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Bedrohung der Südsee

Die Südsee - das ist für die meisten Europäer der Inbegriff des Paradieses. Der Mythos der traumhaften Südsee, gespeist von Schilderungen der ersten Seefahrer und Künstlern wie Paul Gauguin, hat unser Bild geprägt: kleine Inseln mit Kokospalmen, weißen Stränden, türkisfarbenem Wasser und freundlichen Menschen, die - farbenfroh gekleidet und mit Blüten behangen - die Fremden herzlich begrüßen. Doch nicht nur Christianisierung und Kolonialzeit haben die Inselwelt massiv verändert, auch heute wird die traumhafte Inselwelt der Südsee bedroht, und zwar so massiv, dass Experten ihren Untergang prognostizieren.

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Versinkende Inseln

Weltklimakonferenz, Kopenhagen 2009. Unter Tränen fleht eine Vertreterin der südpazifischen Inselstaaten die Weltgemeinschaft an, zu verhindern, dass ihre Heimat untergeht. Ein Appell, der die Mächtigen der Welt nicht dazu bewegt hat, auf der Konferenz klare, ehrgeizige Ziele zu formulieren. Derweil steigt im Pazifik das Wasser. Zwar sind es jährlich nur ein paar Millimeter, doch die Folgen sind auf den flachen Atollinseln der Südsee, vor allem in Mikronesien, schon heute zu spüren. "Die Inseln werden schon unbewohnbar, noch bevor sie untergehen", sagt Marion Struck-Garbe, Greenpeace-Aktivistin und Vorstandsvorsitzende der Pazifik-Infostelle. Denn bevor sie in den Fluten verschwinden, wird die Süßwasserversorgung auf den flachen Inseln zusammenbrechen. Schon heute gibt es Inseln, die nur noch von außen per Schiff versorgt werden können, denn die Süßwasservorkommen der Inseln versalzen. Das steigende Meerwasser dringt immer öfter von unten in diese Süßwasserlinsen ein und zunehmende Stürme und Hochfluten versalzen Land und Wasser zusätzlich von oben. Dann bricht nicht nur die Trinkwasserversorgung zusammen, sondern auch der bescheidene landwirtschaftliche Anbau. Die Versorgungsschiffe müssen dann nicht nur Wasser bringen, sondern auch Nahrungsmittel.

Handarbeit mit der Aufschrift"Tuvalu - our island - our future" (Rechte: picture-alliance/ photoshot)

Die Zukunft des Inselstaats Tuvalu ist ungewiss

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Erste Umsiedlungsaktionen

Der Inselstaat Tuvalu war der erste, der erkannte, was die Zukunft für die flachen Inseln bringen wird. Der Präsident fragte daher Anfang des neuen Jahrhunderts bei der neuseeländischen Regierung nach, ob Neuseeland bereit wäre, die Bewohner Tuvalus aufzunehmen. Die Regierung sagte ab: keine zusätzlichen Klimaflüchtlinge von den südpazifischen Inseln. Die Carteret-Islands vor Neuguinea sind inzwischen schon so weit, dass die Regierung ein Umsiedlungsprogramm startete. Eine der Inseln ist inzwischen sogar in zwei Teile zerbrochen. Doch schon dieser erste Versuch zeigt, wie schwierig die Lage ist in einem Land, das eigentlich viel weniger aus Land als aus Wasser besteht. Landbesitz ist eines der höchsten Güter auf den Inseln - doch wohin mit den Umsiedlern, wenn es ohnehin schon zu wenig Platz gibt? Der Präsident Tuvalus sieht nur eine Möglichkeit: so viel Geld (der Entwicklungshilfe) wie möglich in die Bildung stecken, damit die jungen Leute in Zukunft nicht in Camps für Klimaflüchtlinge dahinvegetieren, sondern die Möglichkeit haben, in anderen Ländern einer guten Arbeit nachzugehen.

