Wissensfrage

Ludwig van Beethoven

Wissensfrage

Gibt es noch eine originale Haarlocke von Ludwig van Beethoven?

Es gibt vermutlich noch weitaus mehr als nur eine Haarlocke von ihm. Denn Beethoven war zu seiner Zeit jemand, den man heute als VIP (very important person, zu deutsch: sehr wichtige Person) bezeichnen würde. Und ähnlich, wie in den 1960er Jahren Fans versucht haben, den Beatles Haare als "Trophäe" auszureißen, hat man auch 1827 dem verstorbenen Beethoven einige Haarlocken zur Erinnerung entnommen. Der junge Musikschüler Ferdinand Hiller schnitt Beethoven am Tag nach seinem Tod eine solche Locke ab. Er ließ sie in einen kleinen Rahmen einarbeiten und gab sie vor seinem Tod an seinen Sohn weiter.

Der verstorbene Beethoven auf dem Totenbett in einer Lithographie aus dem frühen 19. Jahrhundert.

Beethoven auf dem Totenbett

Im Dritten Reich verliert sich die Spur dieser Haarlocke, die dann später in Dänemark wieder auftauchte. 1994 wurde sie bei einer Auktion an zwei amerikanische Sammler verkauft. Sie öffneten den kleinen Rahmen und ließen einige der Haare untersuchen. Damit erfüllten sie sozusagen über 160 Jahre nach Beethovens Tod einen seiner Wünsche. Denn der Musiker wollte, dass man ihn nach seinem Tod obduziert, um die Ursache für seine Taubheit und seine vielen anderen Leiden zu klären. Es fand damals auch eine Obduktion statt, doch die Medizin des Jahres 1827 war noch nicht in der Lage, die wirklichen Ursachen für seine Krankheit zu erkennen. Das sollte schließlich durch die Haarlocke geschehen.

Die Untersuchung in einem großen amerikanischen Röntgenlabor brachte die Erkenntnis, dass der Musiker vermutlich zeitlebens an einer schweren Bleivergiftung gelitten hat. Die Werte in seinen Haaren waren etwa 100-fach erhöht. Man weiß heute, dass Blei nicht nur die Nerven schädigt, sondern auch Auswirkungen auf die Persönlichkeit hat. Es führt zu Wutausbrüchen und Depressionen. Alles Eigenschaften, die auf Beethoven zutreffen. Wodurch die Bleivergiftung verursacht wurde, ist nicht mehr eindeutig zu klären. Es können verbotene Süßstoffe im Wein der damaligen Zeit gewesen sein, selbst Wasserrohre aus Blei können mit dazu beigetragen haben.

Weiterführende Infos

Autor/in: Helmut Brasse

Stand: 26.08.2014, 13:00

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