Tour de France
Sportzeitung veranstaltet erste Tour de France
Frei nach dem Motto "höher, schneller, weiter" hat der französische Journalist Géo Lefèvre im Jahr 1903 erstmals die Idee zur Tour de France. Die bereits bekannten Radrennen "Bordeaux-Paris" und "Paris-Brest-Paris" fordern den Fahrern seiner Meinung nach nicht genug ab. Indem er Strecken einführt, die länger sind als bisher, will er den Unterhaltungswert für das Publikum steigern. Die Etappen gelten deswegen zunächst als unbezwingbar.
Veranstalter der ersten Tour ist dann die französische Sportzeitung "L'Auto". Dem Chefredakteur Henri Desgrange, selbst passionierter Radfahrer, kommt die Idee seines Kollegen gerade recht. Er verspricht sich durch die Tour eine Auflagensteigerung für "L'Auto" und einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz.
Bis 1940 leitet Desgrange die Tour de France. Er ist während seiner Schaffenszeit sehr innovativ und marktorientiert. So gehen nicht nur das gelbe Trikot und die Bergwertung auf seine Kappe, sondern auch der alljährliche Werbezug. Die Werbefahrzeuge fahren noch vor den Radfahrern die Strecke ab und verteilen Geschenke an das Publikum. Neben einer Auflagensteigerung seiner Zeitschrift gelingt es Desgrange auch, mit der Tour selbst viel Geld einzunehmen.
Viel Geld lockt bei großen Entfernungen
Bei der ersten Tour de France 1903 fuhren schon 60 Fahrer mit, 2008 waren es dreimal so viele. Die erste Tour bestand aus sechs Etappen und umfasste insgesamt etwa 2500 Kilometer. Zwischen den einzelnen Etappen legten die Fahrer mehrere Ruhetage ein. 1903 lockten insgesamt 20.000 Franc als Gewinn, umgerechnet ungefähr 3050 Euro. Heutzutage werden weitaus höhere Gewinne ausgeschüttet - mehr als zwei Millionen Euro. Das Geld geht aber nicht nur an den Sieger, sondern wird unterschiedlich gewichtet zwischen den verschiedenen Wertungen aufgeteilt. Die Fahrer und Teams bekommen Preisgelder in den Kategorien "Gesamtwertung", "Sprintwertung", "Etappenwertung", "Bergwertung", "Mannschaftswertung" und "Nachwuchswertung". Eine Jury bewertet zusätzlich noch den "kämpferischsten Fahrer". Gesamtsieger ist am Ende der Fahrer, der am schnellsten im Ziel ankommt. Aber die Sieger der anderen Wertungen erwarten hohe Gewinne.
Im Schnitt legen die Sportler heute bei der "großen Schleife", wie die Tour auch genannt wird, 3500 Kilometer auf dem Rad zurück. Meistens beginnt die Rundfahrt mit Etappen im flachen Land und steigert sich dann Kilometer für Kilometer bis ins Hochgebirge. Zwischenzeitlich war die Tour noch länger, zeitweise sogar weit über 5000 Kilometer lang. Inzwischen haben sich aber die 3500 Kilometer als Richtwert etabliert.
Ziel: die Champs-Élysées
Jahrein jahraus findet die Tour de France in drei Wochen im Juli statt. Nur während der beiden Weltkriege wird sie ausgesetzt. Die Streckenführung wird immer wieder neu festgelegt. Der Hauptteil des Rennens wird in Frankreich gefahren, aber auch das europäische Ausland ist immer mal wieder Teil der Strecke. Eins nur bleibt seit 1975 in jedem Jahr gleich - das Ziel: L'Avenue des Champs-Élysées in Paris.
Während die Tour zu Beginn nur durch plattes Land führt, werden die Flachetappen mit der Zeit durch Bergetappen ergänzt. Inzwischen sind die Berge bei jeder Tour de France fest eingeplant. Die Startpunkte der Tour variieren. War anfangs ausschließlich Frankreich Ausgangspunkt, starten die Fahrer im Verlauf der Zeit auch hin und wieder in anderen europäischen Ländern.