Das Klima bedroht auch die Korallen

Korallenriffs werden auch die "Regenwälder der Meere" genannt. Doch diesen Unterwasser-Regenwäldern geht es auch im Südpazifik nicht mehr gut. "Korallenbleiche" nennen es die Experten, wenn die bunten, bizarren Strukturen fahl und bräunlich in sich zusammensinken. Der Grund ist die steigende Temperatur des Meerwassers, denn Korallen sind sehr temperaturempfindlich. In der Südsee wird die Korallenbleiche auch dem El-Nino-Phänomen zugeschrieben, das seit dem Klimawandel häufiger und intensiver zu beobachten ist. Das El-Nino-Phänomen tritt in der Regel alle vier Jahre auf. Dabei geraten durch die veränderten Passatwinde die Meeresströmungen durcheinander, sodass sich das Meer auf verheerende Weise erwärmt. Dann sind nicht nur Korallen bedroht, auch Fische verenden in der Folge. Das Korallensterben ist für die Menschen auf den Inseln bedeutend, denn die Korallen stehen am Anfang der Nahrungskette. In den engen Verästelungen finden die kleinsten Fische ihre Brutplätze. Sind diese weg, haben auch die größeren Fische nichts zu fressen. Die ohnehin überfischte Südsee wird dadurch noch fischärmer. Doch der Fisch steht täglich auf dem Speiseplan der Inselbewohner. Gerade auf den flachen Atollinseln stehen die Frauen am Vormittag im Wasser, um das Mittagessen zu fischen.

Müllhaufen (Rechte: mauritius images)

In manchen Regionen sind Plastikteile verbreiteter als Plankton

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Nordpazifischer Müllteppich vermüllt Hawaii

Abseits der Surfer-Paradiese türmt sich an den Stränden Hawaiis der Müll, schildert Thilo Maack von Greenpeace die Situation. Fernsehgeräte, Kühlschränke, Feuerzeuge, Zahnbürsten - sämtliches Hartplastik stapelt sich hier. 2006 wollte der Meeresbiologe mit 30 anderen einen Strandabschnitt auf Hawaii aufräumen - vergeblich. Doch noch dramatischer seien die Folgen des Müllteppichs, der zwischen Hawaii und den USA unter der Meeresoberfläche schwimmt. Durch ultraviolette Strahlung und den mechanischen Welleneinschlag wird das Plastik in kleine Teile zerschreddert, ohne sich jedoch biologisch abzubauen. In manchen Regionen sind die Plastik-Kleinteile verbreiteter als das Plankton, aber ähnlich groß. So gelangen sie in die Nahrungskette - mit gefährlichen Folgen für das Leben im Meer. Denn viele Tiere verwechseln den Müll mit Nahrung und werden entweder krank, weil sie die Gifte im Körper speichern, oder sie verhungern, da das Plastik den Magen verstopft. Betroffen sind Fische, über die die Gifte schließlich auch zum Menschen gelangen. Aber auch Seevögel sind massiv bedroht. Drei von fünf Albatros-Küken verenden nach Greenpeace-Schätzungen, weil sie von ihren Eltern mit Plastik gefüttert werden.

Wasserpilz bei einem Atombombentests auf dem Bikini-Atoll (Rechte: akg-images)

Das Bikini-Atoll und Moruroa sind wegen der Strahlengefahr unbewohnbar

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Atomtests der Vergangenheit

Zwei Inseln wurden nach dem Zweiten Weltkrieg zu Atomtest-Anlagen: das Bikini-Atoll und Mururoa. Während die USA nach 67 gezündeten Bomben ihre Tests in den 50er Jahren stoppten, hielten die Franzosen trotz internationaler Kritik bis 1996 an ihrem Testgebiet fest. Von 1966 bis 1996 zündeten sie insgesamt 46 Atombomben in der Atmosphäre und 147 unter Wasser. Die früheren Arbeiter berichten, dass sie nicht von den Gefahren unterrichtet wurden und ohne Schutzkleidung unter freiem Himmel arbeiteten. Ihre Strahlenkrankheiten wurden von Frankreich lange nicht anerkannt, da offiziell kein Strahlenrisiko bestand. Erst 2009 besann sich Paris und erklärte sich zu Entschädigungszahlungen bereit. Noch heute sind sowohl das Bikini-Atoll als auch Mururoa unbewohnt. Die Bevölkerung wurde jeweils vor den Tests umgesiedelt.

Christiane Gorse, Stand vom 12.11.2010

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