Das Karussell - Der Klassiker der Kirmes
Adelige Reiterspiele als Ursprung
Das französische Wort "carouse" bedeutet "lautes Festgelage", "carousel" ein Fest mit Reiterspielen. Auch im Italienischen finden sich Hinweise auf den Ursprung des Wortes Karussell. Dort heißt die Bezeichnung "carosello" soviel wie "kleiner Krieg", womit wir auch schon bei der Herkunft dieses Vergnügungsobjektes sind: Die Anfänge des Karussells lagen nämlich tatsächlich in den Reiterspielen bei Hofe im 17. und 18. Jahrhundert. Eine "Caroussel"-Veranstaltung bestand damals meistens aus einem sogenannten Ringrennen, bei dem junge Adelige ihre Reitfertigkeiten trainierten, indem sie versuchten, eiserne Ringe im Galopp mit einer Lanze aufzuspießen.
Weiterentwicklung zum Fahrgeschäft
Im Laufe des 18. Jahrhunderts veränderte sich der Charakter der "Caroussel"-Veranstaltungen. Nicht mehr die Vorbereitung auf ein Turnier stand im Vodrdergrund, sondern die Unterhaltung der Hofgesellschaft, woran sich auch Damen beteiligten. Die echten Pferde des Ringrennens wurden dabei durch künstliche Artgenossen ersetzt. Um 1701 finden sich erste Hinweise auf mechanische Drehvorrichtungen, die zunächst im Hofbereich und in Gartenanlagen aufgestellt wurden. Sie bestanden meist aus einem drehbaren ebenerdigen Holzkreuz, an dessen Ende ein hölzernes Pferd im Galopp stand. Um diese Konstruktion herum standen Ziele wie zum Beispiel Ringe, die an einem Haken befestigt waren. Diese ersten Karusselle im eigentlichen Sinn wurden durch Personen angeschoben, die im Inneren der Konstruktion standen.
Vom höfischen Vergnügen zur Volksbelustigung
Mit der Zeit entdeckte auch die einfache Bevölkerung das Karussell für sich, so dass diese Unterhaltungsform um 1800 in ganz Europa verbreitet war. Im Jahr der Eröffnung des Wiener Praters 1766 gab es ein "Ringel-Reitungsspiel". Das Ringstechen blieb dabei bis ins 19. Jahrhundert Bestandteil des fahrenden Vergnügens. Die Karussells befanden sich meistens noch an einem stationären Ort, zum Beispiel in einem Badeort oder einem Lustgarten. Beim Münchener Oktoberfest tauchte es das erste Mal 1818 auf.
Die ersten Kraussells, die ohne Muskelkraft fuhren, entstanden während der Industriellen Revolution. In den 1860er Jahren wurden die Fahrgeschäfte das erste Mal mit Dampf betrieben, bevor sie später wie zum Beispiel der "Passauer Prater" mit Elektrizität in Gang gesetzt werden. Diese Modelle waren jetzt auch transportabel und relativ leicht auf- und abzubauen.
Sabine Coen, Stand vom 01.06.2009






