Wildtiere in Deutschland

Wildtiere

Wildtiere in Deutschland

Über Jahrhunderte hinweg hat der Mensch in Deutschland wilde Tiere gejagt und erbarmungslos zurückgedrängt, bis sie völlig von der Bildfläche verschwunden waren. Große Raubtiere, wie Wolf, Bär oder Luchs, sind die prominentesten Beispiele. Von kleineren Tierarten wie dem Weißrückenspecht hat kaum jemand Notiz genommen. Doch langsam erobern sich lange Zeit verschwundene Arten ihren Lebensraum in unseren Gefilden zurück.

Zwischen Freude, Angst und Konkurrenzdenken

Ein Luchs ruht sich auf dem Boden liegend aus.

Scheuer Einzelgänger: der Luchs

Mit zum Teil groß angelegten Artenschutzprojekten ist es Naturschützern gelungen, Tierarten wie Uhu, Bartgeier, Biber oder Luchs in ihre ursprüngliche Heimat zurückzuholen. Doch es gibt auch Tiere, die von ganz alleine wieder zurückkehren, ohne dass der Mensch die Hand im Spiel hat. Vögel wie der Schwarzstorch, der Kranich oder der Weißrückenspecht finden bei uns wieder alles, was sie zum Leben brauchen.

Ende gut, alles gut? Leider nicht. Denn mit den Tieren kommen auch Probleme. Je größer und hungriger die Wildtiere sind, umso größer sind unsere Bedenken. Die zurückgekehrten Wildtiere begeben sich in ein Spannungsfeld zwischen Freude, Angst und Konkurrenzdenken.

Die Umweltbedingungen in Deutschland haben sich im Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert. Wasserläufe, einst aufwendig begradigt, werden nach und nach renaturiert. Biotope entstehen, Natur- und Artenschutzprojekte haben Hochkonjunktur. Auch die Jagd ist reguliert. Die Tiere werden nicht mehr systematisch von Menschenhand dezimiert. Die Lebensbedingungen haben sich also für viele Tierarten verbessert, sodass sie sich nach langer Abwesenheit wieder bei uns ansiedeln können.

Unbekannte Flugobjekte

Seeadler im Flug beim Greifen der Beute.

Auch der Seeadler gilt als "Konkurrent"

Noch in den 1970er Jahren war der Anblick eines Kormorans in Deutschland eine regelrechte Sensation. Der Mensch hatte den Kormoran erbittert verfolgt und nahezu ausgerottet. Als Fischfresser galt er als Nahrungskonkurrent, ebenso wie der Seeadler, der Fischadler oder der Eisvogel.

Erst mit der Vogelschutzrichtlinie der Europäischen Union (EU) von 1979 dürfen Kormorane nicht mehr gejagt werden. Seit der Mensch die intensive Verfolgung eingestellt hat, konnten sich die Bestände langsam wieder erholen.

Der schwarze Vogel lässt sich gerne an großen Flüssen und Binnenseen nieder. Hier findet er genug Nahrung. Mittlerweile gibt es in Deutschland mehr als 20.000 Brutpaare - und auch schon wieder Stress mit dem Menschen. Das alte Konkurrenzdenken flackert auf: Es geht, wie damals schon, um den Fisch.

Gerade bei den Vögeln kommen mehr und mehr Arten von alleine wieder nach Deutschland zurück. Sie erobern sich einen festen Lebensraum, weil sie ausreichend Platz, Ruhe und ein gutes Nahrungsangebot finden. Der Schwarzstorch kehrt allmählich aus Osteuropa zurück. In fast allen Bundesländern haben sich wieder Brutpaare angesiedelt. Überall wo es uhige und naturbelassene Waldgebite gibt, fühlt sich der scheue Vogel wohl.

Auch der Dreizehenspecht und der Weißrückenspecht sind wieder bei uns vertreten. An ihnen zeigt sich, dass auch die heftigen Stürme, die ganze Waldstücke niederreißen, ihre guten Seiten haben. Im Totholz vermehren sich die Borkenkäfer, die eine Leibspeise der Spechte sind.