Alpen und Pyrenäen sind kein Hindernis
Besonders viele Punkte für die Bergwertung und damit für das weiß-rote Trikot gibt es für die Bergetappen. Die verlangen den Teilnehmern der Tour de France bei weitem am meisten ab. Zum Teil müssen hier innerhalb einer Etappe mehr als 1500 Höhenmeter überwunden werden. 1910 sollten die Fahrer erstmals die Pyrenäen überqueren. Daraufhin beschimpften sie den Urheber dieser Idee, den Tourleiter Henri Desgrange, als Sadisten, fuhren aber trotzdem. Ein Jahr später sollten auch die Alpen bezwungen werden. Zur damaligen Zeit waren die Straßen aber noch lange nicht so gut ausgebaut wie heute. Die Fahrer mussten also sehr holprige Wege in Kauf nehmen, um ans Ziel zu gelangen.
Die Mannschaften
Erst seit 1962 wird die Tour de France von professionellen Firmenteams bestritten. Vorher traten in einigen Jahren Nationalmannschaften an, sonst Einzelfahrer. Jährlich laden die Organisatoren um die 20 Teams zur Tour de France ein. Die Leistung der Mannschaften wird über das Jahr beobachtet und die Teams, die sich besonders hervorheben, können mit einer Einladung rechnen. Dopingsünder aus dem Vorjahr werden in der Regel ausgeschlossen.
Die Teams werden von Firmen gesponsert, die sich von der Teilnahme eine gute Werbung versprechen. Aufgrund der vielen Dopingfälle haben sich Sponsoren auch wieder zurückgezogen, um Negativpresse zu vermeiden.
Die Fahrer kommen oft aus verschiedenen Heimatländern und fahren vor allem für das Team und weniger für ihre Nation. Die Bezahlung der Sieger ist meistens so gut, dass die Fahrer ihre Preisgelder nicht selbst behalten, sondern an das Team zurückgeben.
Historische Skandale und tragische Vorfälle
Nicht immer standen Sportlichkeit und Fairness im Mittelpunkt des Rennens. Schon die zweite Tour de France 1904 bot handfeste Skandale. Manipulationen wie Nägel auf der Fahrbahn und Zugfahrten als Abkürzung sorgten für Unmut unter den Fahrern und in der Öffentlichkeit. Erst im Dezember 1904 konnte ein französisches Gericht Henri Cornet als Sieger der Tour ernennen, da vorher eine objektive Bewertung unmöglich war. Für den Moment stand das Radrennen vor dem Aus. Schließlich entschieden sich die Urheber der "großen Schleife" aber doch, die Tour weiter zu veranstalten.
Infolge des Ersten Weltkriegs war das Starterfeld der Tour 1919 mit nur 67 Fahrern vergleichsweise klein. Die teilnehmenden Fahrer mussten teilweise zerstörte Gebiete durchfahren. Auch die Wetterbedingungen meinten es in diesem Jahr nicht gut mit den Sportlern. Ins Ziel kamen schließlich nur zehn der 67 Gestarteten.
Über die Jahre hinweg kommt es während der Tour de France zu einigen tragischen Vorfällen. Im Jahr 1910 verunglückt der Franzose Adolphe Heliere, als er an einem Ruhetag an der Côte d'Azur baden geht. Nach einem Sturz kommt der Spanier Francisco Cepeda 1935 ums Leben, als er vom Berg Galibier abfährt. 1967 stirbt der Brite Tom Simpson an einem Hitzschlag. Im Nachhinein wird in seinem Körper ein erhöhter Amphetaminwert festgestellt. Die erste Doping-Diskussion der Tour de France kommt in Gang. 1995 muss die Tour ein weiteres Unfallopfer beklagen. Der Italiener Fabio Carsatelli stirbt an den Folgen eines Sturzes bei einer Bergabfahrt.
Doping sorgt für Unmut
Aufputschmittel werden schon seit Beginn der Tour de France immer wieder genommen. Begann es noch recht harmlos mit Koffein und Alkohol, entwickelten sich die Mittel und Methoden beständig. Amphetamine, Wachstumshormone, Eigenblut und Epo (Erythropoetin) sind heute keine Seltenheit mehr. Das löst nicht nur Unmut unter den Fans aus. Auch die ehrlichen Mitstreiter der Tour de France sehen ihren Sport verraten. Immer wieder kam es in der Geschichte zu Skandalen und tragischen Vorfällen. So verstarb 1967 der Brite Tom Simpson während einer Tour de France, unter anderem wegen Alkohols und Amphetaminen. All das kann die vom falschen Ehrgeiz getriebenen Fahrer auch heute nicht davon abhalten, die Radsportgemeinde und nicht zuletzt sich selbst zu betrügen.
Anna Seidel, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Das Fahrrad – von der Draisine bis zum Liegerad, 25.04.2006











