Albanien

Albanien: Ein Zeltlager von Roma

Südosteuropa

Albanien

Schlechte Straßen, Armut und tägliche Korruption – Albanien hat mit vielen Problemen zu kämpfen. Auch die Diskriminierung von Roma wird kritisiert. Seit 2014 ist das Land aber immerhin offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union.

Die ersten freien Wahlen in Albanien fanden 1991 statt. Seitdem sind in dem Staat auf der Balkanhalbinsel grundlegende rechtsstaatliche Prinzipien in der Verfassung verankert. Zum Beispiel parlamentarische Demokratie, Gewaltenteilung und Grundrechte. Über 40 Jahre lang hatte zuvor die kommunistische "Partei der Arbeit Albaniens" unter Enver Hoxha geherrscht.

Zunächst war Albanien Teil der Sowjetunion, seit 1961 Partner der Volksrepublik China, darauf folgte eine lange Phase in außenpolitischer Isolation. Nach dem Tod Hoxhas 1985 dauerte es weitere fünf Jahre, bis das kommunistische Regime gestürzt wurde und eine Öffnung des Landes folgte. Die parlamentarische Republik in ihrer heutigen Form beruht auf der Verfassung von 1998. Seit September 2013 wird Albanien von Ministerpräsident Edi Rama (Sozialistische Partei) regiert.

Heute ist Albanien Mitglied der NATO und der Vereinten Nationen. Es gehört nach wie vor zu den ärmsten Ländern Europas. Die Arbeitslosenquote liegt bei etwa 18 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit deutlich darüber, bei bis zu 30 Prozent.

Geplanter EU-Beitritt

Europäische Flagge in Großaufnahme

Albanien will in die EU

Seit dem 24. Juni 2014 ist Albanien offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union (EU). 2009 hatte das Land den Antrag auf Mitgliedschaft gestellt. Nach jahrzehntelanger Isolation strebt das Land schon seit Längerem eine Integration in die EU an; neben Deutschland gelten Griechenland und Italien als enge Partner Albaniens.

Mangelnde Reformen und innenpolitische Probleme galten jedoch lange als Hürden. Die organisierte Kriminalität müsse effektiver bekämpft werden, meinten Kritiker. Korruption ist an der Tagesordnung, zum Beispiel an staatlichen Schulen und Universitäten. Das schlechte Niveau in den Bildungseinrichtungen führt dazu, dass zunehmend private Schulen gegründet werden, die sich die Mehrheit der Bürger jedoch nicht leisten kann.

Mangelnde Reformen und Korruption

kleiner Junge auf einem Esel, Schwarzweiß-Aufnahme

Esel statt Autos

Im Länderranking zum Korruptionsindex von Transparency International lag Albanien 2015 auf Platz 88 von 167 untersuchten Ländern – hinter Liberia, China und Brasilien. Eine weitere Forderung für einen zukünftigen EU-Beitritt ist die Verbesserung der Infrastruktur. So sind viele Straßen nur mit Geländewagen passierbar. Eine in Aussicht gestellte EU-Mitgliedschaft für die Balkanländer Albanien, Mazedonien, Serbien und Montenegro soll unter anderem verhindern, dass es in der Region wieder zu ethnischen Konflikten kommt. Der Frieden seit den Jugoslawienkriegen der 1990er Jahre ist noch jung. Albanien war nicht an den Konflikten beteiligt und galt als Stabilitätsfaktor, lag jedoch als Nachbarland in unmittelbarer Nähe. Es nahm während des Kosovokriegs eine große Zahl von Flüchtlingen auf.

Bevölkerung und Religion

vier Roma kinder schauen in die Kamera

Roma - in Albanien sehr diskriminiert

Rund 2,9 Millionen Menschen leben in Albanien. Sie sind nach Schätzungen zu 70 Prozent sunnitische Muslime. Etwa 20 Prozent sind orthodox, fast zehn Prozent römisch-katholisch. Im Kommunismus war die Religionsausübung verboten, erst nach der Wende 1990 wurde das Verbot aufgehoben.

Die Mehrheit der Staatsbürger, über 80 Prozent, sind ethnische Albaner. Rund 66.000 Griechen leben in Albanien. Die größten Minderheiten sind mit geschätzten 140.000 beziehungsweise 110.000 Einwohnern die Aromunen sowie die Roma. Die Mehrheit der Roma wohnt in schlechten Wohnverhältnissen, lebt in Armut und wird nach wie vor diskriminiert. Roma leben häufig vom Handel mit Abfallstoffen. Auf weitere innenpolitische Probleme weist die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hin. Sie rügt Polizeigewalt und familiäre Gewalt, die sich meist gegen Frauen richtet.

Zwischen Adria und Mazedonien

Schöne albanische Riviera

Bild des blauen Meeres an der albanischen Riviera

Die Fläche Albaniens entspricht etwa der Belgiens. Das Land liegt an der Adria und dem Ionischen Meer, grenzt im Norden an Montenegro, im Osten an Kosovo und Mazedonien und im Süden an Griechenland. An der Mittelmeerküste wachsen Palmen und Zitrusfrüchte, Pinien und Olivenbäume. Hier befinden sich zahlreiche Strände, Lagunen und beliebte Urlaubsorte, das Klima ist mediterran mit warmen Sommern und milden Wintern. Das Innere des Landes und der Norden sind bergig mit kontinentalem Klima und kalten bis sehr kalten Wintern. Die Hälfte des Landes liegt mehr als 600 Meter über dem Meeresspiegel.

Hohe Berge, wachsende Städte

Dicht gedrängte Balkons mit Satellitenschüsseln in einer Apartmentsiedlung in Tirana

Volles, enges Tirana

In den Bergen und 14 Nationalparks leben seltene Tierarten wie Luchse, Wölfe und sogar Braunbären. Durch Jagd, Fischerei, Umweltverschmutzung und die Zerstörung des Lebensraums der Tiere ist die Artenvielfalt jedoch rückläufig. Höchster Berg Albaniens ist mit fast 2800 Metern der Maja e Korabit, an der östlichen Grenze zu Mazedonien gelegen. Besiedelt sind überwiegend die Täler, in den höheren Regionen leben dagegen nur wenige Menschen. Die Städte wachsen stark, während kleine Dörfer und ländliche Regionen Einwohner verlieren und zunehmend veröden. Die Einwohnerzahl der Hauptstadt Tirana ist seit 1990 gestiegen und beträgt heute etwa 625.000.

Autorin: Katharina Bueß

Stand: 05.08.2016, 16:00

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