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Kelten - geheimnisvolle Vorfahren

Die Kelten lebten einst in ganz Europa. Von Anatolien bis nach Irland hinterließen sie die Spuren ihrer Kultur. Sie bauten Städte, führten Handel und prägten Münzen, doch schriftliche Überlieferungen aus keltischer Feder gibt es nur wenige. Wir sind deshalb auf die antiken Werke römischer und griechischer Autoren sowie auf Ausgrabungen angewiesen, um einen Einblick in die keltische Gesellschaft und ihren Alltag zu bekommen.

Keltisches Kreuz im Abendrot. (Rechte: Mauritius)

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Keltische Spuren in ganz Europa

Die Kelten waren weder ein homogenes Volk noch eine europäische Ur-Gemeinschaft, als die sie bisweilen verklärend bezeichnet werden. Sie waren nie zentral organisiert, hatten nie einen von allen Seiten akzeptierten Führer oder gar einen Staat. Vielmehr verteilten sich die Kelten auf viele verschiedene Stämme und Stammesverbände, die einige kulturelle Gemeinsamkeiten hatten. Ausgehend von ihrem mitteleuropäischen Stammland, ließen sie sich in ganz Europa nieder. In Frankreich waren sie als Gallier bekannt, in Süddeutschland und der heutigen Schweiz als Helvetier und in der heutigen Türkei als Galater, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Das Aquarell zeigt zwei keltische Krieger zu Pferd. (Rechte: AKG)

Blutrünstige Barbaren?

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Die Bezeichnung Kelten kommt vom griechischen "keltoi", das Herodot das erste Mal um 450 vor Christus verwendet. Es heißt so viel wie "die Tapferen", "die Kühnen". Doch so wohlwollend diese Bezeichnung auch klingen mag, die antiken Zeitgenossen waren auf ihre Nachbarn aus Mitteleuropa nicht besonders gut zu sprechen. Häufig reduzierten römische und griechische Autoren die keltischen Völker auf blutrünstige Barbaren, die grausame Opferriten pflegten. "Die Köpfe der gefallenen Feinde hauen sie ab und binden sie ihren Pferden auf den Hals, die blutige Rüstung geben sie ihren Dienern und lassen sie unter Jubelgeschrei und Siegesliedern zur Schau tragen. Zu Hause nageln sie dann diese Ehrenzeichen an die Wand, gerade als hätten sie auf der Jagd ein Wild erlegt." So beschrieb der griechische Geschichtsschreiber Diodorus Siculus im ersten Jahrhundert vor Christus die Kelten. Solch negative Darstellungen aus römischer oder griechischer Feder sind allerdings kein Wunder. Schließlich wurden die Kelten seit ihren Angriffen auf Rom und Delphi als Feinde der zivilisierten Welt angesehen.

Sonderrolle der Druiden

Die meisten Überlieferungen sind zwar wenig schmeichelhaft für die Kelten, einige antike Werke liefern aber dennoch wichtige Erkenntnisse über Bevölkerungsstrukturen und Bräuche. Julius Caesar etwa schrieb in seinem Werk über die Eroberung Galliens, "De bello gallico", dass Druiden und adlige Krieger an der Spitze der gallischen Gesellschaft standen. Den Druiden widmete der römische Feldherr eine ausführliche Beschreibung. So ist von ihm zu erfahren, dass die Druiden nicht nur für die religiösen Riten zuständig waren, sondern auch die Aufgaben von Lehrern und Richtern wahrnahmen. Ihr hohes Ansehen drückte sich laut Caesar unter anderem dadurch aus, dass sie weder in den Krieg ziehen noch Steuern zahlen mussten. Zum Leidwesen der Historiker gaben die Druiden ihr Wissen aber nicht schriftlich, sondern nur mündlich weiter. Die Schrift wurde bei den Kelten nur für praktische Zwecke verwendet, nicht für Religion oder Literatur.

