Mathias Mester - Weltmeister mit 1,42 Meter
Groß sein für den Fußball
Der selbstbewusste und aufgeschlossene Mester hat seine Behinderung schon immer akzeptiert: "Ich kenne es ja nicht anders, fühle mich wohl so." Seine Eltern und auch die Geschwister sind normalwüchsig. Warum gerade er so klein geblieben ist, war für ihn nie eine Frage. Die Eltern haben ihn nie mit Samthandschuhen angefasst, seine Behinderung nicht in den Mittelpunkt gestellt. Bei den Gleichaltrigen war er schnell integriert, "ich habe oft gar nicht gemerkt, anders zu sein". Die Sehnsucht nach einer Durchschnittsgröße hat er als Kind trotzdem verspürt, aber nur aus einem einzigen Grund, wie er betont: "Ich wollte groß sein, um Fußballprofi werden zu können."
Von klein auf hat Mester mit den anderen, den normal großen Kindern, auf dem Platz gekickt, merkte aber irgendwann, dass er aufgrund seines Kleinwuchses nicht so konnte, wie er wollte: "Ich musste viel mehr Schritte machen als die anderen, mit Zweikämpfen hatte ich meine Probleme, vom Kopfball ganz zu schweigen." Dieses Manko konnte Mathias Mester auch mit seiner perfekten Technik nicht wettmachen - ganz anders beim Behindertensport: Hier kann er, wie er will und ist damit seit Beginn seiner Leichathletenlaufbahn sehr erfolgreich.
Wettkampf auf Augenhöhe
"Im Behindertensport kann ich mich endlich auf Augenhöhe messen." Gegen andere Kleinwüchsige zu starten, gefällt ihm, spornt ihn an: "Ich war schon immer sehr ehrgeizig, muss mich beweisen." In Leverkusen findet der Sportler optimale Bedingungen vor. Seine Trainerin ist Speerwurf-Ikone Steffi Nerius. Mester ist stolz, von einer Frau trainiert zu werden, die selbst schon Weltmeisterin war und olympisches Silber gewonnen hat. Er selbst konnte bereits paralympisches Silber erringen, 2008 in Peking. Mester spricht gerne von dem unglaublichen Gefühl, dabei gewesen zu sein "bei der Eröffnungsfeier vor 91.000 Zuschauern einzulaufen und im Wettkampf vor ausverkauftem Haus anzutreten". Doch sein größtes sportliches Ziel verliert er nie aus den Augen, die Goldmedaille bei den Paralympics. Steffi Nerius ist vor allem von der enormen Explosionskraft des kleinen Mannes beeindruckt und ist überzeugt, dass in ihm noch jede Mengen Reserven stecken.
Sein Motto: "Höher, schneller und vor allem: weiter"
Mester, ehrgeizig und optimistisch wie er ist, konzentriert sich ganz auf die sportlichen Erfolge, die er unbedingt noch erreichen möchte. Dabei hat er in seiner relativ kurzen Leichtathletiklaufbahn bereits Rekorde am laufenden Band verbuchen können. Bereits ein Jahr nach seinem Einstieg in den Behindertensport gewann er bei der Juniorweltmeisterschaft 2006 in seinen drei Disziplinen - Kugelstoßen, Speerwurf und Diskuswerfen - die Goldmedaille. Ein Jahr später wurde er wieder Weltmeister in allen drei Disziplinen, diesmal aber als Senior. 2008 stieß er bei den Paralympics in Peking die Kugel so weit, dass eine Silbermedaille dabei heraussprang und 2009 schließlich holte er bei der Weltmeisterschaft im indischen Bangalore zweimal Gold und einmal Silber.
Geehrt und ausgezeichnet
Mesters sportliche Erfolge sind sicher nur ein Grund dafür, dass sich der kleinwüchsige Sportler auch mit anderen Auszeichnungen schmücken kann. Sein gewinnendes und positives Wesen sind nicht weniger verantwortlich für die Popularität des Sportlers. "Viele Kleinwüchsige sagen, sie sind stolz mich zu kennen, durch den Sport habe ich wohl eine Art Vorbildfunktion eingenommen", bemerkt er mit bescheidenem Unterton. 2007 wurde er zum Behindertensportler des Jahres gekürt. Dem folgte der Sonderpreis beim "Felix-Award", der offiziellen Auszeichnung des Landessportbundes und des Innenministeriums Nordrhein-Westfalens für herausragende sportliche Leistungen.
Im Jahr 2008 wurde Mester gleich zweimal Ehre zuteil: Der Bundespräsident verlieh ihm das Silberne Lorbeerblatt, die höchste staatliche Auszeichnung für sportliche Spitzenleistung in Deutschland. Zudem war Mathias Mester 2008 in seinem Heimatland Nordrhein-Westfalen Sportpersönlichkeit des Jahres im Behindertensport und 2009 Sportler des Jahres in seinem Heimatkreis Coesfeld. Man darf gespannt sein, mit welchen Auszeichnungen der kleine Mann in Zukunft noch gekürt werden wird.
Mathias Mester - im Sport ein "Großer" (1'40')
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Auf dem Boden geblieben
Trotz all seiner sportlichen Erfolge und Auszeichnungen ist Mester erstaunlich geerdet. Wenn er in Leverkusen nicht gerade trainiert, etwa sechsmal pro Woche bis zu dreieinhalb Stunden, arbeitet er wie jeder andere auch. Der gelernte Bauzeichner macht bei Bayer eine zweite Ausbildung zum Bürokaufmann. Diese Arbeit kann er perfekt mit seinen sportlichen Ambitionen in Einklang bringen und bei "so einem Bürojob kommt es ja nicht auf die Körpergröße an". Er wohnt und arbeitet ganz in der Nähe seines Trainingszentrums. Sooft er kann, fährt Mester in seine Heimat Goxel, ein 1400-Seelen-Dorf bei Coesfeld: "Meine Familie ist mir sehr wichtig, und auch meine alten Freunde möchte ich nicht vernachlässigen." In seinem Heimatdorf hat der erfolgreiche Sportler nicht nur seine Wurzeln. Hier hat er auch sein großes Selbstbewusstsein und seine positive Lebenseinstellung entwickeln können - das vergisst er wohl nie.
Melanie Kuss, Stand vom 22.09.2010
Sendung: Zu klein, zu groß!? Menschen weit ab der Norm, 22.09.2010








