Kambodscha

Asien

Kambodscha

Sofort ist sie da, die Verbindung "Kambodscha - Rote Khmer". Die radikal-sozialistische Schreckensherrschaft Pol Pots kostete ein bis zwei Millionen Menschen das Leben. Sie versetzte das einst reiche und hochzivilisierte Land in Südostasien zurück in die Steinzeit. Mithilfe der Vereinten Nationen erlangte Kambodscha nach vielen Jahren Bürgerkrieg Anfang der 90er Jahre endlich Frieden. Inzwischen entdecken immer mehr Touristen die Kulturschätze des alten Königreichs für sich und genießen die Ursprünglichkeit der Natur.

Vorgänger Funan - ein wohlhabendes Königreich

Es ist nicht sicher, wann das Gebiet Kambodschas, das zum Großteil aus fruchtbaren Tiefebenen besteht, besiedelt wurde. Der früheste Hinweis auf die Besiedlung der tropisch geprägten Region sind Fundstücke aus einer Höhle im Nordosten des Landes. Diese stammen aus der Zeit um 4200 vor Christus.

Das Bild zeigt stark überflutete Felder mit Grasstreifen dazwischen, außerdem einen Mann, der mit einem kleinen Kahn über das Wasser fährt sowie einen Mann weiter hinten im Bild, der durchs Wasser watet.

Das Wasser des Mekong sorgt für fruchtbares Land

Sicher ist hingegen, dass es ein wohlhabendes Königreich auf dem Gebiet des heutigen Kambodschas gab: Funan. Dessen Blütezeit beziffern Historiker auf das fünfte Jahrhundert nach Christus. Ende des siebten Jahrhunderts wurde Funan von seinem nördlichen Nachbarn, dem Königreich Chenla, erobert. Beide Reiche wurden von den Khmer bewohnt, dem Nationalvolk des heutigen Kambodscha. Chenla dehnte seinen Machtbereich bis ins heutige Thailand und nach Laos aus. Der Staat wurde wegen seiner Größe bald unregierbar und geriet zum Teil unter die Kontrolle Javas.

Angkor - hochzivilisiert und tiefreligiös

Als Gründer des ersten gemeinsamen Khmer-Staates gilt Jayavarman II., der von 802 bis 850 regierte. Jayavarman II. gründete eine neue Hauptstadt: Angkor. Er baute die ersten Tempel der heute weltweit größten Ansammlung von sakralen Bauwerken. In der Blütezeit des Angkor-Reiches lebten im weiteren Umkreis der Tempel vermutlich etwa eine Millionen Khmer.

Das Bild zeigt ein Heiligtum. Es besteht aus mehreren Steinquadern, die nach oben terrassenförmig zulaufen. Das Heiligtum steht auf einem Berg, in der Ferne ist die Ebene von Angkor zu sehen.

Das Heiligtum Phnom Bakheng in Angkor

Das Angkor-Reich zeichnete sich durch eine unvergleichliche Hochzivilisation in allen Bereichen des öffentlichen Lebens aus. Die größte Ausdehnung hatte es unter Jayavarman VII., der von 1181 bis etwa 1218 regierte. Er ließ Krankenhäuser bauen und das Straßensystem vervollständigen. Unter dem überzeugten Buddhisten verbreitete sich diese Religion. Heute sind die meisten Kambodschaner Anhänger des Theravada-Buddhismus. Jayavarmans Wahn, immer mehr Tempel zu bauen sowie zahlreiche Kriege brachten das Angkor-Reich in finanzielle Schwierigkeiten und läuteten seinen Untergang ein.

Verlust der Souveränität

Das Reich wurde schließlich 1430/31 von den Thai erobert und stark verkleinert. Nach dem Fall Angkors wurde die Hauptstadt im Jahr 1434 das erste Mal an die Stelle des heutigen Phnom Penh an den Mekong verlegt. 1597 installierte Thailand einen eigenen König, und auch die folgenden Monarchen waren von der Gunst der Thais sowie der Vietnamesen abhängig. Thailand und Vietnam kämpften im 19. Jahrhundert heftig um die Vorherrschaft in Kambodscha und einigten sich 1841 auf eine gemeinsame Verwaltung. Von da an war Kambodscha endgültig nicht mehr souverän.

Um nicht völlig von Thailand und Vietnam vereinnahmt zu werden, stimmte der kambodschanische König Norodom 1863 einem Vertrag mit Frankreich zu, der das Land unter dessen Schutz stellte und den Franzosen das Recht gab, die Bodenschätze und Wälder zu nutzen. Doch Frankreich merkte bald, dass die Ausbeutung Kambodschas nicht so viel einbringen würde wie erhofft, und tat nur das Allernotwendigste für die Entwicklung des Landes.

Das Bild zeigt eine Anlage kunstvoll verzierter Gebäude mit Säulen und terrassenförmig angelegten, spitz zulaufenden Dächern vor einem strahlend blauen Himmel.

Der Königspalast in Phnom Penh

Trotz der schwierigen Lage für die meisten Kambodschaner gab es bis Ende der 1930er Jahre kaum Widerstand gegen die Kolonialmacht. Diese wechselte 1941: Für fünf Jahre bestimmten die Japaner die Geschicke Kambodschas, zogen allerdings 1946 wieder ab, und die Franzosen kehrten zurück. Sie gewährten den Kambodschanern von da an das Recht auf eine eigene Verfassung und eigene politische Parteien.

