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Eulen und Käuze

Aufgrund ihrer nächtlichen Lebensweise und den damit verbundenen Fähigkeiten haben Eulen für uns Menschen schon immer eine besondere Rolle gespielt. Unser Verhältnis zu ihnen ist durchaus ambivalent: Die alten Griechen zum Beispiel schätzten die heimlichen Vögel. Als Attribut der Göttin Athene stand der Steinkauz für Weisheit und Bildung, sein Abbild zierte Münzen. Auf der anderen Seite rankt sich so mancher Aberglaube rund um die Nachtvögel.

Eine Schleiereule sitzt auf einem Ast und hält eine Maus im Schnabel. (Rechte: dpa)

So mancher Aberglaube rankt sich um die Nachtvögel

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Totenvogel und "wilde Jagd"

Bereits im antiken Rom glaubte man, dass der Eulenruf den nahen Tod eines Menschen voraussagt. Und auch im Mittelalter galten Eulen als "Totenvögel": Der kuwitt-Ruf des Wald- und auch des Steinkauzes, der wegen der vom Kerzenlicht angelockten Insekten so manches Haus umflog, in dem eine nächtliche Totenwache stattfand, wurde als “Komm mit“ (ins Jenseits) gedeutet. Das Heulen des häufig vorkommenden Waldkauzes und der als “Hohnlachen“ empfundene Balzgesang des männlichen Uhus (uhu uhu uhuhuhuhoho) galt vielen als "wilde Jagd", als nächtlich dahinstürmendes Geisterheer. Das Eulen-Image: Bringer von Seuchen und Unglück, Handlanger von Hexen und des Teufels - kein Wunder, dass man sich der Vögel am liebsten entledigen wollte. Noch im 20. Jahrhundert wurden lebende Eulen mit ausgebreiteten Flügeln an Scheunentore genagelt - viele Landbewohner glaubten, ihren Hof so vor Blitzschlag, Feuer, Hagel und Seuchen schützen zu können.

Kupferstich: Herodes Agrippa erblickt eine Eule und stirbt bald darauf (44. n.Chr.). (Rechte: AKG)

Die Eule als "Totenvogel"

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Ebenso dichtet man ihnen aber besondere Klugheit an, denn sie sehen aus wie ein Mensch mit Brille, bei dem man assoziiert, dass er viel liest und ebenso viel weiß. Deshalb findet man Eulen häufig dort als Wappentier oder Logo, wo es um Wissen geht - beispielsweise in Wappen von Schulen, Universitäten oder Verlagen wie der Universität des Saarlandes oder dem Ullstein-Verlag. In Büchern blickt die Eule von den früher oft gebrauchten Exlibris-Zeichen, womit der Besitzer stolz gezeigt hat, dass dieses Buch ihm gehört. Der gesichtshafte Ausdruck der Eule hat vor allem mit ihrem Schleier zu tun - das Federkleid am Kopf, das maßgeblich zum Erfolg der Jagd beiträgt.

Auch im antiken Athen war die Eule das Symbol für Weisheit. Aus dieser Zeit rührt die Redewendung “Das wäre wie Eulen nach Athen tragen“, die etwas Unsinniges, Überflüssiges zu tun meint. Die Griechen sind ihrer Eule bis heute treu geblieben und haben sie auf den griechischen Euro gedruckt.

Eine Sumpfohreule sitzt auf einer Wiese und betrachtet aufmerksam ihre Umgebung. (Rechte: dpa)

Eulen jagen nur nachts

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Nicht verwandt mit den Greifvögeln

Für den Naturfreund der Gegenwart sind Eulen wegen ihrer Lebensweise besonders interessante Tiere. Und neben dem, was uns an den Nachtvögeln subjektiv ungewöhnlich erscheint, verfügen diese noch über eine ganze Reihe von Merkmalen, die ihnen auch objektiv eine Sonderstellung zuweisen. Im Grunde besetzen Eulen die gleiche ökologische Nische wie Greifvögel - nur, dass sie im Gegensatz zu diesen in der Nacht jagen. Obwohl die Eulen viele äußerliche Merkmale, etwa scharfe Krallen und Hakenschnabel, mit Greifen wie Adler, Falke oder Habicht teilen, sind sie mit dieser Vogelgruppe entwicklungsgeschichtlich nicht unmittelbar verwandt. Es ist wohl die ähnliche Jagdweise, die während der Evolution zu dieser äußeren Übereinstimmung geführt hat.

