Die Geschichte der Gabel

Tischetikette

Die Geschichte der Gabel

Das uns heute als zusammengehörige Einheit bekannte Besteck aus Messer, Gabel und Löffel gehörte so nicht immer zusammen. Sind Messer und Löffel fast so alt wie die Menschheit selbst, so hat die Gabel eine vergleichsweise junge Geschichte.

Am Anfang waren Messer, Löffel und Finger

Gemüse auf Gabel aufgespießt.

Der praktische Essenshelfer ist noch recht jung

Bereits in der Steinzeit behalfen sich die Männer beim Zerlegen der Jagdbeute mit Faustkeilen. Im Laufe der Jahrtausende wurde dieses Instrument immer mehr verfeinert und entwickelte sich zum Messer. Der Löffel als Schöpfgefäß hatte Vorbilder in der Natur, zum Beispiel Muscheln, Blätter oder Steine. Aber eine Gabel kannten die Menschen lange nicht. Schließlich hatten sie doch die Finger.

Als erste Gabeln gelten Astgabeln oder zweizinkige Bratspieße, mit denen die Jagdbeute über dem Feuer gebraten wurde. Doch Gabeln als Essbesteck wurden erst viel später verwendet. Vereinzelt sind erste kleine zwei- oder dreizinkige Essgäbelchen aus der ägyptischen, griechischen und römischen Antike bekannt, also etwa zwischen 1200 vor Christus bis etwa 500 nach Christus. Doch der Gebrauch der Gabel war nach heutigem Wissen nicht weit verbreitet. Das arme Volk aß ohnehin meist Brei oder Brot. Die Eliten der Antike, besonders die der römischen Kaiserzeit, lagen zu Tische, bequem auf einen Arm gestützt. Somit war nur eine Hand zum Essen frei und da wurden die Leckerbissen kurzerhand direkt mit den Fingern in den Mund befördert. Praktischerweise hatten die Sklaven deshalb das Essen für ihre Dienstherren in mundgerechte Stücke geschnitten.

Ein Werkzeug des Teufels

Wandbild: Essen in der Antike.

In der Antike wurde überwiegend mit Fingern gegessen

Das Mittelalter war für die meisten Menschen zunächst ein Kampf ums Überleben. Gegessen wurde mit den Händen. Selbst im wohlhabenden Hoch- und Spätmittelalter, als zunehmend Essgelage kultiviert wurden, gab es keine Kultur der Esswerkzeuge. Und ganz besonders die Gabel galt als Teufels- und Hexenwerkzeug. Bereits im frühen Mittelalter soll die bekannte Mystikerin Hildegard von Bingen (um 1098 - 1179) gesagt haben, wer die Gabel statt der Finger benutze, verhöhne Gott.

Es dauerte bis zum 16. Jahrhundert, bis kleine Gäbelchen immer mehr in Mode kamen. Zunächst als Konfekt- und Obstgäbelchen benutzten sie hauptsächlich französische und italienische Damen. Als ein Symbol ihres Standes waren die Gäbelchen kleine Kunstwerke aus Elfenbein, Gold und Silber, oft mit Edelsteinen und Perlmutt verziert. Mit Martin Luther und Erasmus von Rotterdam verhöhnten viele Vertreter des Volkes die Gabeln als weibisches Geziere und sinnloses Getue. Erst Anfang des 18. Jahrhunderts setzte sich die Gabel zunächst in Adelskreisen immer mehr durch und wurde ein Symbol des Vornehmen und des Luxus.

Vom Massenprodukt zur Spezialgabel

Die Masse des Volkes musste noch etwa drei Jahrhunderte auf die Gabel warten. Erst im 19. Jahrhundert, mit dem Beginn der industriellen Revolution, gab es mit dem Metall günstigere Materialien als Silber, Gold und Elfenbein. Durch die Anfänge der Massenproduktion wurde auch die Gabel für jeden erschwinglich. Heute gibt es ungezählte verschiedene Gabeln für jeden Anlass: Kuchengabel, Plastikgabel für Pommes Frites, Schneckengabel, Spaghettigabel, Pellkartoffelgabel und die Gabel für Linkshänder sind da nur einige Beispiele.

Autor/in: Marika Liebsch

Stand: 31.10.2014, 12:00

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