Das Bild zeigt eine Detailaufnahme eines kunstvollen goldenen Halsrings. Er stammt aus dem 5. Jahrhundert vor Christus. (Rechte: AKG)

Schmuck aus dem Fürstinnengrab von Reinheim

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Gesellschaftliche Stellung der Frauen

Die keltische Frau als gleichberechtigt zu bezeichnen, würde zu weit führen. In den Familien herrschte, wie in der Antike üblich, das Prinzip des Patriarchats. Caesar berichtet, dass Männer die Herren über Leben und Tod von Frauen und Kindern waren. Dennoch gibt es einige Hinweise darauf, dass die Frau in der keltischen Gesellschaft eine besondere Stellung innehatte. So belegen historische Texte und archäologische Funde, dass es weibliche Fürsten gab. Im Fürstinnengrab in Reinheim bei Saarbrücken wurden prachtvolle Beigaben aus Gold gefunden, die auf die hohe Position der Bestatteten schließen lassen. Die keltischen Frauen hatten wohl zum Teil auch großen Einfluss auf die eigene Familienplanung. Zwar gab es Fürsten, welche die Frauen ihrer Familie gemäß dynastischen Interessen verheirateten - nichts Ungewöhnliches für die damalige Zeit. Aber es gibt auch Berichte darüber, dass sich die Bräute ihre zukünftigen Ehemänner selbst aussuchen durften. Einige Autoren und Mythen berichten außerdem von Frauen, die sich an Kämpfen und Trinkgelagen beteiligten.

Stollen eines alten Bergwerks. In dem Stollen liegen Holzreste. (Rechte: AKG)

Keltisches Salzbergwerk bei Hallstatt

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Das rege Wirtschaftsleben der Kelten

Die Kelten besaßen schon sehr früh ein hoch entwickeltes Wirtschaftsleben, das dem ihrer germanischen Nachbarn überlegen war. Sie züchteten Schweine und Rinder und bauten Getreide und Hülsenfrüchte wie zum Beispiel Linsen an. Ihre Äcker düngten sie sowohl auf natürliche Weise mit Viehmist als auch künstlich mit Mergel und Kalk.

Besonders zeichnete sich die keltische Wirtschaft durch die Metallindustrie aus. Neben Kupfer und Zinn gewannen die Kelten auch Gold und Silber. Das wichtigste Metall für sie war allerdings Eisen, das sie unter anderem für die Waffenproduktion verwendeten. Das dazu nötige Erz gewannen sie in Erzbergwerken, deren Stollen eine Tiefe von bis zu 100 Metern erreichten. Der Historiker Alexander Demandt berichtet, dass die keltische Eisenindustrie im ersten Jahrhundert vor Christus das Ausmaß von Großbetrieben hatte. Ein weiterer wichtiger Rohstoff, den die Kelten unter Tage gewannen, war Salz. Die Stollen von Hallstatt, was so viel wie "Salzstadt" heißt, wurden zum Teil mehr als 200 Meter tief in die Erde getrieben.

Mit Hilfe ihrer Fähigkeiten und den vorhandenen Rohstoffen gelang es den Kelten, ein weit verzweigtes Handelsnetz aufzubauen. Vor allem die Völker des Mittelmeerraumes versorgten sie mit Waren wie Salz, Bergkristall und Zinn. Laut dem römischen Autor Plinius sollen zudem gallische Frauenkleider in Rom hoch begehrt gewesen sein. Unter den Gütern, die von den Kelten importiert wurden, waren Öl, Wein, Seide und weitere Luxusartikel aus dem Süden. Schon sehr früh konnten sie diese Waren mit Geld bezahlen, da sie seit etwa 400 vor Christus selbst Münzen prägten, die griechischen Vorbildern nachempfunden waren.

Rötliche Sandstein-Statue eines Mannes, der Helm und Schild trägt. (Rechte: AKG)

Der berühmte Fürst vom Glauberg

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Handwerkliches Geschick und künstlerische Ader

Die Kelten waren aber nicht nur gewiefte Geschäftsleute, sondern auch geschickte Handwerker. Ihr Können zeigten sie unter anderem als Töpfer und Weber sowie in der Glasproduktion und Lederverarbeitung. Bereits 500 vor Christus, in der Hallstatt-Zeit, erfanden sie den zweiachsigen Wagen, der in abgewandelter Form noch bis ins 19. Jahrhundert verwendet wurde.

Den Kunstsinn der Kelten zeigen die Verzierungen, die viele archäologische Fundstücke aufweisen. Ein besonders beeindruckendes Beispiel hierfür ist der Prunkhelm von Agris, der mit Bronze-, Silber- und Goldblechauflagen bestückt ist, in die Korallen eingelegt sind. Auch wenige keltische Steinskulpturen haben Archäologen schon gefunden, unter denen der Keltenfürst vom Glauberg eine der berühmtesten sein dürfte.

Johannes Eberhorn, Stand vom 27.02.2012
Sendung: Zeitreise: Kelten, Römer, Wikinger, 27.02.2012

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