer Moldau und Walachei der Staat Rumänien, der nach dem Ersten Weltkrieg große Gebiete zugesprochen bekam und sich damit verdoppelte.

Die ehemaligen Zuwanderer waren nun Minderheiten im rumänischen Staat. Auch wenn es im Lauf der rumänischen Geschichte immer wieder Versuche gab, die Rechte der heute 18 anerkannten Minderheiten zu beschneiden und sie zu assimilieren, blieb viel von den Kulturen und Traditionen erhalten. Heute haben sie umfassende Rechte, die unter anderem in der Verfassung festgeschrieben sind.

Blick nach Westen

Schon bald nach dem Sturz der Diktatur strebte Rumänien die Aufnahme in die NATO und die Europäische Union (EU) an. Doch in den 1990er Jahren entwickelte sich Rumänien eher zum europäischen Sorgenkind als zum Beitrittskandidaten.

Weder die Demokratisierung, wirtschaftliche Entwicklung noch jegliche Reformen kamen voran, nach wie vor herrschten im Land Klientelwirtschaft und Korruption. Erst nach mehr als einem Jahrzehnt hatte sich Rumänien so weit stabilisiert, dass die Anbindung an den Westen beginnen konnte.

2004 wurde Rumänien im Zuge der NATO-Osterweiterung Mitglied des Verteidigungs-Bündnisses. Seit 1. Januar 2007 ist das Land außerdem Mitglied der EU und strebt nun die Aufnahme in den Schengen-Raum, also den Wegfall der Grenzkontrollen an den Binnengrenzen, an.

Dauerproblem Korruption

Diesem Wunsch, den auch der neu gewählte Staatspräsident Klaus Iohannis kurz nach seinem Amtsantritt äußerte, steht bislang das rumänische Dauerproblem Korruption entgegen. Bestechung in allen Bereichen und auf allen Ebenen des öffentlichen Lebens sind in Rumänien üblich – trotz aller Versuche, dem entgegenzuwirken.

Hoffnungsträger Klaus Iohannis hatte im Wahlkampf 2014 den verstärkten Kampf gegen die Korruption angekündigt und bereits eine Woche nach seinem Sieg Taten folgen lassen.

Staatspräsident Klaus Iohannis

Staatspräsident Klaus Iohannis

Die rumänische Anti-Korruptionsbehörde DNA geht – inzwischen sehr öffentlichkeitswirksam – gegen korrupte Politiker und Juristen auf höchster Ebene vor. Bereits 2014 hatte die Behörde über 1000 Verurteilungen erreicht, 2015 gab es mehr als 1000 weitere Anklagen.

Auch Ministerpräsident Ponta ist ins Visier der Ermittler geraten und musste im November 2015 zurücktreten. Er hatte noch im Wahlkampf eine Amnestie für alle angekündigt,  die wegen Korruption verurteilt worden waren.

Widersacher und Wahlgewinner Klaus Iohannis steht für das Gegenteil und hat eine überzeugende Bilanz vorzuweisen: Aus seinen 14 Jahren Amtszeit als Bürgermeister von Hermannstadt ist kein einziger Fall von Korruption bekannt.

Autorin: Martina Frietsch

Stand: 10.08.2017, 10:00

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