Nikolaus Kopernikus - Begründer des heliozentrischen Weltbildes

Sonne

Nikolaus Kopernikus - Begründer des heliozentrischen Weltbildes

Dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt, ist eine Erkenntnis, die durchaus nicht selbstverständlich ist. Wir haben sie dem Mediziner, Kirchenrechtler und Astronomen Nikolaus Kopernikus zu verdanken, der im 16. Jahrhundert für den Umsturz eines ganzen Weltbildes sorgte.

Wer umkreist nun wen?

Das zeitgenössische Porträt zeigt den Astronomen Nikolaus Kopernikus mit einem astronomischen Instrument.

Nikolaus Kopernikus

Also: Die Erde ist nur ein Planet unter mehreren und bewegt sich um die Sonne herum. So besagt es das heliozentrische Weltbild, so sehen wir es heute und - so sah es Kopernikus: Die Sonne steht im Mittelpunkt! Zu Kopernikus Zeiten wurde seine Theorie erst zur Sensation, als sie der Bannstrahl der Kirche traf.

In einem der spektakulärsten Kirchenprozesse der Geschichte setzte die katholische Kirche sein Buch auf den Index verbotener Schriften und verfolgte Gelehrte, die sich damit identifizierten. So "gefährlich" erschienen Kopernikus' Erkenntnisse. Die Kirche brauchte 200 Jahre, um seine Schriften erst 1835 wieder vom Index zu nehmen.

'De revolutionibus orbium coelestium' - Über den Umschwung der Himmelskreise

Im März 1543 wurde in Nürnberg das epochale Werk "De revolutionibus" des Nikolaus Kopernikus gedruckt. Er selbst überlebte die Veröffentlichung seines Hauptwerkes nur um zwei Monate und starb am 24. Mai 1543 an den Folgen eines Schlaganfalls. Zumindest gesehen und berührt haben soll er sein Buch noch.

Kopernikus wurde im Dom zu Frauenburg beerdigt, seine Grabstätte ist heute nicht mehr auffindbar. Sein Buch, seine Theorien jedoch haben überlebt. Sie werden als der Beginn der Neuzeit angesehen und bilden den Auftakt zu einer wissenschaftlichen Revolution, deren Vollendung erst Johannes Keppler, Galileo Galilei und Isaac Newton zukam.

Kindheit und Jugend

Zeitgenössischer Kupferstich von Nikolaus Kopernikus.

Nikolaus Kopernikus

Nikolaus Kopernikus schuf die Grundlagen der modernen Astronomie. Er kam als Sohn eines aus Krakau stammenden Kaufmanns 1473 in Thorn zur Welt, einem Ort in Westpreußen, im heutigen Polen. Zusammen mit einem älteren Bruder und zwei jüngeren Schwestern wuchs er in einem stattlichen Kaufmannshaus auf. Sein Vater starb, als Nikolaus zehn Jahre alt war. Fortan übernahm der Onkel Lukas Watzenrode die Erziehung, der später Bischof von Ermland wurde.

Über Kopernikus` Kindheit und Jugend ist wenig bekannt. Mit 18 ging er drei Jahre nach Krakau, an eine der damals bekanntesten Universitäten Europas. Vielleicht kam Kopernikus schon hier mit den Grundlagen der Sternenkunde in Kontakt. Auf jeden Fall studierte er hier die 'sieben freien Künste' als Vorbereitung auf die höheren Fakultäten Medizin, Jura oder Theologie.

Ein Domherr im Ausland: Bologna...

Nach dem Krakauer Aufenthalt sollte Kopernikus mit Hilfe seines Onkels Domherr beim ermländischen Kapitel Frauenburg werden: Eine höchst einträgliche Stellung auf Lebenszeit. Die Kopernikus nicht gleich antreten mochte - und erst einmal für Studienzwecke nach Italien entschwand. Allerdings war ein höherer Abschluss auch Voraussetzung für das Amt des Canonicus.

So gewährte das Domkapitel Kopernikus noch einen Studienaufenthalt an der Universität Bologna. Dort studierte er Kirchenrecht - und nebenbei Astronomie. Wobei er sich schnell vom Studenten zum Assistenten des Domenicus Maria di Novara entwickelte und von ihm in den Gebrauch astronomischer Instrumente eingewiesen wurde.

Rom, Padua, Ferrara

Auf das Studium in Bologna folgte ein Jahr Aufenthalt in Rom. Was Kopernikus dort gemacht hat, ist nicht bekannt. Man nimmt an, dass er in Rom in intellektuellen Kreisen verkehrte - vielleicht war es eine Art Bildungsurlaub. Anschließend studierte Nikolaus Kopernikus im Auftrag des Domkapitels noch Medizin in Padua, um dem "ehrwürdigen Herrn Bischof und den Kapitelbrüdern" als Arzt dienen zu können. Einen Abschluss in Medizin erlangte er jedoch nicht, sondern promovierte in Ferrara zum Doktor des Kirchenrechts.

Und nun?

