Rumäniens Geschichte

Historische Fotografie von Antonescu und Hitler in München.

Rumänien

Rumäniens Geschichte

Viele Völker lebten auf dem Gebiet des heutigen Rumäniens. Daker, Römer, Griechen, Türken, Ungarn, Russen und Österreicher. Im 14. Jahrhundert entstanden die Fürstentümer Moldau und Walachei, die lange unter der Vorherrschaft der Osmanen standen. Aber erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein unabhängiges Rumänien gegründet.

Ein unabhängiges Rumänien entsteht

1859 wählen die Fürstentümer Walachei und Moldau Alexandru Ioan Cuza zu ihrem gemeinsamen Fürsten und er vereint die beiden Fürstentümer 1862 unter dem Namen Rumänien. Die Abhängigkeit vom Osmanischen Reich bleibt aber bestehen. Cuza will das Land reformieren, doch übertreibt er seine Bemühungen. Als er eine Agrarreform durchsetzen will, stößt er bei den Adeligen auf heftigen Widerstand. Sie setzen den Fürsten kurzerhand ab.

Jetzt beginnt die Zeit von Carol I. Dahinter verbirgt sich Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen. Unter ihm erreicht Rumänien 1877 seine Unabhängigkeit. 1881 wird Carol I. zum rumänischen König gekrönt. In seiner Regierungszeit bringt Carol I. das Land wirtschaftlich voran. Er verbessert die Infrastruktur, lässt Eisenbahnlinien und Brücken bauen.  Das Finanz- und  Schulwesen werden reformiert und das Heer nach preußischem Vorbild modernisiert.

Historische Zeichnung von Alexandru Ioan Cuza

Erster Fürst von Rumänien: Alexandru Ioan Cuza

Der Aufschwung geht aber völlig an den Bauern vorbei. Viele Bauern besitzen gar kein eigenes Land und so bleiben sie abhängig von den adeligen Großgrundbesitzern. Die Bodenpachten sind kaum zu bezahlen. Die Unzufriedenheit und die Proteste werden immer heftiger und gipfeln im Bauernaufstand von 1907, der blutig niedergeschlagen wird. An den Verhältnissen ändert sich für die Bauern nichts.

Mit einem geschickten Schachzug zum Großrumänien

Außenpolitisch ist Rumänien in einer schwierigen Position. In Nachbarschaft des Osmanischen Reiches, von Österreich-Ungarn, Russland, Bulgarien und Serbien suchen die Rumänen die Nähe zum Westen, man will sich aber aus militärischen Konflikten raushalten. 1883 tritt Rumänien dem Dreibund bei (Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien), schließlich stammt Carol I. aus dem Hause Hohenzollern.  

Historische Fotografie von Feldmarschall Mackensen auf einem weißen Pferd in Bukarest.

Erster Weltkrieg: Feldmarschall Mackensen reitet in Bukarest ein

Im Ersten Weltkrieg wechselt Rumänien 1916 das Lager und geht ein Bündnis mit den Entente-Mächten Frankreich, Großbritannien und Russland ein. Ein geschickter Schachzug, denn letztlich gehen die Rumänen als Gewinner aus dem Ersten Weltkrieg. Transsilvanien, die Maramuresch, das östliche Banat, die Bukowina und Bessarabien gehören nun zu Rumänien. Es entsteht Groß-Rumänien, das plötzlich doppelt so groß ist wie vor dem Krieg.

Rumänien zwischen den Kriegen

Die Zeit zwischen den Kriegen ist geprägt von vielen Regierungswechseln. Die wirtschaftlichen, sozialen und ethnischen Probleme  nehmen zu. Zu schnell ist der Vielvölkerstaat gewachsen. Die Dringlichkeit einer Agrarreform nimmt zu und in die Industrie müsste investiert werden. In dieser Situation versuchen Rechtsextreme, die sogenannte Eiserne Garde, die Schwächen des Staates für sich zu nutzen. König Carol II. verhindert die Machtübernahme mit einer "Königsdiktatur". Er erlässt eine neue Verfassung und Parteien werden verboten.

Im Zweiten Weltkrieg

Rumänien versucht im Zweiten Weltkrieg neutral zu bleiben. Die angestrebte Neutralität zwischen den Machtblöcken Deutschland und Sowjetunion kann aber nur bis 1940 durchgehalten werden. Die Sowjetunion setzt Rumänien ein Ultimatum, Rumänien muss Bessarabien und die Nordbukowina räumen. König Carol II. hat keine Wahl, Rumänien verliert auch noch Nordsiebenbürgen an Ungarn und die Süddobrudscha an Bulgarien, sodass Großrumänien auf zwei Drittel der Fläche schrumpft. 

Nachdem Carol II. jeglichen Rückhalt verliert, übernimmt General Ion Antonescu die Regierung, unterstützt wird er von der Eisernen Garde. Er verfolgt einen Pro-Deutschland-Kurs mit der Hoffnung auf die Rückgabe der verlorenen Gebiete. Es kommt zu Judenpogromen in Bukarest, hunderttausende rumänische Soldaten beteiligen sich am Einmarsch der Deutschen in die Sowjetunion.

