Polnische Westverschiebung

Karte der Polnischen Westverschiebung

Flucht und Vertreibung

Polnische Westverschiebung

Von Gregor Delvaux de Fenffe

Der deutsche Vernichtungsfeldzug im Osten wird gemäß der nationalsozialistischen Ideologie des deutschen "Herrenmenschen" mit aller Unmenschlichkeit geführt. Die Kriegsgegner verstehen ihren Widerstand gegen den ethnischen Vernichtungskrieg der Nazis ihrerseits als ideologischen Endkampf, als Kreuzzug der Welt gegen den NS-Terror. Aus der Perspektive der alliierten und russischen Streitkräfte muss dieser unvergleichliche Krieg mit der Niederlage des Aggressors enden. Die NS-Ideologie muss eliminiert werden, Deutschland bestraft und für alle Zeiten daran gehindert werden, die Welt wieder in einen Krieg zu führen.

Politische Weichenstellungen

Bereits im Sommer 1941 – Hitler ist gerade in Russland einmarschiert – beraten die in London ansässigen polnischen und tschechoslowakischen Exilregierungen über die politische Neuordnung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Polen und die Tschechoslowakei fordern erhebliche Grenzkorrekturen zum Nachteil des Deutschen Reiches. Zudem wird bereits 1941 der Beschluss gefasst, alle in Polen und der Tschechoslowakei lebenden Deutschen zu entfernen.

Deutsche Kriegsgefangene in Berlin im Mai 1945.

Deutsche Kriegsgefangene

Die Konferenz von Teheran

Auf der Konferenz von Teheran im November 1943 fallen die dramatischen Entscheidungen zu den Bevölkerungsverschiebungen, denen die deutsche Zivilbevölkerung in den Ostgebieten bei Kriegsende zum Opfer fallen wird.

In der iranischen Hauptstadt erörtern die alliierten Großmächte den Vormarsch auf das Deutsche Reich. Besonders der sowjetische Diktator Josef Stalin und der britische Premier Winston Churchill unterhalten sich "behutsam über Politik", wird später der anwesende Sohn des amerikanischen Präsidenten Roosevelt notieren.

Die Sowjetunion pocht auf die Verkürzung der westlichen Grenzen zu Deutschland, um diese in künftigen Kriegen leichter gegen Deutschland zu verteidigen. Stalin will nicht nur die Zerschlagung des NS-Regimes.

Kein Volk hat so viele Menschen im Zweiten Weltkrieg verloren wie die Russen. Er fordert Genugtuung und Reparationen. Vor allem aber will er seine Kriegsbeute, die annektierten ostpolnischen Gebiete behalten, die er im Zuge des Hitler-Stalinpaktes seit 1939 erobert hat. Der Diktator will zudem sein Einflussgebiet Richtung Westen vorantreiben.

Drei Streichhölzer

Churchill signalisiert Entgegenkommen. Mit drei symbolischen Zündhölzern demonstriert er das Gedankenspiel einer Verschiebung der Staatsgrenzen. Das Streichholz ganz links steht für Deutschland, daneben in der Mitte ein Holz für Polen, rechts liegt Russland.

Churchill schiebt das russische Streichholz nach links, drückt die anderen beiden dadurch nach links weg. "Wie Soldaten, die seitlich wegtreten sei das", so der englische Premier. Wenn man dabei auf einige deutsche Zehen trete, sei das nicht zu ändern.

Mit drei Streichhölzern wird der künftige territoriale Status Polens und Deutschlands besiegelt. Polens Landesgrenzen werden westwärts verschoben. Im Klartext heißt das, Ostpolen fällt an Stalin und wird der Sowjetunion einverleibt.

Polen soll dafür mit den ostdeutschen Gebieten "entschädigt" werden. Deutschlands neue Grenze wird entlang der Flüsse Oder und Neiße gezogen. Ostpreußen, Pommern, die Kurmark und Schlesien werden polnisch.

Die Polen müssen die ostpolnischen Gebiete für Russen "freimachen" und sollen in die deutschen Ostgebiete "umgesiedelt" werden. Die Deutschen aus den Ostgebieten sollen den Platz für die ihrerseits vertriebenen Ostpolen räumen und ins restliche Deutschland zwangsausgewiesen werden.

Der englische Premier und der russische Diktator legen hier, am Abend des 28. November 1943 den Grundstein für eine der größten humanitären Katastrophen des 20. Jahrhunderts: die gewaltsame Vertreibung von Millionen Polen und Deutschen am Ende des Zweiten Weltkriegs.

Der britische Staatsmann Sir Winston Churchill im Alter von 83 Jahren, aufgenommen 1957 in Großbritannien.

Winston Churchill

Stand: 16.07.2019, 15:50

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