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Anti Aging

"No sports" war die Devise von Sir Winston Churchill. Von Zigarren und einem guten Glas konnte er auch nicht lassen, dennoch ist er beachtlich alt geworden. Doch sein Lebensrezept würde kein Arzt mehr guten Gewissens empfehlen. Ganz im Gegenteil – die Fitness-Welle ist längst in Deutschland angekommen und im Kampf gegen Falten, Haarausfall und körperliche Gebrechen setzen auch die Bundesdeutschen heute auf die Anti-Aging-Medizin. Schönheits-Chirurgen haben Hochkonjunktur, Hormon– und Pillenkuren liegen voll im Trend. Nicht zuletzt, weil viele der vermeintlichen Wundermittel über das Internet einfach zu bestellen sind.

Winston Churchill mit braunem Wintermantel, schwarzem Hut und einer Zigarre im Mund. (Rechte: dpa)

Winston Churchill lebte ungesund, aber lang

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Wunderpillen aus dem Supermarkt

Vor allem in den USA werden sogar in Supermärkten sogenannte Nahrungsmittel-Ergänzungsstoffe angeboten: "Wunderpillen", die gegen das Altern helfen sollen, deren Wirksamkeit aber nie überprüft wurde. Auch die Reinheit der Inhaltsstoffe ist nicht garantiert, so dass die Einnahme der Präparate durchaus riskant ist. Vor allem dann, wenn jeder auch noch selbst bestimmen kann, wie viel er wovon täglich nimmt. Von möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gar nicht zu sprechen. In Deutschland sind viele der in den USA oder im Internet angebotenen Präparate nicht zugelassen.

Mehrere Früchte sowie Pillen und Pulver nebeneinander. (Rechte: Mauritius)

Ob Vitamine helfen, ist unklar

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Mit Vitaminen gegen die "Freien Radikale" ?

Sogenannte Antioxidantien zählen zu den beliebtesten Anti-Aging-Mitteln. Zu ihnen gehören vor allem frei erhältliche Vitaminpräparate. Provitamin A, Vitamin C und E sollen die im Stoffwechsel entstehenden, aggressiven Sauerstoffradikale unschädlich machen und die Körperzellen vor Verschleiß schützen. Der Chemie-Nobelpreisträger Linus Pauling war einer der ersten, der hohe Dosen Vitamin C am Tag schluckte, um dem Altern vorzubeugen. Mit 91 wurde Linus Pauling zwar alt, aber ob Vitamin C ihm dabei wirklich geholfen hat, ist nicht bewiesen. Der menschliche Körper verfügt über gut funktionierende Radikalfänger-Systeme. Bekannt ist auch, dass Vitamine in stark erhöhten Konzentrationen schnell wieder ausgeschieden werden und so kaum zum Tragen kommen können. Aber sollte man überhaupt alle "Freien Radikale" abfangen? Es gibt auch Hinweise darauf, dass sie unerlässlich für die Zellkommunikation und ein gut funktionierendes Immunsystem sind.

Tabletten liegen vor einem Glas mit der Aufschrift 'Melatonin'. (Rechte: Mauritius)

Zweifelhaftes Hormon Melatonin

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Melatonin

Heikler und nicht zu empfehlen ist das Schlafhormon Melatonin. Es wird in der Zirbeldrüse im Gehirn gebildet und steuert vor allem unsere innere Uhr, gilt aber auch als Radikalfänger. Das Hormon wird im Alter seltener gebildet und daher spekulieren viele auf positive Effekte, wenn Melatonin in späteren Jahren zusätzlich eingenommen wird. Was aber passiert, wenn Melatonin über längere Zeit in hohen Dosen eingenommen wird, ist fraglich. Melatonin beeinflusst etliche Organe und Hormonsysteme und ist in seiner "Allround-Wirkung" kaum einzuschätzen. Ärzte raten daher davon ab, sich bei uns verschreibungspflichtige Medikamente mit dem Wirkstoff Melatonin aus dem Internet zu besorgen. Auch bei Melatonin gibt es bisher keinen Nachweis für eine altersverzögernde Wirkung.

Blick auf einen kleinen Joghurtbecher, der gerade aufgerissen wurde. (Rechte: Mauritius)

Zu wenig ist auch nicht gut

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Kalorien-Reduktion

Einige Wissenschaftler vertreten die Ansicht, dass durch weniger Kalorien am Tag die Stoffwechselrate sinkt und dass so auch weniger zellschädigende "Freie Radikale" gebildet werden. Möglicherweise ist die kalorienarme Ernährung wirklich der zur Zeit beste Ansatz, um das Auftreten von typischen Alterskrankheiten hinauszögern. Zumindest bei Mäusen, Ratten und auch Affen haben erste Versuche mit Kalorienreduktion eine längere Lebenszeit gebracht. Ähnliche Beobachtungen wurden auch schon bei Menschen gemacht. Im von der Außenwelt abgeschotteten Ökosystem "Biosphere II" funktionierte die Nahrungsmittelproduktion nicht mehr richtig. Um das Experiment weiterführen zu können, mussten die "Bionauten" Diät halten. Nach zwei Jahren, bei zum Schluss etwa 1800 Kalorien pro Tag, waren Cholesterin-Werte, Blutdruck und Blutzuckerspiegel auf niedrigem Niveau angelangt. Andererseits hatte aber auch die Zahl von Immunzellen im Blut abgenommen. Möglicherweise war das Ausmaß der Diät also zu radikal.