Nächtliche Jäger mit scharfen Sinnen

Eulen haben sehr viele Sehzellen, Stäbchen auf der Netzhaut und nehmen bei schwachem Licht auch noch Beutetiere wahr. Ihre Augen sind sehr viel lichtempfindlicher als die des Menschen. Die Augen sind, anders als bei anderen Vögeln, nicht seitlich angebracht, sondern schauen nach vorne. Sie sind zudem unbeweglich, da der Augapfel "fest" mit dem Schädelknochen verwachsen ist. Dies führt zum typischen starren Eulenblick. Diesen Nachteil gleicht die Eule aber durch eine enorme Beweglichkeit des Kopfes aus. Ohne den Körper zu bewegen, kann eine Eule über die gegenüberliegende Schulter blicken. Sie vollbringt dabei eine Drehung von sagenhaften 270 Grad. Die Sehfelder beider Augen überlappen, was zu einem sehr guten Abschätzen von Entfernungen und zu dreidimensionalem Sehen führt.

Eulen sehen sehr gut räumlich. Deshalb können sie die Geschwindigkeit der Beute und die Entfernung zu ihr richtig einschätzen, was für eine erfolgreiche Jagd unabdingbar ist. Die Ohren sind bei Eulen schlitzartig und seitlich am Kopf angeordnet, bei vielen Arten liegt die rechte Ohröffnung etwas höher als die linke. Der Gesichtsschleier lenkt den Schall zusätzlich in Richtung Ohröffnungen und verstärkt ihn. So können Eulen ihre Beute sehr gut akustisch orten, verfügen über eine ausgezeichnete Raumorientierung. Weil die Empfindlichkeit ihres Gehörs in höheren Frequenzbereichen besonders stark ausgeprägt ist, kann eine Eule Mäuse auch noch unter einem halben Meter Schnee rascheln hören.

Ein Uhu im Flug. (Rechte: Mauritius)

Eulen haben eine große Spannweite der Flügel

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Geräuschlose Flieger mit Wendezehe

An den Füßen haben Eulen - im Gegensatz zu Greifvögeln - eine Wendezehe, das heißt sie kann sowohl nach vorne als auch nach hinten gedreht werden. Die Zeheninnenseiten haben Papillen, hornartige kleine Knötchen, mit denen die Tiere sicher tasten und greifen. Eulen können nahezu geräuschlos fliegen. Ihre Federn haben keine festen Kanten wie die anderer Vögel, sondern sie weisen eine Zähnelung auf. Die weichen, leicht ausgefransten Kanten und eine samtige Oberfläche des Gefieders dämpfen das Geräusch der sich aneinanderreibenden Federn und der Luft, die durch die Federn rauscht, fast gänzlich. Hinzu kommt eine relativ große Spannweite der Flügel, die den Nachttieren einen sanften Flug auf leisen Schwingen ermöglicht.

Verräterische Gewölle

Hauptbeutetiere der Eulen sind verschiedene Arten von Mäusen, besonders häufig jagen sie die relativ träge Wühlmaus. Daneben erbeuten sie auch andere Vögel, größere Eulen durchaus auch kleinere Eulenarten. Der mächtige Uhu hat sogar Tiere bis zur Größe eines Hasen oder eines Rehkitzes auf dem Speiseplan stehen; besonders gerne mag er Igel, die er geschickt aushöhlt, sodass nur die Haut mit den Stacheln übrig bleibt. Kleinere Eulenarten wie Zwergohreule oder Steinkauz ernähren sich auch von Würmern und Insekten. Was Eulen fressen, lässt sich vor allem anhand der Knochen in ihren Gewöllen, unverdaut wieder hervorgewürgten Fraßresten, erkennen. Im Gegensatz zu denen von Greifvögeln, findet man in Eulengewöllen viele Knochen, weil ihre Magensäure weniger konzentriert ist und die Reste der Beute nicht so stark zersetzt werden.

Ansitzjäger und Pirschjäger

Eulen kennen zwei verschiedene Jagdmethoden: Ansitz- und Pirschjagd. Arten, die im Wald leben, jagen von einem Ansitz aus. Auf die Pirsch fliegen Eulen, die in offenen Landschaften jagen. Die Beute wird dabei aus dem Flug heraus geortet. Bei beiden Jagdmethoden muss die Eule fliegen, um die Beute zu ergreifen. Dabei wird der Flug kurz vor dem Zupacken abgebremst, die Beine werden nach vorne gestreckt, die Zehen gespreizt. Die Eule tötet ihre Beute mit einem schnellen Biss.

Andreas Kohler und Almut Roehrl, Stand vom 31.08.2009
Sendung: Heimische Vögel in Gefahr, 31.08.2009

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