Auswandern nach Amerika - von Hamburg in die "Neue Welt"

Schwarzweiß-Foto des Decks eines Überseedampfers mit Passagieren.

Auswanderer

Auswandern nach Amerika - von Hamburg in die "Neue Welt"

Gut fünf Millionen Menschen verließen Europa zwischen 1850 und 1934 über den Hamburger Hafen. Die Auswanderer reisten unter oft schweren Bedingungen aus ganz Europa nach Hamburg. Ihr Ziel: die "Neue Welt", Amerika. Die Gründe für ihre Ausreise waren aber keinesfalls romantischer Natur – die meisten reisten aus purer Not, und nicht alle überlebten die enormen Strapazen der Überfahrt. Für die Reedereien waren die Massen von Auswanderern ein gutes Geschäft.

Nichts wie weg

Zunächst waren es vor allem verarmte Bauern aus Deutschland, die den Mut aufbrachten, nach Amerika auszuwandern. Nach der gescheiterten Revolution von 1848 gesellten sich zu ihnen auch viele Intellektuelle, die aus politischen Gründen ihr Land verlassen mussten. Es folgten Handwerker und andere Berufsgruppen, die in Deutschland keine Möglichkeit mehr sahen, finanziell zu überleben.

Nach Angaben des Ahnenforschungs-Portals Ancestry gehörte zu diesen Auswanderern auch der Urgroßvater des Hollywood-Stars Angelina Jolie: ein westfälischer Schneider namens Josef Kamp.

Zu den deutschen Flüchtlingen kamen die Auswandererströme aus dem Osten Europas. Einige kamen aus wirtschaftlicher Not, viele mussten in Folge von Judenpogromen ihr Land verlassen. Woody Allen ist einer der berühmten Nachfahren dieser jüdischen Emigranten.

Gefährliche Überfahrt

Auch wenn die Schiffe, auf denen es nach Amerika ging, oft gut ausgestattet waren, war die Fahrt für die Flüchtlinge eine Tortur. Während auf dem Oberdeck getafelt und gefeiert wurde, wurden im Zwischendeck die Flüchtlinge unter menschenunwürdigen Zuständen zusammengepfercht – je mehr, desto besser.

Erst allmählich setzten sich einige Bestimmungen durch, die den Menschentransport regeln sollten. So wurde die Höhe des Zwischendecks zunächst auf 1,72 Meter, später auf 1,83 Meter festgelegt, und es wurde zur Regel, dass jedem Auswanderer zumindest die Größe eines Bettes zustand.

Auf 50 Passagiere kam eine Toilette, Krankheiten breiteten sich in Windeseile aus. Sechs Wochen lang dauerte die Reise auf einem Segelschiff. Nur noch zwei Wochen waren die Dampfschiffe unterwegs, die sich ab 1870 durchsetzten, und auf denen zumindest die hygienischen Verhältnisse besser waren als auf den Segelschiffen.

Ein gutes Geschäft

Zum bedeutenden Auswandererhafen wurde Hamburg durch clevere Geschäftsleute, die erkannten, dass sich mit den Auswanderern Geld verdienen ließ. Um genügend Auswanderer nach Hamburg zu locken, warben die großen Reedereien in ganz Deutschland und Osteuropa für den Transport ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Menschen stehen in Schlangen an Ticketschaltern im Hamburger Hafen, alte Schwarzweiß-Aufnahme.

Das Geschäft mit den Auswanderern

Und nicht nur die Reedereien verdienten. Bis die Auswanderer auf ihr Boot kamen, brauchten sie schließlich Unterkünfte und Lebensmittel sowie Proviant für die Reise. So sorgten die Flüchtlinge in Hamburg für Arbeit und bescherten der Stadt höhere Steuereinahmen.

Eine Stadt für Auswanderer

Immer mehr Flüchtlinge strömten nach Hamburg. Bald reichten die städtischen Auswandererbaracken nicht mehr aus. Als sie 1898 abgerissen werden sollten, ergriff der Hamburger Reeder Albert Ballin die Chance und baute seine schon länger geplanten Auswandererhallen, die 1901 eingeweiht und drei Jahre später erweitert wurden.

Das Schwarzweiß-Foto zeigt Auswanderer während einer Routineuntersuchung.

Zur Quarantäne gehörten Untersuchungen

In den Hallen im Stadtteil Veddel fanden zunächst 1200, später 5000 Menschen Platz. Es gab neben Schlaf- und Speisesälen, medizinischer Betreuung und Waschsälen sogar eine Kirche und eine Synagoge.

In Desinfizierungsstellen mussten die Neuankömmlinge ihr Gepäck und ihre Kleidung reinigen lassen. Eine Vorsichtsmaßnahme gegen Seuchen, denn Hamburg war 1892 von einer Cholera-Epidemie heimgesucht worden. Damals schrieb die Bevölkerung die Katastrophe den russischen Einwanderern zu. Jeder Ausreisewillige musste bis zu 14 Tagen in Quarantäne bleiben, bis man ihn endlich abfahren ließ.

Das Ziel der Reise

Nicht jeder erreichte das Ziel seiner Reise. Besonders in den Anfängen der Auswanderung starben zahlreiche Passagiere auf der Fahrt in die Freiheit. Aber auch später, als die Verhältnisse auch für die Zwischendeck-Passagiere etwas erträglicher geworden waren, blieben Gefahren nicht aus, wie man am Beispiel der Titanic sieht: Als das Schiff 1912 auf seiner Fahrt von Southampton nach New York unterging, starben 75 Prozent der Auswanderer der Zwischendecks. Von den Passagieren der ersten Klasse verloren dagegen 28 Prozent ihr Leben.

Schwarzweiß-Luftaufnahme der Insel Ellis vor New York.

Erster Anlaufpunkt: Ellis Island vor New York

Auch von denjenigen, die ohne Probleme die Reise überstanden hatten, kam nicht jeder an sein Ziel. Denn in Amerika begann die Prozedur der Untersuchungen und Desinfizierungen erneut – und manch einer, der nicht für gesund befunden worden war, wurde wieder zurückgeschickt.

Die anderen hatten das Ziel ihrer Träume erreicht – für sie hieß es, sich in einem neuen Land mit einer neuen Sprache zurechtzufinden. Nicht jedem gelang das, doch nicht wenige der fünf Millionen Einwanderer machten tatsächlich ihr Glück in der neuen Welt.

Autoren: Sine Maier-Bode/Christoph Teves

Weiterführende Infos

Stand: 17.08.2017, 15:00

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