Rumänien

Ein Passagierschiff fährt auf der Donau entlang einer Felswand.

Südosteuropa

Rumänien

Ob Transsilvanien, die Karpaten oder das Donaudelta, Rumäniens Landschaft ist vielfältig und zeitlos. Die Bevölkerung des Landes ist ein Schmelztiegel europäischer Kulturen, wobei die Kluft zwischen Arm und Reich riesig ist.

Das Zentrum des Landes ist Bukarest, die pulsierende Zwei-Millionen-Metropole mit schicken Autos, teuren Boutiquen, zahllosen Restaurants und einer beeindruckenden Kulturszene. Doch zu Rumänien gehören auch die vielen ländlichen Regionen, in denen die Menschen wie vor 100 Jahren leben und arbeiten. Es ist ein Land mit vielen Gegensätzen, ein Land, in dem schon eine kurze Fahrt eine Art Zeitreise ist.

Geographische Dreiteilung: Berge, Hochland & Ebenen

Drei Flugstunden von Deutschland entfernt, zwischen Ungarn, der Ukraine, der Republik Moldau, dem Schwarzen Meer, Bulgarien und Serbien, liegt Rumänien – ein Land, das von der Fläche her fast so groß ist wie Deutschland, allerdings nur mit einem Viertel der Einwohnerzahl.

Geografisch ist das südosteuropäische Land etwa dreigeteilt: Ein Drittel sind Gebirge, ein Drittel Hügelländer und Hochebenen, ein Drittel weitere Ebenen.

In der Landesmitte umgibt der Karpatenbogen das Transsilvanische Hochland (Siebenbürgen). Bei den Ostkarpaten handelt es sich um drei Gebirgsketten, die in Nord-Süd-Richtung verlaufen – hier befindet sich das größte Forstgebiet Rumäniens. Die Karpaten mit ihrer Durchschnittshöhe von 1000 Metern sind übrigens das größte zusammenhängende Gebiet Europas.

Im Süden des Landes liegt das wichtigste Agrargebiet Rumäniens. Bedeutend ist auch das Donaudelta, dessen überwiegender Teil sich auf rumänischem Staatsgebiet befindet. Es ist ein einzigartiges Naturparadies, das inzwischen ins Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen wurde.

Die Kluft zwischen Arm und Reich ist groß

Rumänien verfügt über einen reichen Schatz an Rohstoffvorkommen: Ölreserven im Süden und im Schwarzen Meer, Erdgasvorkommen in Siebenbürgen; Gold, Silber und Buntmetallerze finden sich im Norden in der Maramureş.

Dazu kommen Braunkohle, Uran, Bauxit und viele andere Bodenschätze. In Rumänien befinden sich darüber hinaus ein Drittel aller Heilwasserquellen Europas.

Überblick über ein Stadtteil von Bukarest.

Die boomende Millionen-Metropole Bukarest

Eigentlich sollte Rumänien mit seinen Schätzen ein wohlhabendes Land sein – doch das Gegenteil ist der Fall. Lange Zeit galt es als Armenhaus Europas. Zu Zeiten der kommunistischen Diktatur brachten der Größenwahn des Diktators Ceauşescu sowie erhebliche Misswirtschaft das Land an den Rand des Ruins.

Nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Sturz des Ceauşescu-Regimes 1989 ging es mit der Umstrukturierung der Wirtschaft nur langsam voran, Investoren aus dem Ausland zögerten, viele gut gebildete Rumänen verließen das Land.

Heute ist das soziale Gefälle im Land riesig: Während sich die großen Städte entwickeln und Investoren aus dem Ausland anziehen, gibt es in vielen ländlichen Regionen weder Elektrizität noch fließendes Wasser, ganz zu schweigen von Telefonleitungen oder öffentlichem Nahverkehr. Bauern bewirtschaften ihre Felder wie ihre Vorfahren vor über 100 Jahren. Auf den Straßen bewegen sich ganz selbstverständlich Pferdefuhrwerke zwischen PS-starken Karossen.

Ein Schmelztiegel europäischer Kulturen

Die wechselhafte Geschichte des heutigen Staatsgebiets von Rumänien hat das Land zu einem Schmelztiegel europäischer Kulturen werden lassen.

