Umweltgifte im Wasser

Wasserversorgung in Deutschland

Umweltgifte im Wasser

Wenn wir in Deutschland den Wasserhahn aufdrehen, können wir sicher sein, dass daraus sauberes Wasser fließt. Denn unser Trinkwasser wird sorgfältig gereinigt und kontrolliert. Das ist auch nötig, weil sich im Grundwasser, der Hauptquelle für unser Trinkwasser, Schwermetalle wie Blei und Kadmium, Nitrat, Pflanzenschutzmittel und andere Schadstoffe ablagern. Probleme machen auch die Rückstände von Medikamenten. Viele von diesen werden nur schwer oder gar nicht abgebaut.

Nitrat im Grundwasser

Nitrat gehört zu den Stoffen, die das Grundwasser am meisten belasten. Eigentlich ist diese Stickstoffverbindung für den Menschen nicht gesundheitsschädlich. Doch Nitrat wird in unserem Körper unter anderem in Nitrit umgewandelt. Nitrit zerstört im Organismus den roten Blutfarbstoff, was vor allem für Säuglinge gefährlich ist. Außerdem gelten die Nitrosamine, die wiederum aus Nitrit entstehen, als krebserregend. Gründe genug also, um das Grundwasser möglichst nitratfrei zu halten.

Verschmutztes Wasser, das aus einem Rohr in ein Gewässer fließt.

Im Wasser lagern sich immer mehr Umweltschadstoffe ab

Hauptquelle für Nitrat ist die Landwirtschaft. Besonders durch die Massentierhaltung und die damit verbundene Gülle gelangt Nitrat ins Grundwasser. Auch die Düngemittel in der industriellen Landwirtschaft tragen dazu bei, dass der Boden – und damit das Grundwasser – mit Nitrat angereichert werden.

Um die Belastung zu kontrollieren, misst das Umweltbundesamt an etwa 700 Stationen regelmäßig die Nitratwerte. Wird der Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter dauerhaft überschritten, werden Quellen auch für immer stillgelegt.

Grenzwert für Uran

Andere Stoffe wie Eisen und Mangan gelangen ins Grundwasser, weil sie aus unterirdischen Gesteinsschichten herausgewaschen werden. Um das Wasser trinkbar zu machen, werden diese Metalle mit speziellen Filterverfahren entfernt.

Das gilt auch für das giftige Uran. Probleme macht dabei nicht in erster Linie die Radioaktivität des Schwermetalls, sondern die Tatsache, dass Uran die menschliche Niere erheblich schädigen kann. Wie andere Stoffe auch, wird Uran je nach Bodenbeschaffenheit aus Gesteinsschichten herausgewaschen. Außerdem kommt es in bestimmten Düngemitteln vor.

Seit dem 1. November 2011 gilt in der Europäischen Union (EU) für Trinkwasser ein Grenzwert von zehn Mikrogramm pro Liter. Verbraucherschützer monieren jedoch, dass durch diesen Wert nur Erwachsene, nicht aber Säuglinge vor dem giftigen Schwermetall ausreichend geschützt sind.

Um den vorgeschriebenen Wert nicht zu überschreiten, gehen die Wasserversorger sehr unterschiedlich vor. Einige mischen das Wasser aus verschiedenen Quellen miteinander. Andere arbeiten mit speziellen Filtern, um das giftige Schwermetall zu entfernen.

Ein Cocktail mit Spätfolgen?

Eine weitere Gefahr für unser Grundwasser sind Rückstände von Medikamenten. Auch wenn es sich bei diesen um verschwindend geringe Mengen handelt: Die Mischung ist entscheidend. Wir alle nehmen mit dem Trinkwasser einen Cocktail auf, über dessen Wirkung bislang noch nichts bekannt ist.

Becken einer Kläranlage.

Gegen Arzneimittelrückstände hilft auch kein Klären

Experten haben herausgefunden, dass sich Grippewellen anhand von Wasserproben nachvollziehen lassen, weil dann der Anteil von Hustensäften und anderen Erkältungsmedikamenten im Trinkwasser deutlich erhöht ist.

Auch wenn die Auswirkungen der Medikamente auf den Menschen noch nicht offensichtlich sind, bei einigen Tieren kann man sie schon deutlich sehen. Forscher beobachten zum Beispiel immer häufiger, dass männlichen Fischen weibliche Geschlechtsorgane wachsen. Sie vermuten, dass die Östrogene, die von der Anti-Babypille überbleiben, dafür verantwortlich sind.

Eine Lösung für das Problem gibt es bislang noch nicht: Weil die Rückstände von Arzneimitteln sehr gering und damit nicht nachweisbar sind, werden sie in den Kläranlagen nicht herausgefiltert. Forscher arbeiten deswegen an umweltfreundlichen Medikamenten, die schon nach kurzer Zeit vollständig abgebaut sind.

Autorin: Christiane Tovar

Stand: 16.08.2016, 11:00

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