Der Yellowstone Nationalpark

Rocky Mountains

Der Yellowstone Nationalpark

Die 22 Nationalparks der Rocky Mountains haben nicht nur eine äußerst vielseitige Flora und Fauna aufzuweisen, jeder Park hat auch seinen eigenen Charakter. Ein Highlight ist der Yellowstone Nationalpark im amerikanischen Teil der Rockies. Fauchende Geysire, heiße Quellen und blubbernde Schlammtöpfe sind nur einige der Naturattraktionen, die die Besucher bewundern können. Auch Bären, Wölfe und die fast ausgerotteten Bisons sind hier wieder anzutreffen.

Der älteste Nationalpark der Welt

Regenbogen im Yellowstone Nationalpark.

Naturschauspiel im ältesten Natonalpark der Welt

Der Trapper John Colter war vermutlich der erste Weiße, der das Gebiet des heutigen Yellowstone Parks im Jahre 1807 entdeckte. Bis zu diesem Zeitpunkt war dieser schwer zugängliche Teil der Rocky Montains vor allem "Indianerland". Verschiedene Stämme wie die Shoshonen und Blackfoot-Indianer durchstreiften das Gebiet auf der Suche nach Nahrung. Die amerikanischen Siedler und Goldsucher hatten sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch nicht in den Westen des riesigen Landes vorgewagt. Das lag unter anderem daran, dass die Rocky Mountains eine schwer zu überwindende Barriere darstellten. Daher war es kein Wunder, dass Colters Landsleute seinen Berichten über die Naturschönheiten des Yellowstones kaum Beachtung schenkten.

Erst 1871, mehr als 60 Jahre später, glückte dem Geologen Ferdinand von Hayden eine zweijährige Forschungsreise in das bergige Gebiet. Die Bilder und Berichte, die Ferdinand von Hayden von seiner Expeditionsreise mitbrachte, beeindruckten den damaligen Präsidenten Ulysses S. Grant in Washington so sehr, dass er am 1. März 1872 den ersten Nationalpark der Welt gründete. Der Yellowstone ist aber nicht nur der älteste Nationalpark der Welt, sondern mit einer Fläche von 8987 Quadratkilometern auch der größte Nordamerikas. Zum Vergleich: Die Mittelmeerinsel Korsika ist fast genauso groß.

Blick auf den dampfenden 'Beauty Pool', eine heiße Quelle im 'Upper Geyser Basin' im Yellowstone National Park.

Eine der zahlreichen Attraktionen: der "Beauty Pool"

Der "Löwenanteil" der Parkfläche entfällt auf den heutigen US-Staat Wyoming. Nur drei Prozent liegen im Bundesstaat Montana, ein Prozent in Idaho. Der "Eagle Peak" ist der höchste Gipfel des Nationalparks mit 3462 Metern, der tiefste Punkt liegt auf 1620 Metern Höhe. Seinen Namen verdankt der Park dem Yellowstone River, dem größten Fluss in dem Gebiet. 1978 erklärte die Unesco den Yellowstone Nationalpark zum Weltnaturerbe.

Geysire und heißen Quellen - Vulkanismus im Yellowstone

Das Besondere im Yellowstone sind seine einzigartigen heißen Quellen, Geysire und Schlammtöpfe. Mehr als 10.000 geothermische Quellen hat der Yellowstone zu bieten, davon gut 300 Geysire. Der berühmteste ist der "Old Faithful". Früher konnte man nach ihm die Uhr stellen, heute spuckt er seine Wasserfontäne mit einer relativen Regelmäßigkeit alle 60 bis 90 Minuten aus.

Ursache für alle vulkanologischen Erscheinungen ist eine immer noch aktive Magmakammer in 80 bis 120 Kilometer Tiefe unter dem Yellowstone-Gebiet - ein sogenannter "Hot Spot" (heißer Fleck). Diese Energie bewirkt, dass Magma in einem dynamischen System - ähnlich einem Paternoster - in die Erdkruste aufsteigt. Das heiße Magma füllt sich in einer riesigen Kammer unter der Erdkruste an. Ist diese Kammer bis zum Rand gefüllt, drückt das Magma die darüberliegenden Schichten nach oben. Die Folge: Die Erdkruste reißt auf, die Magmakammer entlädt sich in einer gewaltigen Explosion. Danach stürzt das Dach der leeren Magmakammer ein und bildet einen Einsturztrichter, eine sogenannte Caldera.

