Michelangelo Buonarroti

Petersdom

Michelangelo Buonarroti

Mit zahlreichen Werken, vor allem mit der Kuppel des Petersdoms und dem detailreichen Deckenfresko der Sixtinischen Kapelle in Rom, ging Michelangelo als einer der berühmtesten Künstler aller Zeiten und als bedeutendster Repräsentant der Hochrenaissance in die Geschichte ein. Seine Arbeit für die Päpste in Rom war nicht frei von Konflikten. Doch sie prägte das Werk des Florentiners, der sein Leben vor allem der Bildhauerei und der Malerei gewidmet hatte.

In jungen Jahren nach Rom

Der Kupferstich nach einem Gemälde von Giuliano Bugiardini zeigt Michelangelo als bärtigen Mann im Halbprofil mit rotem Gewand und blauem Überwurf.

Er prägte das Aussehen des Petersdoms

Geboren wurde Michelangelo di Lodovico Buonarroti Simoni, kurz: Michelangelo, am 6. März 1475 in Caprese im Apenningebirge. Er war der zweite Sohn des Florentiner Beamten Ludovico di Lionardo di Buonarroti Simoni und der Francesca di Neri di Miniato del Sera. Schon als Kind wollte er Künstler werden - gegen den Widerstand seines Vaters. Der störrische Wille des Jungen, der später seinen Mitmenschen als arroganter und auf sich selbst und seine Arbeit fixierter Eigenbrötler begegnen sollte, siegte. Im Alter von 13 Jahren fing er als Assistent in der Werkstatt von Domenico Ghirlandaio in Florenz an. Hier studierte Michelangelo die Grundlagen der Freskokunst. Später sollte ihm diese Technik bei der Gestaltung der Sixtinischen Kapelle von Nutzen sein.

1496 ging Michelangelo erstmals nach Rom. Hier gewann er die Gunst des römischen Adligen Jacopo Galli, der die Skulpturen des römischen Liebesgottes Cupido und des Weingottes Bacchus bei ihm bestellte. Galli reichte Michelangelo an den französischen Kardinal Jean de Villiers de la Grolaie, Abt von St. Denis, weiter. Für ihn schuf er die Pietà, die Skulptur einer bekleideten Jungfrau Maria mit einem unbekleideten toten Christus in den Armen, die heute im Petersdom zu bewundern ist.

Demütigende Abfuhr vom Papst

Weiße Fassade eines Grabmals mit Statuen.

Grab von Papst Julius II. in San Pietro in Vincoli

1505 wünschte sich Papst Julius II. ein Monumentalgrab von Michelangelo. Es sollte über dem Petrusgrab in Alt-Sankt-Peter seinen Platz haben. Was Julius II. nicht einkalkuliert hatte, waren die Kosten, die sein Denkmal verschlingen sollte. Während Michelangelo ins Carrara-Gebirge reiste, um den Marmor für das Julius-Grab zu beschaffen, wurde im Vatikan heftig über den Allgemeinzustand der Basilika debattiert: Viel zu baufällig sei die Pilgerstätte der Christen, um ein derartiges Mammut-Grabmal noch in sich aufzunehmen.

Als der Künstler mit dem Marmor nach Rom zurückkehrte, teilte der Papst ihm mit, dass nun sein Konkurrent Donato Bramante mit der kompletten Neuplanung der Basilika beauftragt sei. Beleidigt verließ Michelangelo am 17. April 1506, dem Abend bevor der Grundstein des neuen Peterdoms gelegt wurde, Rom und zog sich nach Florenz zurück. "Es war die Tragödie meines Lebens", schrieb Michelangelo später dazu.

Das Grabmal für Papst Julius II. sollte Michelangelo noch Jahrzehnte lang beschäftigen. Mit den Erben des 1513 verstorbenen Julius stritt er über die Finanzierung und Umsetzung. In stark vereinfachter Form wurde das Monument erst 40 Jahre später, im Jahr 1545, vollendet. Wichtige Skulpturen des Grabmals sind der "Gefesselte Sklave" und der "Sterbende Sklave". Sie sind heute im Louvre ausgestellt.

