Lederarten: Von Anilin- bis Wildleder

Mehrere farbige Ledermuster in Reihen aufgehängt

Leder

Lederarten: Von Anilin- bis Wildleder

Von Alexandra Stober

Es gibt viele verschiedene Methoden, Leder herzustellen, und unzählige Kriterien, anhand derer man Leder unterscheiden kann. Planet Wissen stellt eine Auswahl der gebräuchlichsten und interessantesten Lederarten vor.

Narbenleder oder Rauleder?

Die oberste Schicht der Lederhaut, aus der das Leder hergestellt wird, ist die sehr dünne Narbenhaut. Unter dem Mikroskop erkennt man das Fasergefüge dieser Haut mit seinen Poren, aus denen die Haare entfernt werden. Die Poren ergeben das Narbenbild eines Leders. Als Narbenleder wird Leder bezeichnet, dessen natürliches Narbenbild beim Gerben erhalten bleibt, wie beispielsweise beim Nappaleder.

Dagegen versteht man unter Rauleder alle Sorten, deren genutzte Oberfläche – also die Narbenhaut oder die Fleischseite der Lederhaut – mechanisch angeraut wurde. Das sorgt dafür, dass das Narbenbild nicht mehr erkennbar ist, wie etwa beim Veloursleder.

Ein Mann glättet an einer Maschine mit Walzen ein Tierfell.

Bei der Lederherstellung heißt es: glätten, immer wieder glätten

Anilinleder

Anilinleder ist ein mit löslichen, transparenten Farbstoffen gefärbtes Leder, dessen Narbenoberfläche freiliegt und das die natürliche Beschaffenheit des Hautmaterials erkennen lässt. Aus diesem Grund kann man für Anilinleder nur absolut makellose Häute verwenden. Es ist in der Regel dementsprechend teuer.

Der namensgebende, aus Teer gewonnene Anilinfarbstoff wird aus Gesundheitsgründen seit langem nicht mehr verwendet, stattdessen färbt man heute mit anderen Stoffen.

Chamois

Für diese Lederart wird Gämsen- oder Ziegenhaut verwendet. Das Besondere ist, dass sie mit Tran gegerbt wird. Dadurch ist Chamois sehr geschmeidig, winddicht und schweißbeständig. Es wird vor allem für Trachten genutzt.

Männer mit Lederhosen sitzen auf einer Bierbank

Bayerische Wertarbeit: die "Krachlederne"

Glacéleder

Glänzendes Glattleder (glacé = französisch für glänzend), häufig von jungen Ziegen, das besonders weich und dehnbar und deshalb gerade für Handschuhe geeignet ist. Erreicht wird diese Anschmiegsamkeit durch intensives Äschern (Zugabe von Kalk und Schwefelverbindungen, um die Haare zu lösen), Beizen und eine spezielle Gerbung mit Alaun, Mehl und Eigelb. Glacéleder ist häufig weiß.

Schwarzweiß-Bild: Eine Frau trägt weiße Lederhandschuhe. Sie hat einen Spiegel in der Hand und schminkt sich.

Lederhandschuhe sind in der Damenwelt immer wieder in Mode

Juchtenleder

Geschmeidiges, wasserdichtes Kalbs- oder Rindsleder, das früher mit Weidenrinde gegerbt und mit Birkenteeröl imprägniert wurde, wodurch es einen markanten Duft erhielt. Ursprünglich stammt dieses Leder aus Russland. In Deutschland wird es seit dem 18. Jahrhundert als Schuhobermaterial sowie für Bucheinbände und Portemonnaies verwendet.

Lackleder

Diese Lederart kann aus allen Tierhäuten hergestellt werden. Lackleder wird chromgegerbt und anschließend mit einer Kunststoffschicht (in der Regel aus Polyurethan) versehen, wodurch es seine typische spiegelglatte und hochglänzende Oberfläche bekommt. Lackleder ist fest, wasserdicht und leicht zu reinigen und wird vor allem für Schuhe verwendet.

Glänzende rote Highheels

Lackleder-Pumps

Maroquinleder

Besonders kräftiges Leder mit sehr ausgeprägter, grober Narbenstruktur, hergestellt aus der Haut der marokkanischen Ziege oder der Kapziege. Es wird pflanzlich gegerbt und gerne für Bucheinbände verwendet.

Buch mit Ledereinband

Ziegenleder wurde oft für Bucheinbände verwendet

Nappaleder

Leder von Rind, Pferd, Schaf, Ziege oder Schwein. Es wird chromgegerbt und komplett durchgefärbt. Die Hautporen werden durch viele hauchdünne Schichten verschlossen, sodass das Leder unempfindlich gegen Schmutz und Nässe ist. Nappaleder hat eine weiche, griffige und elastische Beschaffenheit, weshalb es besonders für die Herstellung von Portemonnaies geeignet ist.

Das Bild zeigt die Beine einer Frau, die auf einem Hocker sitzt. Sie trägt braune Lederstiefel.

Nappaleder ist weich und elastisch

Veloursleder

Diese Lederart bekommt durch Feinschliff auf der Fleischseite der Lederhaut eine samtige, weiche Oberfläche. Für Velours kann man auch Haut mit beschädigter Narbenseite verwenden. Im Alltag kommt es am häufigsten bei Turnschuhen und Arbeitshandschuhen vor, weil es besonders atmungsaktiv ist.

Geschrieben wird es übrigens mal mit, mal ohne "s": Gerbereien schreiben traditionell "Velour", der Duden sagt "Velours". Nicht zu verwechseln mit Wildleder!

Wildleder

Sammelbegriff für Leder von wild lebenden Tieren wie Hirschen, Rentieren, Kängurus, Antilopen, Gazellen, Elchen, Büffeln oder Gämsen. Heutzutage sind die Tiere, deren Haut für die Herstellung von Wildleder verwendet wird, jedoch oft nicht mehr frei lebend, sondern sie werden in Gehegen gehalten.

Dieses Leder wird meist mit Tran gegerbt, die Narbenstruktur wird komplett abgeschliffen. Am häufigsten werden aus Wildleder Kleidungsstücke, Taschen und Schuhe hergestellt.

Winnetou-Kostüm aus Wildleder

Winnetou-Kostüm aus Wildleder

Weiterführende Infos

WDR | Stand: 15.05.2020, 11:10

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