Zwölf Jahre hatte Kopernikus nun auf Kosten des Frauenburger Domkapitels studiert: Freie Künste, Medizin, Kirchenrecht. Doch nicht wenig Zeit hatte er seiner Lieblingswissenschaft, der Astronomie, gewidmet. Er sollte sie nie hauptberuflich ausüben. Irgendwann wurden die Kirchenherren ungeduldig und beriefen ihren ständig abwesenden Canonicus zurück.

Statt nun sein Amt endlich auch anzutreten, wurde er nach seiner Rückkehr aus Italien erst einmal für sieben Jahre Sekretär, Leibarzt und ständiger Vertrauter seines Onkels, des Bischofs. Um 1510 arbeitete er dann als Domherr und in der Verwaltung des Domkapitels. Parallel widmete er sich kontinuierlich seinen astronomischen Studien, die bereits um 1514 zu ersten konkreten Ergebnissen führten.

"Sehr viel Angreifbares"

Kopernikus hatte längst begonnen, an den damals herrschenden Vorstellungen der Himmelskunde zu zweifeln. Allerdings schaute er nicht permanent nach oben. Kopernikus Leidenschaft galt auch der Theorie und der Philosophie, er dachte über die Drehung des Firmaments nach, setzte sich mit dem geozentrischen Weltsystem des Ptomlemäus und dessen Vorgängern auseinander. Und befand: "Sehr viel Angreifbares".

Er suchte nun nach einer Möglichkeit, die am Himmel beobachteten, scheinbar ungleichförmigen Planetenbewegungen auf gleichförmige Kreisbewegungen dieser Körper um die Sonne herum zurückzuführen. Schließlich mündet seine Arbeit in der Erkenntnis: Alle Bahnkreise umgeben die Sonne, die auch den Mittelpunkt der Welt bildet. Alle Bewegungen am Himmel rühren daher, dass sich die Erde einmal pro Jahr um die Sonne und einmal pro Tag um die eigene Achse dreht. Seine erste heliozentrische Arbeitshypothese verteilte Kopernikus jedoch nur unter seinen Freunden.

Kaum Zeit für die Astronomie?

An die 30 Jahre feilte und forschte Kopernikus an seiner Theorie. Dass es nicht schneller ging, lag vielleicht auch an seinen zahlreichen Aufgaben als Domherr. Ab 1520 wurde er dreimal zum Kanzler des Kapitels berufen, außerdem befasste er sich mit der Reform des preußischen Münzwesens.

Abgesehen davon waren es unruhige Zeiten und Kopernikus hatte sich mit dem Zustand der Verteidigungswaffen des Schlosses Allenstein zu beschäftigen. Dies lag im Angriffsbereich des Deutschen Ordens und war immer wieder von Überfällen bedroht. Aber Kopernikus scheute wohl auch die Veröffentlichung seines Hauptwerks, vielleicht aus Sorge, als Mann der Kirche ebendieser eine Angriffsfläche zu bieten. Auf jeden Fall war er äußerst vielbeschäftigt und nicht minder vorsichtig.

In der Mitte hat die Sonne ihren Sitz

Darstellung des Weltsystems des Kopernikus von 1510.

"Die Sonne gleichsam auf königlichem Thron sitzend..."

Erst kurz vor seinem Tod erklärte sich Kopernikus bereit, die fertige Theorie in ihrer Gesamtheit zu veröffentlichen: 'De revolutionibus orbium coelestium' oder 'Die Umschwünge der himmlischen Kugelschalen'. In 14 Kapiteln entwickelte er darin sein Weltmodell.

Erstmals wurde das neue Weltsystem, in dem die Erde nicht mehr das Zentrum des Universums ist, in einer mathematisch geschlossenen Form dargestellt. Aber es war nicht nur ein astronomisches Modell, wie aus Kopernikus' eigenen Worten deutlich wird: "In der Mitte von allen aber hat die Sonne ihren Sitz. Denn wer möchte sie in diesem herrlichen Tempel als Leuchte an einen anderen oder gar besseren Ort stellen, als dorthin, von wo aus sie das Ganze zugleich beleuchten kann? So lenkt die Sonne gleichsam auf königlichem Thron sitzend, in der Tat die sie umkreisende Familie der Gestirne...".

Mehr als nur eine neue Sicht der Welt!

Das war revolutionär! Es war der Umsturz des herrschenden Weltbildes! Allerdings gab das Modell der Kreisbahnen die tatsächlich beobachteten Planetenbewegungen nicht exakt wieder. Irgendwo steckte noch ein Fehler. Erst Keppler gelang es, die Schwachstelle zu beseitigen. Er erkannte, dass die Planeten nicht auf Kreisbahnen sondern auf Ellipsen um die Sonne ziehen. Die Kopernikanische Lehre war nicht nur eine neue Sicht der Welt, sondern sehr viel mehr: Sie veränderte das Bewusstsein der Menschheit.

Autorin: Barbara Siemes

Stand: 16.01.2013, 06:00

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