Goldene Zeiten – Wissensfrage

Weimarer Republik

Goldene Zeiten – Wissensfrage

Hat es die Goldenen 20er Jahre wirklich gegeben?

Die Goldenen 20er Jahre hat es sicherlich nur für die Allerwenigsten gegeben. Doch von der brüchigen Epoche der Weimarer Demokratie gehen entscheidende kulturelle Impulse aus.

Der Mythos der "Golden Twenties" zeigt in vielen Facetten das andere, das hoffnungsvolle Gesicht der Weimarer Republik. Die Menschen versuchen nach dem Ende des Weltkriegs einen Neuanfang in Politik, Gesellschaft, Kultur und Freizeit.

Tanzende Frauen.

Der moderne Ausdruckstanz ergänzte das klassische Ballett

Charleston und Jazz, Revue und Freikörperkultur bedeuten die Abkehr vom rigiden preußischen Staatswesen, das autoritär bis in die Privatsphäre jedes Einzelnen hineinreglementierte. Unter den Künstlern und Intellektuellen formieren sich Vordenker, die sogenannte Avantgarde. Sensible und kreative Talente suchen neue Ausdrucksformen und finden neue Ausdrucksmöglichkeiten. Sie werden zu kulturellen Seismographen, sie wenden sich ab von der verlogenen selbstherrlichen Rhetorik des Kaiserreichs und der Instrumentalisierung und Verheizung der Deutschen im Ersten Weltkrieg.

Die intellektuellen Eliten suchen gänzlich neue Wege. Man vertraut nicht länger den althergebrachten Traditionen. Geschmack und Gewohnheiten werden infrage gestellt und neu überdacht. Die Sprache verändert sich, die Gestaltung, die Idee. Formen und Farben. Ausdruck und Ästhetik werden wieder puristisch und lösen sich von der Überladenheit der Kaiserzeit. Die sogenannte "Neue Sachlichkeit" wird Trend und bestimmt Kunst, Kultur und Musik.

Experimentelle Dichter formieren den Kreis der Dadaisten, sie kultivieren eine exzentrische Sprache, die zurück zu den einfachsten Lauten führt. Die Malerei findet zu den ursprünglichen, sich auflösenden Formen des Expressionismus und Kubismus. In Weimar gründet Walter Gropius das "Staatliche Bauhaus" und läutet mit einer revolutionären Formensprache die bedeutende Epoche der Moderne in Architektur und Design ein.

Der Tanz wird revolutioniert - das klassische Ballett ergänzt durch den modernen Ausdruckstanz einer Mary Wigman. Das Kino kommt auf, der Stummfilm wird populär und der Tonfilm erfunden. Das Aufbruchsgefühl der Goldenen Zwanziger ist auf Vergnügen und Ablenkung aus, setzt aber auch neue Maßstäbe in Kunst und Kultur und ist aufgrund seiner substanziellen Gesellschaftskritik häufig politisch aufgeladen.

Weiterführende Infos

Autor/in: Gregor Delvaux de Fenffe

Stand: 22.10.2014, 13:00

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