Doch 1944 muss Rumänien kapitulieren, König Mihai setzt Antonescu ab, die Rote Armee marschiert in Bukarest ein. Rumänien kämpft jetzt an der Seite der Alliierten gegen Deutschland. Das führt zwar dazu, dass die mit Deutschland verbündeten Ungarn Siebenbürgen zurückgeben müssen, Rumänien verliert aber Bessarabien und die Nordbukowina an die Sowjetunion.

Rumänien wird kommunistisch

Nach 1945 geraten die Rumänen unter Hammer und Sichel. 1947 wird die Volksrepublik Rumänien ausgerufen. Gheorghe Gheorghiu-Dej ist als Parteiführer und Regierungschef ein loyaler Vasall Moskaus. Unter seiner Führung wird der Sicherheitsdienst Securitate aufgebaut, der brutal gegen Andersdenkende vorgeht.

Rumänien gerät mehr und mehr in wirtschaftliche Abhängigkeit. Rohstoffe und landwirtschaftliche Produkte gehen an die Sowjetunion, im Gegenzug wird Rumänien mit drittklassigen sowjetischen Konsumgütern beliefert. Auch im kulturellen Bereich nehmen die Sowjets großen Einfluss, Russisch wird als Fremdsprache in den Schulen eingeführt.

Die Ära Ceauşescu

Als Nicolae Ceauşescu 1965 die Amtsgeschäfte übernimmt, ändert sich der Kurs gegenüber der Sowjetunion. Er verfolgt eine nationale Unabhängigkeit und wird zum Hoffnungsträger der Rumänen. Anfänglich auch zu Recht. Ceauşescu spricht sich 1968 offen gegen den Einmarsch der Sowjetarmee in Prag aus und öffnet sein Land zum Westen hin. Mit Krediten aus dem Westen erlebt Rumänien einen wirtschaftlichen Aufschwung und eine Modernisierung des Landes.

Die Ära Ceausescu Planet Wissen 10.08.2017 02:31 Min. Verfügbar bis 30.10.2020 SWR

Dann kommt die Kehrtwende, die niemand so richtig erklären kann. Bei Besuchen in Nordkorea und China lernt Ceauşescu die Vorzüge des Personenkults schätzen. Er verfällt einem Größenwahn, gibt er sich den Titel "Conducator", also "Führer". Er tritt mit Schärpe und Zepter auf und lässt sich einen riesigen Palast bauen. Er lässt sich als "Titan unter den Titanen" feiern und das Volk muss für den Pomp bezahlen. 

Zu Beginn der 1980er Jahre geht es wirtschaftlich bergab. Um die Kredite zurückzahlen zu können, werden alle Erträge aus der Landwirtschaft ins Ausland verkauft. Die Menschen hungern. Heizmittel, Strom und Wasser werden knapp, Rumänien verkommt zu einem bitterarmen Land. Politische Opposition wird im Keim erstickt. Dafür sorgt der Geheimdienst Securitate, der mit brutalen Methoden vorgeht.

Eine große Volksmenge demonstriert mit erhobenen Händen gegen die Ceausescu-Diktatur.

Bürger demonstrieren 1989 vor dem eroberten Regierungsgebäude in Bukarest

Im Dezember 1989 wehrt sich ein ungarischer Pastor aus Temeswar gegen das Regime und löst damit einen Flächenbrand aus.  Hunderttausende Demonstranten erzwingen das Ende der Diktatur. Elena und Nicolae Ceauşescu werden verhaftet und am 25. Dezember in einem Schnellverfahren zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Die Zeit nach 1989

Über 30 Jahre sind seit der Rumänischen Revolution vergangen. Seit 2004 ist Rumänien im Zuge der NATO-Osterweiterung Mitglied des transatlantischen Verteidigungsbündnisses und seit Anfang 2007 inzwischen auch ein Mitglied der Europäischen Union (EU). Doch noch gilt das Land als eine "unvollständige Demokratie", belegt auf dem Demokratieindex 2019 gerade einmal Platz 63 von 167 Ländern. Viele Politiker bis hin zu ganzen Parteien sind immer wieder in Skandale und Korruptionsfälle verwickelt. Die Seilschaften aus der kommunistischen Ära sind nach wie vor aktiv.

Der Alltag der Bevölkerung ist von einem großen Gefälle geprägt. Während die großen Städte, allen voran Bukarest, sich von anderen europäische Städten nicht mehr unterscheiden, gleicht das Leben auf dem Land immer noch einer Zeitreise in längst vergangene Zeiten. Eine kaum entwickelte Infrastruktur, fehlende medizinische Versorgung, Arbeitslosigkeit oder geringes Einkommen beherrschen hier den Alltag und machen Rumänien zum Armenhaus der EU.

Gemeinsam mit der allgegenwärtigen Korruption und Vetternwirtschaft treibt es so viele junge Arbeitssuchende ins Ausland. Vor allem junge und gut ausgebildete Rumänen hoffen auf bessere Arbeit im Ausland. Seit 1990 verzeichnet Rumänien den größten Anstieg an Auswanderern in der gesamten EU. Nach einem Report der Weltbank haben im Jahr 2019 rund drei bis fünf Millionen Rumänen das Land dauerhaft verlassen.

Autor: Horst Basting

Stand: 22.05.2020, 17:00

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