Herbstfrüchte - Von Trüffeln, Trauben und Maronen
Trüffel - Königin der Pilze
Trüffel sind unterirdische Pilze und gehören zur Familie der Schlauchpilze. Sie brauchen zum Wachstum einen besonderen Boden (ph-Wert im alkalischen Bereich) und benötigen außerdem die Wurzeln einer Pflanze, mit der sie in Symbiose leben können, meist sind das Eichen, aber oft auch Haselnusssträucher, Weiden, Linden oder Pappeln.
Jenseits aller Biologie ist die Trüffel (so die offizielle Rechtsschreibung laut Duden. Umgangssprachlich werden sie aber auch oft als "der" Trüffel bezeichnet) zweifellos die Königin unter den Pilzen, denn sie ist - zumindest für ihre Liebhaber - der beste Pilz der Welt ... und leider auch der teuerste. Ein Kilo der weißen Alba-Trüffel kann schon einmal über 6000 Euro kosten, fast ebenso viel wie Gold. Offensichtlich gibt es viele Gourmets, die zehn Monate im Jahr auf diese Köstlichkeit warten und bereit sind, für den Genuss der kleinen Knolle viel Geld auszugeben. Zumal man zum Glück nur wenige Gramm für ein ganzes Essen benötigt.
Neben den berühmten italienischen Alba-Trüffeln erzielen auch die schwarzen Trüffel aus dem französischen Perigord Spitzenpreise. Daneben gibt es aber auch Trüffel von einfacherer Qualität und Geschmack. Inzwischen sind sie ganzjährig aus fast allen Teilen der Erde zu haben. Ein wichtiger Grund, beim Kauf der Köstlichkeiten aufzupassen. Denn leider ist bei den hohen Preisen der sehr guten Provenienzen auch die Gefahr groß, dass man einen fast gleichartig aussehenden, preiswerten Trüffel angedreht bekommt, der einen dann geschmacklich sicher enttäuschen wird.
Kastanien - unglaublich nahrhaft
Die Ess-Kastanie zählt zur Familie der Buchengewächse. Ihr Holz ist sehr nässe- und fäulnisresistent und wird deshalb auch gerne da eingesetzt, wo haltbares Holz ohne chemische Behandlung benötigt wird. Die Kastanienfrucht ist sehr süß und stärkereich, also wie viele andere Herbstfrüchte auch äußerst nahrhaft. So verwundert es nicht, dass man auf Korsika in früheren Zeiten gesagt hat, dass der Mann, der zwei Ziegen und zwölf Kastanienbäume hat, ein reicher Mann sei. In Oberitalien ging man davon aus, dass die Früchte eines Kastanienbaumes einen Menschen über den Winter bringen konnten. In Frankreich gab es Gegenden, in denen bis ins 17. Jahrhundert hinein Kastanien als Hauptnahrungsmittel dienten. Dort war Brot aus Weizenmehl so gut wie unbekannt. Die Esskastanie sollte nicht mit der ebenfalls bei uns zu findenden Rosskastanie verwechselt werden, deren Früchte für den Menschen ungenießbar, ja sogar giftig sein können.
Trauben - nicht nur zum Trinken geeignet
Die Weintraube ist eine vielfältige Herbstfrucht. Gepresst und gekeltert ergibt sie Wein, getrocknet wohlschmeckende Rosinen und roh genossen ist sie ein erfrischendes Obst mit vielen Vitaminen. Von den rund 50 Millionen Tonnen Weintrauben, die jedes Jahr geerntet werden, werden 85 Prozent zu Wein verarbeitet, 10 Prozent gegessen und 5 Prozent zu Rosinen getrocknet. Trauben sind gesund. Sie enthalten fast alle Mineralien, die der Körper benötigt: Magnesium, Kalzium, Eisen, Natrium, Kalium, außerdem Spurenelemente wie Kupfer oder Zink. Sie enthalten auch eine große Menge Polyphenole, die als hochwirksame Antioxidantien krebshemmend wirken können, da sie mögliche Zellschädigungen durch freie Radikale abblocken und Zellgifte im Körper unschädlich machen können.
