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Napoleons Erbe

Napoleon hinterließ nicht nur Schlachtfelder. Wenn auch mit Gewalt, sorgten seine Truppen dafür, dass das Erbe der Französischen Revolution in Europa verbreitet wurde. Planet Wissen stellt vor, was aus Napoleons Zeit bis heute geblieben ist.

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Zivilrecht

Das heutige Zivilrecht in Frankreich und auch das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) in Deutschland berufen sich auf Napoleons "Code civil". Der "Code Napoleon", wie er auch genannt wurde, stellte eines der bedeutendsten Gesetzeswerke der Neuzeit dar. Die von Napoleon eingesetzte Kommission um Jean-Jacques-Régis de Cambacérès setzte darin die in der Französischen Revolution formulierten elementaren Bürgerrechte fest, darunter den Grundsatz der Gleichheit aller vor dem Gesetz, den Schutz und die Freiheit des Individuums und des Eigentums sowie die Trennung von Kirche und Staat.

Einband einer Erstausgabe des "Code civil" von 1804 mit dem Wappen von Napoleon. (Rechte: AKG)

Erstausgabe des "Code civil" von 1804

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Zivilehe

Eine weitere Errungenschaft der napoleonischen Reformen des "Code civil" war die Zivilehe und damit eine von der Religionszugehörigkeit unabhängige Form des Ehebundes. Die Zivilehe wurde auf deutschem Boden ab 1798 zunächst in den französisch besetzten Gebieten am Rhein eingeführt. Preußen führte die Zivilehe 1874 ein und Reichskanzler Otto von Bismarck machte sie 1876 im Zuge des sogenannten Kulturkampfs gegen die katholische Kirche für das gesamte Deutsche Reich verbindlich.

Metrisches System

Die Deutschen verdanken Napoleon die Einführung des metrischen Systems. Ende des 18. Jahrhunderts wurden in Deutschland noch unterschiedliche Maße verwendet. Es gab Elle und Zoll, aber auch Eimer und Biertonne als Maßeinheit. Die Beamten der französischen Besatzungsmacht setzten dann die Maße durch, die in Paris schon während der Französischen Revolution eingeführt worden waren: Meter, Liter und Kilogramm.

Zeichnung: Feldherr Napoleon sitzt auf einem Kamel, als er einen Befehl an einen Ägypter ausspricht. Im Hintergrund: das Lager der Franzosen. (Rechte: AKG)

Napoleon während der "Ägyptischen Expedition"

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Wiederentdeckung Ägyptens

Napoleon ebnete den Weg zum modernen Staat Ägypten. Das einstige Pharaonenreich war unter der Herrschaft der Osmanen zu einer verarmten Provinz verkommen, sein kulturelles Erbe nahezu vergessen. Napoleons Feldzug von 1798 bis 1801 beendete die Osmanen-Herrschaft. Frankreichs Reformen schufen in Ägypten eine moderne Verwaltung, brachten den Buchdruck an den Nil und führten das Postwesen ein. Die sogenannte "Ägyptischen Expedition" weckte auch neues Interesse am antiken Ägypten. So konnte der Sprachwissenschaftler Jean-François Champollion anhand des 1799 gefundenen "Steins von Rosetta" die Hieroglyphen entziffern.

Französisches Staatswesen

Der französische Staat wurde nicht nur durch die Gesetzgebung Napoleons bleibend geprägt. Auf Napoleon gehen Gründungen wie die der zentralen Notenbank im Jahr 1800, der Ingenieurs-Kaderschmiede "École Polytechnique" 1794 und im selben Jahr die der "École normale supérieure", der Elite-Hochschule im Bereich Bildung und Wissenschaft, zurück. Frankreichweit förderte Napoleon die Neugründung von Universitäten. Auch straffte er die während der Revolution eingeführten "Departements" und stellte diesen lokalen Verwaltungseinheiten einen Präfekten vor.

Vor dem Triumphbogen fahren Autos, die Straßenränder sind mit Fahnen geschmückt. (Rechte: AKG)

Ein Wahrzeichen von Paris: der Arc de Triomphe

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Der Pariser Triumphbogen

Das Stadtbild von Paris ist heute undenkbar ohne den "Arc de Triomphe", der über den Champs-Elysées thront. 1806 ließ Napoleon das Denkmal für seine "Grande Armée" nach der siegreichen Schlacht von Austerlitz über Russland und Österreich errichten. Als Frankreich 1840 die sterblichen Überreste Napoleons von St. Helena in den Pariser Invalidendom überführte, wurde sein Leichnam noch einmal unter dem Triumphbogen aufgebahrt. Heute befindet sich dort das Grabmal des unbekannten Soldaten. Der Triumphbogen ist das Ehrenmal der französischen Nation.

Rübenzucker

Dass die Europäer den Zucker aus der heimischen Rübe für sich entdeckten, hat etwas mit Napoleons Kontinentalsperre gegen Großbritannien zu tun. Die Wirtschaftsblockade von 1806 und damit der Einfuhrstopp des bisher gebräuchlichen Kolonialzuckers sorgte auch in Preußen für einen ersten Boom der Rübenzuckerindustrie.

Der Aufschwung endete jedoch rasch mit dem Niedergang Napoleons ab 1813, und der billigere Zucker aus den Kolonien überschwemmte erneut Europas Märkte. Nur eine einzige Rübenzuckerfabrik im französischen Arras überlebte. Mit dem Durchbruch der Industriellen Revolution Mitte der 1830er Jahre stieg die allgemeine Nachfrage nach Zucker und nun fand auch der Rübenzucker endgültig Einzug in Europa. Die Fabrik von Louis F. Crespel-Delisse in Arras wurde zur Keimzelle der zweiten Gründungswelle von Rübenzuckerfabriken.

Klaus Nelißen, Stand vom 18.10.2010

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