Naturschützer fürchteten lange Zeit um Kraniche und Seeadler, die akut vom Aussterben bedroht waren. Mittlerweile gibt es wieder einige Seeadler in Mecklenburg-Vorpommern und in der Oberlausitz. Und auch die Kraniche erobern wieder neues Terrain. In Ost- und Nordeuropa wurden ihre Bestände nie so stark dezimiert wie bei uns. Auch die Umwelt hat sich dort weniger stark verändert. Jetzt haben sich die Kraniche so stark vermehrt, dass sie sich neue Lebensräume in Deutschland erschließen.

Neue alte Heimat im deutschen Wald

Auch einige große Wildtiere kehren zurück. Wolf, Bär, Luchs und sogar der Elch streifen bisweilen durch deutsche Wälder. Vereinzelt konnten Naturschützer diese Tiere seit den 1990er Jahren beobachten. Begegnen werden Spaziergänger und Wanderer den scheuen Tieren kaum.

Der Luchs macht sich beispielsweise so rar, dass sich sein Bestand in Deutschland schlecht schätzen lässt. Einige Exemplare leben heute in verschiedenen Regionen der Eifel, im Bayerischen Wald, im Pfälzer Wald, im Schwarzwald und im Nationalpark Harz. Viele der Tiere stammen aus Wiederansiedlungsprojekten. Aber sie kamen auch von sich aus zu uns, vermutlich aus Tschechien, der Schweiz und Frankreich.

Wölfe gibt es nur wenige in Deutschland. Aber es gibt sie. Mitte der 1990er Jahre wurde der erste Wolf auf deutschem Terrain gesichtet. Wahrscheinlich ist er aus Polen gekommen. In der Lausitz in Ost-Sachsen siedelten sich kurze Zeit später die ersten beiden deutschen Wolfsrudel mit 20 bis 25 Tieren an.

Vereinzelt sind Wölfe auch in Brandenburg und im Bayerischen Wald beheimatet. In Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und sogar in Hessen sind vermehrt Tiere gesichtet worden. Anfang 2015 sollen schon rund 35 Wolfsrudel in Deutschland leben.

Ein Braunbär steht auf einem Felsen zwischen jungen Nadelbäumen.

Sind Braunbären "Problembären"?

Auch der Braunbär war einst in unseren Wäldern zu Hause. Als Nahrungskonkurrent wurde er gnadenlos gejagt - nicht nur in Deutschland, auch in anderen europäischen Ländern. Zudem verschwanden große Waldflächen durch Rodungen.

In Ländern wie Rumänien, Schweden, Slowakei, Kroatien oder Bulgarien gibt es auch heute noch frei lebende Bären. Einige wenige sind auch in Italien, Österreich und der Schweiz zu Hause. Bär Bruno ist von Norditalien aus über Österreich nach Deutschland eingewandert.

Eine imposante Erscheinung

Ein Elch steht grasend auf einer Wiese.

Auch Elche werden wieder gesichtet

Mit einer Schulterhöhe von bis zu zwei Metern ist der Elch eine imposante Erscheinung. Seit Kriegsende war er aus den hiesigen Wäldern verschwunden. Mittlerweile sind mehrere Elche im Osten Deutschlands gesehen worden. Wahrscheinlich sind sie aus Polen oder den baltischen Staaten eingewandert.

In einigen Gegenden könnten sie sich auch bei uns wieder ansiedeln, sind sich Naturschützer sicher. Elche sind gute Schwimmer und mögen sumpfiges, wasserreiches Gelände, wie es zum Beispiel in Brandenburg, in Mecklenburg-Vorpommern oder im Bayerischen Wald zu finden ist.

Vor allem diese großen Wildtiere brauchen auch große Regionen und verkehrsarme Räume, in denen sie sich gut bewegen können sowie ausreichend Wasser und Schutz finden. Solche Gebiete bieten nur noch wenige Bundesländer.

Zudem scheitern in vielen Regionen Deutschlands die Wanderbewegungen der Wildtiere – und damit ihre Ausbreitung – an den vielen Straßen und Autobahnen, die ihren Lebensraum zerschneiden.

Autorin: Andrea Wengel

Stand: 11.05.2016, 15:21

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