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Unverträglichkeit bei Kindern

Auch Kinder leiden schon unter Unverträglichkeiten wie Laktose-Intoleranz oder Sprue. Nicht immer werden diese Krankheiten erkannt. Wie können Eltern herausfinden, ob ihr Nachwuchs betroffen ist? Dr. Volker Soditt ist Chefarzt der Abteilung für Kinder und Jugendliche am Klinikum Solingen und behandelt alle Formen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Planet Wissen hat mit ihm im Sommer 2005 gesprochen.

Dr. Volker Soditt, Chefarzt der Abteilung für Kinder und Jugendliche am Klinikum Solingen. (Rechte: Klinikum Solingen)

Volker Soditt hat oft mit Lebensmittel-Intoleranzen zu tun

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Planet Wissen (PW): Woran erkennt man eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit?

Dr. Volker Soditt (V.S.): Bei Säuglingen, Kindern und Erwachsenen sind die gleichen Symptome zu beobachten. So gut wie immer kommt es zu Durchfall, denn wenn Nahrungsmittel nicht oder nur teilweise verdaut werden, werden sie beschleunigt ausgeschieden. Je nach Zusammensetzung der vorherrschenden Inhaltsstoffe kann der Stuhl dann wässrig oder breiig sein und übel riechen. Durch vermehrte Gasbildung und eine beschleunigte Passage sind Blähungen und krampfartige Bauchschmerzen weitere mögliche Symptome. Weniger häufig sind Hautreaktionen.

Eine Mutter stillt ihr Baby. (Rechte: dpa)

Schon Säuglinge können unter Laktose-Intoleranz leiden

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PW: Welche Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten treten am häufigsten auf?

V.S.: Im Grunde genommen tritt im Rahmen jeder Magen-Darm-Grippe eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit auf. Bestimmte Inhaltstoffe der Nahrung - meist handelt es sich um Milchzucker (Laktose) und Fette - werden nicht mehr vollständig verdaut und beschleunigt ausgeschieden. Deswegen ist eine Durchfalldiät in der Regel fett- und laktosereduziert.

Darüber hinaus gibt es Menschen, bei denen die Enzyme für die Aufspaltung bestimmter Stoffe in geringerer Menge im Darm vorliegen. Große Teile der afrikanischen und asiatischen Bevölkerung haben einen relativen Mangel an dem Milchzucker spaltenden Enzym Laktase. Diese Menschen können Milch trinken, aber nur in kleinen Mengen und häufig nur verdünnt. Diese Form der Unverträglichkeit nennt man Laktose-Intoleranz. Sie ist sehr weit verbreitet. Auch in unseren Breiten gibt es diese Laktose-Intoleranz, im deutschsprachigen Raum geht man von einem Vorkommen von 15 Prozent unter der erwachsenen Bevölkerung aus. Sie ist für eine Reihe von nichtentzündlichen Bauchschmerzen verantwortlich. Auch für andere Stoffe wie Fruchtzucker und Kochzucker gibt es Unverträglichkeiten.

Eine sehr wichtige Form der Nahrungsmittel-Unverträglichkeit ist die Zöliakie. Hier wird ein bestimmter Eiweißstoff - das Gluten - nicht vertragen. Gluten kommt in allen heimischen Getreidearten, ausgenommen Mais, vor. Die Symptome treten auf, wenn Getreideprodukte verzehrt werden. Es entwickelt sich ein Krankheitsbild mit Entwicklungsstörungen, Blähungen und Bauchschmerzen, das einer genauen Diagnostik und Behandlung bedarf.

PW: Welche Diagnosemöglichkeiten gibt es?

V.S.: Vor jeder apparativen Diagnostik steht in jedem Fall die gründliche Analyse der Krankheitsgeschichte (Anamnese). Meist ergeben sich aus dem Zeitpunkt des Auftretens der Symptome schon Hinweise auf den Auslöser der Störung.
Unverträglichkeiten gegen Milchzucker, Fruchtzucker und Kochzucker können mit einem Atemtest nachgewiesen werden. Hierbei trinkt der Patient eine in Wasser gelöste Zuckerlösung. Danach wird in der ausgeatmeten Luft die Konzentration eines bestimmten Stoffes gemessen. Der Verdacht auf eine Zöliakie kann durch eine Antikörperbestimmung erhärtet werden, muss aber in jedem Fall durch eine oder mehrere Untersuchungen der Darmschleimhaut bewiesen werden.

PW: Wie entsteht eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit?

V.S.: Bestimmte Unverträglichkeiten entstehen im Rahmen einer entzündlichen Darmerkrankung. Andere sind genetisch bedingt und damit auch vererbbar, wie zum Beispiel Sprue. Die Beschwerden treten auf, wenn zum Beispiel glutenhaltiger Brei gefüttert wird, meistens ist das zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr der Fall. Die Laktose-Intoleranz hingegen ist selten angeboren, kann aber auch schon bei Babys vorkommen. Das liegt dann in der Regel daran, dass die Darmschleimhaut noch nicht voll ausgebildet ist. Die Laktose-Intoleranz, die auf den schon beschriebenen Enzymdefekt zurückzuführen ist, tritt meistens erst später auf.

PW: Welche vorbeugenden Maßnahmen gibt es?

V.S.: Eine Möglichkeit der Vorbeugung gibt es eigentlich nur bei der Nahrungsmittelallergie. Säuglinge, die schon genetisch vorbelastet sind, sollten möglichst lange gestillt werden. Brei oder Zusatznahrung sollten erst nach dem vierten Lebensmonat gegeben werden. Wenn eine Milchnahrung benötigt wird, empfehle ich eine hypoallergene Milch. Auf starke Allergene wie Kuhmilch oder Hühnereier und Weizen sollte nach Möglichkeit im ersten Lebensjahr verzichtet werden.

PW: Ist Nahrungsmittel-Unverträglichkeit eine Zivilisationskrankheit?

V.S.: Um eine Zivilisationskrankheit im klassischen Sinne wie die Fettsucht oder den Bluthochdruck handelt es sich sicherlich nicht. Andererseits kann man den Mangel an bestimmten Enzymen als Zustand interpretieren, bei der die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln die Fähigkeit des Menschen, sich darauf einzustellen, überholt hat.

Interview: Christiane Tovar, Stand vom 28.06.2005

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