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Insektenfressende Schönheit

Sie ist der Inbegriff der fleischfressenden Pflanze, ein wenig gruselig, aber auch faszinierend: die Venusfliegenfalle. Zwar wächst die insektenfressende Schönheit hierzulande nur im Blumentopf. In Sachen Bekanntheit hat sie ihre deutschen Verwandten wie Sonnentau, Fettkraut oder Wasserschlauch aber längst hinter sich gelassen.

Pech für eine Fliege, wenn sie, angelockt durch glitzernde Tropfen, in die Fänge einer Venusfliegenfalle gerät: In Sekundenbruchteilen klappen die beiden Fangblätter zu, das Insekt sitzt in der Falle. An den Blatträndern und in der Blattmitte der Fliegenfalle befinden sich Borsten. Damit kann die Pflanze neben Fliegen auch Spinnen, Ameisen und sogar Wespen fangen. Diese Nahrung braucht sie zur Ergänzung ihrer Stickstoffversorgung, die an ihrem naturgemäß nährstoffarmen Standort in den Mooren Nord- und Süd-Carolinas im Osten der USA eher mager ausfällt.

Venusfliegenfalle mit Fliege. (Rechte: WDR)

Reaktionsschnell: die Venusfliegenfalle

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Die Venusfalle kann bis zu 30 Zentimeter hoch werden und besticht optisch durch die bisweilen sogar rötlich gefärbten Blattinnenseiten. Ihre im Frühjahr wachsenden Blüten sind weiß, klein und sitzen auf sehr langen Stängeln - das verhindert, dass auch die Bestäuber zwischen die Fangblätter geraten. Eine kleine Anekdote verbindet sich mit ihrem lateinischen Namen "Dionaea muscipula", übersetzt etwa "Diones Mausefalle". Dione ist die Mutter der griechischen Göttin Aphrodite, die der römischen Liebesgöttin Venus entspricht. Bei der Bezeichnung der Art ist dem Botaniker offenbar ein Fehler unterlaufen: Statt muscicipula (Fliegenfalle) nannte er sie muscipula (Mausefalle).

Ausgeklügelter Fangmechanismus

Woher "weiß" die Pflanze, dass das, was gerade ihre Borsten berührt, eine Fliege ist und kein Regentropfen oder vorbeifliegendes Blatt? Die Berührungsborsten auf den Blattinnenseiten reagieren erst, wenn sie innerhalb von etwa 30 Sekunden zweimal berührt werden, etwa durch ein zappelndes Insekt. Klappt dann die Falle zu, geschieht das blitzschnell durch eine gezielte Veränderung des Flüssigkeitsdrucks in Stiel und Blättern. Die Borsten an den Blatträndern versperren nun wie Gitterstäbe den Ausweg.

Eiweißrezeptoren prüfen, ob es sich bei der Beute tatsächlich um ein Insekt handelt. Ist das der Fall, schließen sich die Blätter immer fester um das Tier, das dadurch oft zerquetscht wird. Zugleich treten aus vielen kleinen Drüsen Verdauungsenzyme aus, die die Beute zersetzen. Die dabei freiwerdenden Nährstoffe nimmt die Pflanze über das Blatt auf. Nach drei bis zehn Tagen öffnet sich die Falle wieder. Von dem Insekt ist nur die unverdauliche Chitinhülle zurückgeblieben, die von Wind oder Wasser fortgetragen wird. Nach einigen Tagen sind die Fühlborsten wieder sensibel: Die Falle wartet auf das nächste Opfer.

Fangblatt einer Venusfliegenfalle. (Rechte: WDR)

Die Venus mag es hell

Vergrößern

In der Natur beinahe ausgerottet

An ihrem natürlichen Verbreitungsort in den Vereinigten Staaten wurde die Venusfliegenfalle von Sammlern fast ausgerottet. Ihrer Beliebtheit wegen wird sie jedoch erfolgreich in spezialisierten Gärtnereien durch Samen, Blattstecklinge oder am schnellsten durch Teilung vermehrt. So existieren in angelegten Kulturen mittlerweile mehr Exemplare als in der freien Natur.

Wer zu Hause eine Venusfliegenfalle halten möchte, kann dies in einem normalen Blumenkübel tun. Das richtige Erdgemisch besteht aus Sand und ungedüngtem (!) Torf über einer Drainageschicht aus Tongranulat oder Kieselsteinen. Bei der Luftfeuchtigkeit streiten sich Hobbygärtner und Experten. Manche behaupten, die normale Luftfeuchtigkeit sei ausreichend. Andere hingegen sind der Meinung, die Pflanze braucht eine Luftfeuchtigkeit von etwa 80 Prozent. Hier kommt es auf einen Selbstversuch an. Nichts ist jedoch schlimmer für die Pflanze als trockene Heizungsluft, Dünger und Kalk. Gießen sollte man deshalb die Fliegenfalle mit kalk- und nährstoffarmem Regenwasser. Außerdem liebt sie es hell, die Blätter benötigen viel Licht, um ihre rote Farbe zu entwickeln. Ab Oktober geht die Venusfliegenfalle in Winterruhe. Am besten stellt man sie dazu an einen kühlen Ort, an dem sie keinem starken Frost ausgesetzt ist. Während der Winterruhe bekommen die Pflanzen schwarze Blätter. Sie sollten regelmäßig entfernt werden, damit sich kein Schimmelpilz einnisten kann.

Ernährungstipps für die Venusfalle

Braucht die Wohnzimmer-Venusfalle regelmäßig ihre Fliegen? Nein, die Pflanze ist an nährstoffarme Böden angepasst und benötigt in der Regel keine Zufuhr von Insekten. Da es aber ungemein faszinierend ist, der Pflanze beim Insektenfang zuzusehen, kann man ihr hin und wieder auch eine kleine Fleischeinlage bieten. Aber bitte nur lebende Insekten verfüttern, keine Essensreste oder Ähnliches. Das häufige Spielen mit ihren Blättern sollte man sich verkneifen, denn jedes Blatt kann sich nur etwa sieben bis zehnmal öffnen und schließen. Dann ist der Mechanismus erschöpft und die Pflanze muss neue Blätter bilden.

Rita Gudermann, Stand vom 01.06.2009

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Bildcollage zum Thema Pflanzen (Rechte: WDR)

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