Karrieresprung in die Sixtinische Kapelle

Ausschnitt aus dem Fresko 'Die Erschaffung Adams' von Michelangelo. Der liegende, nackte Adam streckt seinen Zeigefinger einem anderen Zeigefinger hin.

Die Erschaffung Adams

Nur drei Jahre nachdem er ihm wegen seines Grabmonumentes eine Abfuhr erteilt hatte, hatte Papst Julius II. jedoch neue Pläne mit Michelangelo: Im März 1508 beauftragte er den jungen Künstler mit der Ausmalung des Deckengewölbes der Sixtinischen Kapelle. Es galt, auf einer Fläche von 1100 Quadratmetern die Schöpfungsgeschichte darzustellen.

Am 31. Oktober 1512 wurde die Sixtinische Kapelle eröffnet und das Meisterwerk enthüllt. Auf dem Deckenfresko sind ringsum Figuren aus der griechischen und römischen Antike und die Propheten des Alten Testaments zu sehen. Insgesamt sind es fast 300 Figuren. Auf dem eigentlichen Gemälde der Schöpfungsgeschichte ist die "Erschaffung Adams" wohl das berühmteste und am häufigsten kopierte Werk.

Michelangelo eckte auch mit seinen Fresken in der Sixtinischen Kapelle bei der katholischen Kirche an. Die Figuren waren in den Augen des Klerus viel zu freizügig, fast alle waren unverhüllt zu sehen. Nach dem Tode des Künstlers wurden aufgrund eines Erlasses alle Geschlechtsteile übermalt. Erst bei den umfangreichen Restaurierungen der 1980er und 1990er Jahre wurden die Gemälde wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt.

Seine Kuppel krönt den Petersdom

Blick in die lichtdurchflutete Kuppel des Petersdoms.

Michelangelos Kuppel

1547 wurde Michelangelo von Papst Paul III. zum Baumeister des Petersdoms ernannt. Nach den Konflikten mit Papst Julius II. wollte Michelangelo die Baumeistertätigkeit zuerst gar nicht annehmen. In langen Gesprächen gelang es dem Papst dann aber doch, den damals schwer erkrankten Künstler zu überzeugen. Die Kuppel, die Michelangelo schließlich entwarf, ist die Krönung des Petersdoms und prägt als barocker Mittelpunkt das Erscheinungsbild des gesamten Bauwerkes.

Vom Durchmesser her ist sie mit 42,34 Metern kleiner als das Pantheon in Rom (43,20 Meter), dafür aber unvergleichlich höher und gewaltiger. Über dem Tambour, dem Kuppelring mit seinen 16 rechteckigen Fenstern, ist sie aus einer inneren Raumkuppel und einer äußeren Schutzschale zusammengesetzt. Zwischen beiden können Besucher bis in die Spitze steigen. Die Bauphase bis zum Tambour hat Michelangelo noch selbst erlebt. Nach seinem Tode 1564 setzte Giacomo de la Porta seine Arbeit fort und vollendete die Kuppel im Jahre 1593.

Nicht Bauwerk, sondern Skulptur

Michelangelo, der Bildhauer, begriff die Arbeit am Dom so, als ob er an einer Skulptur arbeiten würde. Obwohl sich Michelangelo in seiner Jugend zunächst der Malerei zugewandt hatte, war er von klein auf von der Bildhauerei begeistert gewesen: Seine Amme war die Frau eines Marmorarbeiters aus Settignano gewesen. Zu seinem Biografen Giorgio Vasari sagte er: "Giorgio, mein Geist an sich ist nichts nütze, sondern nur, weil er in der milden Luft von Arezzo, Eurer Heimat, ans Licht gekommen ist, so wie ich auch mit der Milch meiner Amme Meißel und Hammer eingesogen, womit ich meine Figuren mache."

Der Maler und Architekt Giorgio Vasari war als Vertreter des Manierismus stark von Michelangelo beeinflusst, welcher diese Art der künstlichen Farbgebung geprägt hatte. Er war es auch, der Michelangelos Leib nach dessen Tod am 18. Februar 1564 von Rom aus nach Florenz überführen ließ. Giorgio Vasari erbaute ihm in der Kirche Santa Croce 1572 ein Grabmal.

Autor/in: Beatrix von Kalben

Stand: 30.07.2014, 13:00

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