Über viele Jahrhunderte wanderten Menschen aus verschiedensten Regionen Europas ein – teils nach Aufrufen österreichischer und ungarischer Könige, die ihnen im Gegenzug viele Privilegien zugestanden. Über lange Zeit lebten die Zuwanderer in friedlicher Koexistenz. 

Eine lachende Roma-Familie fährt auf einer Pferdekutsche entlang einer Wiese.

Bei Dobrudscha: Eine Roma-Familie auf einem Pferdewagen

Erst im 19. Jahrhundert entstand durch die Vereinigung der beiden Fürstentümer Moldau und Walachei der Staat Rumänien, der nach dem Ersten Weltkrieg große Gebiete zugesprochen bekam und sich damit verdoppelte.

Die ehemaligen Zuwanderer waren nun Minderheiten im rumänischen Staat. Auch wenn es im Lauf der rumänischen Geschichte immer wieder Versuche gab, die Rechte der heute 18 anerkannten Minderheiten zu beschneiden und sie zu assimilieren, blieb viel von den Kulturen und Traditionen erhalten. Heute haben sie umfassende Rechte, die unter anderem in der Verfassung festgeschrieben sind.

Seit 2007 ein Mitglied der EU

Schon bald nach dem Sturz der Diktatur strebte Rumänien die Aufnahme in die NATO und die Europäische Union (EU) an. Doch in den 1990er Jahren entwickelte sich Rumänien eher zum europäischen Sorgenkind als zum Beitrittskandidaten.

Weder die Demokratisierung, wirtschaftliche Entwicklung noch jegliche Reformen kamen voran, nach wie vor herrschten im Land Klientelwirtschaft und Korruption. Erst nach mehr als einem Jahrzehnt hatte sich Rumänien so weit stabilisiert, dass die Anbindung an den Westen beginnen konnte.

2004 wurde Rumänien im Zuge der NATO-Osterweiterung Mitglied des Verteidigungs-Bündnisses. Seit 1. Januar 2007 ist das Land außerdem Mitglied der EU und strebt nun die Aufnahme in den Schengen-Raum, also den Wegfall der Grenzkontrollen an den Binnengrenzen, an.

Korruption ist ein rumänisches Dauerproblem

Diesem Wunsch, den auch der neu gewählte Staatspräsident Klaus Iohannis kurz nach seinem Amtsantritt im November 2014 äußerte, steht bislang das rumänische Dauerproblem Korruption entgegen. Bestechung in allen Bereichen und auf allen Ebenen des öffentlichen Lebens sind in Rumänien üblich – trotz aller Versuche, dem entgegenzuwirken.

Hoffnungsträger Klaus Iohannis hatte den verstärkten Kampf gegen die Korruption angekündigt und bereits eine Woche nach seinem Sieg Taten folgen lassen.

Staatspräsident Klaus Iohannis

Staatspräsident Klaus Iohannis

Die rumänische Anti-Korruptionsbehörde DNA ging sehr öffentlichkeitswirksam gegen korrupte Politiker und Juristen auf höchster Ebene vor. Bereits 2014 hatte die Behörde über 1000 Verurteilungen erreicht, 2015 gab es mehr als 1000 weitere Anklagen. Selbst der ehemalige Ministerpräsident Victor Ponta geriet ins Visier der Ermittler und musste im November 2015 zurücktreten. Die treibende Kraft war die unerschrockene Juristen und Leiterin der Anti-Korruptionsbehörde Laura Kövesi.

Doch 2018 gab es für Staatspräsident Klaus Iohannis einen herben Rückschlag: Auf Betreiben der damaligen Regierung und einer erfolgreichen Klage beim Verfassungsgericht, war er gezwungen, Laura Kövesi zu entlassen. Der erfolgreichen Arbeit der Anti-Korruptionsbehörde wurde durch die Entscheidung erst einmal ein Ende bereitet. Doch im Mai 2019 wurde der Chef der sozialdemokratischen Partei (PSD) Liviu Dragnea, der als Drahtzieher hinter der Absetzung von Kövesi gilt, zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Wie sich Rumäniens Zukunft entwickelt, bleibt also weiterhin spannend.

Autorin: Martina Frietsch

Stand: 22.05.2020, 16:00

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