Vom Widerstand zur Schreckensherrschaft

Erst Anfang der 1950er Jahre begann Kambodschas Kampf um Unabhängigkeit. Gleichzeitig bildete sich in Paris ein marxistischer Zirkel aus kambodschanischen Studenten, zu denen die späteren Führer der Roten Khmer gehörten. Souverän wurde Kambodscha schließlich am 9. November 1953. Anschließend regierte König Sihanouk fast 16 Jahre als Präsident und König Kambodscha, das zu dieser Zeit eines der reichsten Länder Südostasiens war. Ein Putsch während einer Reise Sihanouks im Jahr 1970 sorgte dafür, dass er nicht mehr ins Land zurückkehren konnte. Der vorherige Premierminister Lon Nol schaffte die Monarchie ab und rief die Khmer-Republik aus. Doch Lon Nol war unfähig, die Probleme des Landes zu lösen.

Das Bild zeigt den Kambodschaner Pol Pot, den Anführer der Roten Khmer. Er sitzt an einem Schreibtisch, auf dem einige Papiere liegen.

Pol Pot nannte sich selbst "Bruder Nr. 1"

Von Peking aus organisierte der gestürzte Sihanouk alle Gegner Lon Nols und bereitete so den Weg für die Machtübernahme der Roten Khmer unter Pol Pot. Diese kämpften ab 1973 in einem Bürgerkrieg gegen die Regierung in Phnom Penh. Pol Pots Truppen nahmen die Hauptstadt schließlich am 17. April 1975 ein - womit die schlimmste Zeit in der Geschichte Kambodschas begann, in der zwischen 20 und 30 Prozent der Bevölkerung direkt oder indirekt durch die Roten Khmer umgebracht wurden - die Schätzungen schwanken zwischen einer und zwei Millionen Opfern.

Wiederaufbau durch die UN

Nach einem Angriff auf Vietnam schlugen die vietnamesischen Truppen zurück und besetzten am 7. Januar 1979 Phnom Penh. Die Roten Khmer wurden allerdings nicht endgültig niedergeschlagen: Sie flüchteten und waren in den darauffolgenden Jahren maßgeblich für den Bürgerkrieg in den Provinzen verantwortlich, bei denen sie und zwei weitere Guerilla-Armeen gegen die vietnamesischen Besatzer kämpften. Die Vietnamesen konnten sich jedoch behaupten.

Erst nach langwierigen Friedensverhandlungen zogen die vietnamesischen Truppen im Herbst 1989 ab. Ein endgültiger Friedensvertrag zwischen den vier Bürgerkriegs-Parteien und weiteren 18 Nationen wurde schließlich am 23. Oktober 1991 geschlossen. Die Verantwortung für den Wiederaufbau eines funktionierenden Staates übernahmen die Vereinten Nationen (UN).

Das Bild zeigt zwei kambodschanische Männer, die offensichtlich gerade eine Pressekonferenz geben; vor ihnen steht ein Mikrofon.

Waren sich nicht grün: Hun Sen und Ranariddh

Um den Friedensprozess weiter zu unterbinden, verübten die Roten Khmer Attentate auf die vietnamesische Minderheit im Land und griffen UN-Soldaten an. Trotz der Einschüchterungen wählten vom 23. bis 28. Mai 1993 fast 90 Prozent der registrierten Kambodschaner. Anfänglich taten sich die gewählten Parteien schwer zusammenzuarbeiten. Der ehemalige König Sihanouk löste die schwierige Situation, indem er sich wieder zum König und die beiden Kontrahenten Hun Sen und Ranariddh zu seinen Ministerpräsidenten machte.

Konflikte in der politischen Führung

Die Bevölkerung war glücklich, wieder ihren alten König zurückzuhaben. Doch auch er konnte den Konflikt zwischen seinen beiden Ministerpräsidenten nicht lösen. Dieser verschärfte sich sogar, als sich die Roten Khmer 1996 spalteten und sich sowohl Hun Sen als auch Ranariddh darum bemühten, die regierungsloyale Gruppe der Roten Khmer in ihre jeweilige Partei zu integrieren. Beide Ministerpräsidenten bauten sich hochgerüstete Privat-Armeen auf. Die Atmosphäre vor der Wahl am 26. Juli 1998 war von Misstrauen geprägt. Das Ergebnis - Hun Sens Partei gewann die Wahl - wurde von den Verlierern angefochten, und es kam zu Unruhen mit Toten. Schließlich einigten sich Hun Sen und Ranariddh doch auf einen Koalitionsvertrag.

Das größte Problem: Korruption

Noch immer gestaltet sich die Vergangenheitsbewältigung schwierig: Kaum ein führender Politiker der demokratischen konstitutionellen Monarchie kann von sich behaupten, nie mit den Massenmördern Pol Pots zusammengearbeitet zu haben. Nach den Nationalwahlen von 2003 gab es erneut Probleme bei der Regierungsbildung; dieses Mal dauerten die Koalitionsverhandlungen fast ein Jahr, verliefen allerdings friedlich.

Das Bild zeigt ein Feld mit vielen grünen Reispflanzen. Vorne rechts ist ein Junge zu sehen. Mitten im Feld steht ein Pfahlbau.

Reisanbau - wichtige Einnahmequelle vieler Kambodschaner

Die Wirtschaft Kambodschas ist noch immer hauptsächlich landwirtschaftlich geprägt; in den vergangenen Jahren wurde der Tourismus zu einer wichtigen Einnahmequelle. Insgesamt wird jedoch ein großer Teil der Wirtschaftsleistung Kambodschas von Entwicklungshilfe getragen. Das größte Problem: die Korruption. Sie ist verbreitet wie in kaum einem anderen südostasiatischen Land und wird dafür verantwortlich gemacht, dass ausländische Gelder in einer Größenordnung von jährlich rund 300 Millionen US-Dollar sich quasi in Luft auflösen.

Autor/in: Alexandra Stober

Stand: 19.03.2014, 12:00

Darstellung: