Archäologie in China

Mehrere tönerne Terrakotta-Krieger im Profil aufgenommen.

Archäologie

Archäologie in China

China – ein faszinierendes Land mit einer jahrtausendealten Geschichte und mit einer der ältesten Zivilisationen der Erde. Als Europa noch in den Kinderschuhen steckte, hatte sich auf chinesischem Boden bereits eine Hochkultur entwickelt.


Der Zufall enthüllt ein Wunder

Damit ist China nicht nur für Historiker ein spannendes Forschungsgebiet, sondern auch für Archäologen ein wahres Paradies. Im Lauf der Jahre förderten sie hier Schätze längst vergangener Zeiten zutage.

Als einfache chinesische Landarbeiter 1974 in der Provinz Shaanxi im Herzen Chinas einen Brunnen bauten, machten sie einen sensationellen archäologischen Fund: Nur wenige Spatenstiche unter der Erde stießen sie auf die berühmte Gräberlandschaft des ersten chinesischen Kaisers Qin Shihuangdi (259-210 vor Christus). Sofort reisten Archäologen an, um die Bauern bei ihren mühevollen Grabungsarbeiten abzulösen.

Die Arbeit hat sich gelohnt, denn die Wissenschaftler entdeckten einen wahren archäologischen Schatz: die berühmten rot-braunen Terrakotta-Soldaten, die Bewacher der kaiserlichen Grabkammer. Der Fund gilt jetzt schon als Meilenstein der Archäologie.

Heute weiß man, dass das Areal der Gräberlandschaft bei Xi'an insgesamt fast sechsmal so groß ist wie das ganze Ruhrgebiet. Die Ausgrabungen werden noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Xi'an war die erste Hauptstadt des Kaiserreichs Chinas und ist heute Hauptstadt der Provinz Shaanxi.

Köpfe der Terrakotta-Figuren zwischen Felsen

Die Krieger des Kaisers

Eine unterirdische Welt

Die Armee ist nur ein winziger Bruchteil dessen, was unterirdisch noch immer auf die Forscher wartet: ein komplett nachgebildeter Hofstaat, der sich auf einer Länge von 180 Kilometern erstreckt. Minister, Kutschen, Akrobaten, Landschaftsbilder mit Tieren und vieles mehr ließ sich Qin Shihuangdi mit ins Grab legen.

Insgesamt 70.000 Fronarbeiter waren 40 Jahre lang mit dem Bau dieser unterirdischen Welt beschäftigt – die Archäologen versuchen sie nun zu ergründen. Die Wissenschaftler sind sich darüber einig, dass Qin Shihuangdi nicht wahllos Figuren und Kostbarkeiten mit ins Jenseits nahm.

Mit den etwa 8000 Terrakotta-Kriegern wollte er zum Beispiel seinen militärischen Machtanspruch für die Ewigkeit unterstreichen. Es war immerhin sein Lebenswerk gewesen, die bestehenden Königreiche in langwierigen Kriegszügen zu einem einzigen chinesischen Kaiserreich zu vereinen.

Aber nicht nur Ruhm und Ehre sollten sich in seiner Gräberlandschaft widerspiegeln. Dass der Herrscher auch für die schönen Dinge dieser Erde empfänglich war, beweist ein spektakulärer archäologischer Fund aus dem Jahr 2000.

Wissenschaftler stießen in den Grabanlagen des chinesischen Kaisers auf die Spuren einer nachgeahmten Naturlandschaft. Unterhalb der Erde hatten Arbeiter einen ganzen Flusslauf ausgehoben und mit lebensgroßen bronzenen Vogel-Imitationen bestückt.

Den Künstlern des Kaisers war es gelungen, Gänse, Schwäne und Kraniche detailgetreu bis in die Federspitzen zu modellieren. Eines der Tiere hält auch heute noch einen kleinen Fisch im Schnabel, so als hätte es ihn gerade erst gefangen.

Selbst die Wellen des Wassers sollten den Kaiser ins Jenseits begleiten – zumindest fanden die Archäologen in der unterirdischen Flusslandschaft aus Lehm nachgeformte Wasserwogen. Die kostbaren Bronzevögel hat ein Team von Archäologen mittlerweile ans Tageslicht geholt.

Terrakotta-Skulptur: Pferdewagen mit Wagenlenker

Pferdewagen mit Wagenlenker

Eine Armee wird zum Leben erweckt

Seit 1990 beschäftigt sich eine deutsch-chinesische Projektgruppe mit der Restauration der 1,80 Meter großen Terrakotta-Soldaten. Die meisten kennen die Armee in der für Terrakotta typischen rot-bräunlichen Färbung. Tatsächlich sind diese Tonmenschen aber ursprünglich bunt verziert gewesen.

Jede Figur ist ein Unikat, ihre Bemalung war niemals identisch. Die Kleider der Krieger schimmerten in den unterschiedlichsten Farben – nicht zwei von ihnen trugen das gleiche Hemd.

Die Vielfalt der gemalten Kleidung entsprach ganz der damaligen Realität, denn die Qin-Armee hatte keine einheitliche Uniform. Stattdessen schneiderte sich jeder Soldat seine Kleidung selbst – nach seinen persönlichen Farbvorlieben.

Terrakotta-Krieger

Nicht zwei identische Hemden

Vasen als Ersatz-Soldaten

Dem in München ansässigen Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege ist es nach zehnjähriger Forschung gelungen, ein Verfahren zu entwickeln, das die Farbe im Restaurationsprozess erhält.

Bisher war die Farbschicht der Tonkrieger stets zerbröckelt, sobald sie das Tageslicht erblickten. Gewöhnt an die hohe Luftfeuchtigkeit in der Grabkammer, bedeutete eine Bergung für sie den Verlust ihrer farbenfrohen Gestalt. Das wollten die Wissenschaftler verhindern.

Deshalb erprobten sie in komplizierten Verfahren unterschiedliche Methoden der Konservierung. Als "Versuchsobjekte" dienten hierzu nicht die wertvollen Tonmenschen, sondern Blumenvasen aus Terrakotta. Eine Zwei-Phasen-Behandlung führte die Spezialisten schließlich zum Erfolg.

Mithilfe eines chemischen Konsolidierungsmittels wird die Lackschicht, mit der jeder Krieger überzogen ist, zunächst in sich gefestigt. Ein Klebemittel sorgt dann dafür, dass die Farbe wieder fest auf den Terrakotta-Körpern sitzt. So können die Soldaten endlich unbeschadet ihre feuchte Gruft verlassen und auf Welttournee durch die Museen gehen.

Statue eines knieenden Soldaten

Die Statue eines knieenden Soldaten

Das größte Bauwerk der Welt

Ob man sie nun mit bloßem Auge aus dem Weltraum erkennt oder nicht, ist umstritten. Tatsache ist aber, dass die Chinesische Mauer das größte Bauwerk der Welt ist. Sie erstreckt sich auf über 8850 Kilometer, ist bis zu 16 Meter hoch und insgesamt wurden über eine Milliarde Quadratmeter Steine und Erdwerk verbaut.

Diese auf der Welt einmalige Mauer entstand ebenfalls zu Zeiten des ersten Kaisers Qin Shihuangdi (259-210 vor Christus). Der "Reichseiniger" hatte die geniale Idee, die Schutzwälle der vormals unabhängigen Königreiche untereinander zu verbinden. Von nun an sollte das chinesische Kaiserreich insbesondere gegen die Nomaden aus dem Norden geschützt sein.

Schutz allein war bald nicht mehr die einzige Aufgabe des stolzen Bauwerks. Gewiefte Beamte in der Han-Zeit (206 vor Christus bis 220 nach Christus) kamen auf die Idee, die Mauer auch zur Verbreitung von Nachrichten zu nutzen.

Seit der Wall alle paar hundert Meter mit Wachtürmen versehen war, war es ein Leichtes, Botschaften zu übermitteln. Von einem Wachposten zum nächsten wanderten die wichtigen Informationen in rasantem Tempo per Feuersignal und Rauchmeldung.

Die Wachtürme prägen auch heute noch das typische Bild der Chinesischen Mauer – genauso wie die aus Ziegeln und Stein gefertigten Außenwände mit Zinnen. Seine endgültige Gestalt erhielt das Bauwerk zu Zeiten der Ming-Dynastie zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert.

Ein so altes Baudenkmal muss erhalten werden, und so ließ die chinesische Regierung zahlreiche Teilstücke restaurieren. Der Mauerabschnitt bei Badaling erhielt 1957 seine alte Pracht und ist bis heute beliebter Ausflugspunkt für in- und ausländische Gäste.

Neuesten Schätzungen zufolge könnte die Chinesische Mauer sogar über 21.000 Kliometer lang gewesen sein.

Mauer windet sich sanft über einen Bergkamm.

Die große Mauer – Ein Muss für China-Reisende

Autorin: Marietta Arellano

Stand: 08.11.2018, 16:00

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