Schlehe - mit Vorsicht zu genießen
Früher war die Schlehe weit verbreitet und eine beliebte Kräuter- und Heilpflanze. Heute ist sie, wie viele andere Herbstfrüchte auch, ein wenig in Vergessenheit geraten. Die Früchte sind äußerst sauer und der Kern enthält Blausäure, die aber - in geringen Mengen genossen - nicht gefährlich wird. Trotzdem sollte man beim Verzehr der Schlehe die Kerne nicht zerbeißen. Aus den Schlehenblüten, die von März bis April blühen, gewinnt man einen Tee zur Blutreinigung. Die Frucht wirkt harntreibend, schwach abführend und entzündungshemmend. Allerdings sollte man sich vor dem Verzehr größerer Mengen in Acht nehmen. Das kann nämlich zu unangenehmen Magen- und Darmbeschwerden führen. Nach dem ersten Frost werden die Früchte sehr viel milder, da der hohe Gerbstoffgehalt durch die Frosteinwirkung gesenkt wird. Die Früchte können zur Herstellung von Marmeladen, Fruchtsäften, Likör, dem berühmten Schlehenfeuer, Branntwein, Fruchtweinen und Spirituosen benutzt werden.
Eberesche - die Zitrone des Norden
Die Eberesche zählt zur großen Familie der Rosengewächse. Berühmt und berüchtigt sind ihre Beeren, die, weil sie gerne von Vögeln verspeist werden, Vogelbeeren genannt werden. Für Menschen ist die Vogelbeere im rohen Zustand nicht ungefährlich. Die frisch gepflückten Früchte können zu Magenschmerzen, Erbrechen und Durchfall führen, wofür die in der Frucht enthaltene Parasorbinsäure verantwortlich ist. Trotzdem ist die Vogelbeere für Menschen nicht lebensgefährlich, zumal ihr saurer Geschmack automatisch vor übermäßigem Genuss schützt. Demgegenüber enthält die Vogelbeere Vitamin C (bis zu 100 Milligramm pro 100 Gramm Beeren!) sowie Provitamin A und Sorbit, einen Zuckeraustauschstoff. Beim Kochen wird die unbekömmliche Parasorbinsäure zu Sorbinsäure abgebaut, die gut verträglich ist. Gekochte Beeren können auch in größeren Mengen gegessen werden. Getrocknet gelten die Beeren als Hausmittel gegen Durchfall.
Berberitze - Frost bekommt ihr gut
Die Berberitze ist eine alte Heil- und Giftpflanze (Hauptgiftstoff Berberin), deren Pflanzenteile bis auf ihre Früchte und Samen eine leichte, nicht tödliche Vergiftung hervorrufen können. Die essbaren Beeren, die sehr vitaminreich sind, werden traditionell zur Konfitürenbereitung oder Saftherstellung genutzt. Dazu muss man die Beeren nach dem ersten Frost sammeln, kochen, auspressen und nach Geschmack mit Zucker süßen. Im Orient werden die Beeren auch gerne zum Kochen und Würzen verwendet. Das Berberin der Wurzelrinde regt die Gallen- und Verdauungstätigkeit an, außerdem wirkt es blutdrucksenkend und hilft bei Leberfunktionsstörungen.
Knoblauchrauke - Comeback eines mittelalterlichen Stars
Früher wurde die Knoblauchrauke vor allem von der ärmeren Bevölkerung genutzt, die sich teure Gewürze nicht leisten konnte. Das in ihr vorkommende Senf- und Knoblauchöl geben einen guten pfeffrigen, knoblauchigen Beigeschmack. Aber auch die aus diesen Inhaltsstoffen resultierende Heilwirkung machten die Knoblauchrauke zu einer beliebten Heilpflanze. Sie wirkt entzündungshemmend, harntreibend und schleimlösend. Daneben soll sie Linderung bei Insektenstichen und Wurmerkrankungen bringen. In der Küche wird sie seit neuestem wieder häufiger benutzt. Allerdings sollte man sie nicht kochen, da sie beim Erhitzen ihre scharfen Inhaltsstoffe verliert. Aber für Salate, Mayonnaisen oder für die Frischkäsezubereitung ist sie ideal.
Rolf Stephan, Stand vom 01.06.2009