Grafische Darstellung des Hormons Östrogen. (Rechte: Mauritius)

Auch die Einnahme von Östrogen birgt Risiken

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Anti-Aging-Therapien und Hormonkuren

Die Hormonspiegel im Körper sinken im Alter – bei Frauen wie auch Männern. Das ist ein normalen Prozess, der nach dem Ende der Fortpflanzungsperiode einsetzt. Wachstums (GH)- und Geschlechtshormone (Oestrogen, Testosteron - DHEA) sollen die körperliche Fitness verbessern. Was in der Jugend gut ist, sollte auch dem alternden Körper helfen. Bei Frauen werden die Wechseljahre-Beschwerden schon länger mit Östrogen gelindert. Das Prinzip erscheint plausibel und kommt nun auch bei Männern in Mode. Geschlechtshormone sorgen auf kurze Sicht für neuen Muskelzuwachs und größere Hautelastizität. Aber vorgesehen hat die Natur höhere Hormonspiegel im Alter nicht und ob sie lebensverlängernd wirken, muss auch bezweifelt werden. Im Gegenteil: Die nicht enden wollende Diskussion um Hormongaben bei Frauen sollte zur Vorsicht mahnen. Immer wieder werden Brustkrebs- und Thrombose-Risiken diskutiert. Fehlende Langzeitstudien über Hormonersatz-Therapien geben den Diskussionen immer wieder neue Nahrung. Und das gilt auch im Prinzip für Wachstumshormone wie das HGH. Wenn man davon ausgeht, dass im Alter die Zahl von Gen-Defekten und damit auch die Zahl genetisch instabiler Zellen ansteigt, würden diese Zellen durch Wachstumshormone möglicherweise schneller zu Krebszellen mutieren. Eingriffe in das Hormonsystem sind oft wegen der vielfachen Wechselwirkungen zwischen Organen und Geweben unüberschaubar.

Das Jungbrunnen-Hormon DHEA

Aus DHEA (Dehydroepiandrosteron) werden männliche und weibliche Geschlechtshormone gebildet. Die Konzentration von DHEA nimmt im Alter bis zu 80 Prozent ab. Anti-Aging Ärzte vermuten, dass durch zusätzliche Gaben von DHEA verschiedene Wachstumsprozesse im Körper gefördert werden. Die Muskelmasse soll ansteigen, die Haut soll sich besser regenerieren. Erwähnt werden immer wieder auch positive Effekte bei allgemeinen Befindlichkeitsstörungen, Gedächtnis, Stress, Immunschwäche, Herzkreislauf-Erkrankungen und Osteoporose. Nachgewiesen sind solche positiven DHEA-Effekte aber bisher nicht. Demgegenüber stehen erste Studien, die zusätzliche DHEA-Einnahme mit unkalkulierbaren Krebsrisiken in Verbindung bringen.

Die Allround-Waffe Wachstumshormon

Wachstumshormone wie zum Beispiel das HGH gelten unter Anti-Aging-Medizinern als Allround-Waffe gegen das Altern. Die Beschreibung der Wirkungen von Wachstums-Hormonen reichen von Fettabbau, Hautregeneration, besserer Zuckerverwertung (Diabetes), Aufbau von Muskelmasse, Verbesserung des Knochenstoff-Wechsels bis hin zu anti-depressiven Eigenschaften. Die möglichen Vorteile liegen klar auf der Hand - aber: Auch für Wachstumshormone könnte im Alter das Gleiche wie für DHEA gelten. Niemand weiß, wie hohe Dosierungen im Alter über einen längeren Zeitraum wirken.

Fit und gesund altern

Wenn es denn ein Rezept für Langlebigkeit geben sollte, dann kommen Altersforscher der renommierten Johns Hopkins University in Baltimore zu folgenden Punkten :

1. Bewegung : 2500 – 3000 Kilokalorien sollten pro Woche durch Ausdauer- aber auch Krafttraining verbraucht werden
2. Fettarme, gemüse- und obstreiche Ernährung
3. keine exzessiven Sonnenbäder
4. viel Trinken (kein Alkohol, kein Koffein)
5. geistige Herausforderungen suchen

Unter 100-jährigen findet man kaum Menschen, die ein "extremes" Leben geführt haben. Keine Kettenraucher, keine Übergewichtigen, dafür aber körperlich und geistig aktive Menschen.

Jochen Zielke, Stand vom 12.10.2011
Sendung: Hundertjährige – Erfolgsrezepte für ein langes Leben, 13.10.2011

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