Die Ludwigsburger Porzellan-Manufaktur

Die Front des Ludwigsburger Schlosses. Davor ein großer Platz, auf dem vereinzelt Menschen zu sehen sind.

Porzellan

Die Ludwigsburger Porzellan-Manufaktur

Von Sabine Kaufmann

Nachdem Johann Friedrich Böttger 1708 in Meißen herausgefunden hatte, wie man Porzellan herstellt, war der Siegeszug des "weißen Goldes" in Europa nicht mehr aufzuhalten. Viele deutsche und europäische Fürstenhäuser entwickelten den Ehrgeiz, ihre eigene Porzellanfabriken zu errichten.

So machte der Handwerksmeister Elias Vater 1729 dem amtierenden Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg (1676-1733) den Vorschlag, "so schenes Porzellan zu machen als derley in Sachsen zu haben". Doch erst 30 Jahre später, am 5. April 1758, kam es auf Befehl von Herzog Carl Eugen (1728–1793) zur Gründung einer Porzellanfabrik.

Unter der handwerklichen Leitung von Joseph Jakob Ringler (1730-1804) konnte die Produktion ein Jahr später beginnen. Die Manufaktur beschäftigte bald 179 Porzellanhandwerker. Außerdem kam noch eine Fayence-Manufaktur hinzu. Binnen kürzester Zeit erreichte die Manufaktur bereits ihre künstlerische Blütezeit und konnte mit den europäischen Manufakturen ersten Ranges durchaus Schritt halten.

Im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens schuf der Maler G.F. Riedel (1724-1784) das für Ludwigsburg berühmte Schuppenmuster. Es war eine der ersten Porzellanformen, die mit Relief gearbeitet wurden. Bis dato wurde Porzellan meist nur bemalt, aber nicht plastisch ausgestaltet. Die geschuppte, reliefförmige Struktur des Ludwigsburger Porzellans sollte für sich alleine wirken. Riedel verzichtete ganz auf eine großflächige Bemalung des Porzellans. Das Schuppenmuster wird heute noch in der Manufaktur hergestellt.

Ebenso bedeutsam war die künstlerische Produktion der Musiksolisten. Zu der Figurengruppe, die J.C.W. Beyer (1725-1796) um 1763 kreierte, gehören eine Sängerin, Gitarrenspielerin, eine Kaffeetrinkerin, eine Spinettspielerin und drei weitere Musiker, die zum Teil auch noch heute hergestellt werden.

Zwei Porzellanfiguren aus der Ludwigsburger Porzellanmanufaktur.

Die Figuren werden heute noch hergestellt

Eines der bedeutendsten Service, die in der künstlerischen Hochzeit entstanden, ist das Giovanelli-Martinelli-Service. Herzog Carl Eugen erkannte bald die Bedeutung von Porzellan als repräsentatives Geschenk. Das luxuriöse Tafel- und Toilettenservice machte er dem norditalienischen Grafen Giovanelli zum Geschenk, aus Dankbarkeit für die vielen Annehmlichkeiten, die er auf seinen Italienreisen durch den Grafen erfahren hatte. Die Porzellangegenstände waren sehr aufwändig mit Landschafts- und Blumenmalereien sowie Glodverzierungen versehen.

Bereits wenige Jahre nach der Gründung um 1775 begann bereits der Verfall der Manufaktur. Herzog Carl Eugen verlegte seine Residenz von Ludwigsburg nach Stuttgart, Hofstaat und große Teile des Militärs nahm er mit. Die Versuche König Friedrichs I. von Württemberg (1754-1816), die Manufaktur durch Einfuhr von weißer Porzellanerde aus Frankreich samt französischen Fachleuten zu stärken, waren nur von kurzer Dauer. 1824 wurde die Manufaktur von König Wilhelm I. von Württemberg (1781-1864) bereits wieder geschlossen. Sie war nicht mehr rentabel genug

Erst drei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg lebte die Tradition der Ludwigsburger Porzellan-Manufaktur wieder auf. 1967 bezog die Manufaktur ihre heutige Wirkungsstätte im Ludwigsburger Schloss. Außerdem kamen Räume für Mal- und andere Demonstrationszwecke hinzu.

Noch immer ist die Verpflichtung zur Handarbeit in den Statuten schriftlich festgelegt. Neben den herkömmlichen, traditionellen Arbeiten gehören mittlerweile auch modernes Porzellandesign und Dekor zu der Produktionspalette der Manufaktur. Neben den Produktionsstätten ist im Schloss auch ein Keramikmuseum untergebracht, das bedeutende Stücke aus Ludwigsburg wie auch anderen deutschen Porzellan-Hochburgen zeigt.

Stand: 07.01.2020, 14:30

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