Eine solch gewaltige Explosion fand im Yellowstone Park vor rund 600.000 Jahren statt. Nach dem Einsturz füllte sich die Caldera erneut mit Magma und es entstand eine flache Landschaft, deren Untergrund bis heute stark überhitzt ist. Diese Überhitzung ist die Ursache für alle hydrothermalen Phänomene im Yellowstone, auch für die vielen heißen Quellen. Mineralien und Algen sind für ihre schillernde Farbenpracht verantwortlich.

Der Geysair 'Old Faithful' mit hoher Fontäne, die vom Wind leicht abgetrieben wird (Yellowstone Nationalpark in Wyoming, USA).

Ausbruch von "Old Faithful", einem Geysir im Yellowstone Park

Ein weiteres Phänomen sind die blubbernden und schmatzenden Schlammtöpfe, im Amerikanischen "mud pods" genannt. Sie bestimmen neben den zischenden Geysiren die Geräuschkulisse im Nationalpark. Diese "mud pods" sind ein Phänomen nachlassender vulkanischer Aktivität und entstehen durch Wassermangel. Verdampftes Grundwasser und Gase steigen an die Oberfläche und vermengen sich dort mit dem aschehaltigen Boden zu gurgelnden Schlammtöpfen.

Droht ein neuer Super-Vulkanausbruch?

Wissenschaftler befürchten, dass es im Yellowstone Park zu einer neuen Explosion wie vor 600.000 Jahren kommen könnte. Das hätte verheerende Auswirkungen für die ganze Menschheit. Große Teile der USA würden möglicherweise komplett verwüstet. Außerdem hätte ein derart gewaltiger Vulkanausbruch drastische Auswirkungen auf das globale Klima. Selbst im fernen Europa bekämen die Menschen die Klimaveränderungen zu spüren. Doch woraus schließen die Experten, dass ein neuer Ausbruch bevorstehen könnte? In den vergangenen Jahren sind zahlreiche neue heiße Quellen und Geysire im Yellowstone Park entstanden. Auch die Temperatur der Quellen steigt stetig an. Doch wann genau es im Yellowstone "knallen" könnte, können die Forscher nicht sagen. Die zeitlichen Dimensionen sind so gewaltig, dass dies bereits in 100 oder erst in 10.000 Jahren passieren könnte.

Nachbarschaftsverhältnisse - Tier und Mensch im Nationalpark

Neben den vulkanischen Phänomenen ist der Yellowstone für seine einzigartige Wildnis und artenreiche Tierwelt bekannt: Heute leben in den ausgedehnten Wäldern wieder zahlreiche Bisonherden, Grizzlys, Schwarzbären und Wolfsrudel. Doch das war nicht immer so. Das Nebeneinander von Tier und Mensch funktionierte nicht immer reibungslos.

Besonders hart getroffen hat es die großen Bisonherden im Yellowstone Park. Im Kampf gegen die Indianer begannen die Weißen im 19. Jahrhundert, die Bisonherden regelrecht abzuschlachten. Von den einst 50 Millionen auf dem amerikanischen Kontinent lebenden Büffeln überlebten bis 1883 nur noch etwa 1000 Tiere. Die Bisonherden bildeten für viele Indianerstämme die Nahrungsgrundlage. Ohne deren Fleisch, Fell und Horn konnten sie nicht überleben - das wussten die weißen Siedler zu nutzen.

Bisone stehen auf einer bräunlichen kurzen Graslandschaft, bei ihnen ist ein junges Kalb.

Werden wieder bejagt: Bisons im Yellowstone

Heute leben wieder rund 3500 Bisons im Yellowstone Nationalpark. Doch ihnen droht neue Gefahr durch die Farmer. Schuld ist ein Virus, mit dem einige im Park lebende Bisons befallen sind. Brucellose führt zu Totgeburten von Kälbern. Die in der Umgebung des Nationalparks lebenden Farmer befürchten daher, dass das gefährliche Virus auf ihre Rinder überspringen könnte. Denn die Bisons halten sich nicht immer exakt an die Grenzen des Nationalparks. Vor allem in den Wintermonaten steigen die Futter suchenden Herden aus den Rocky Mountains auf die Rinderweiden in den Ebenen von Montana herab. Außerhalb des Parks sind die Bisons jedoch nicht mehr geschützt und zum Abschuss freigegeben.

Autor/in: Sandra Kampmann

Stand: 14.05.2014, 13:00