Heinrich von Stephan – Deutschlands erster Postminister

Heinrich von Stephan, Foto von 1859

Post und Briefmarken

Heinrich von Stephan – Deutschlands erster Postminister

Von Gregor Delvaux de Fenffe

Wer über die Geschichte der Post spricht, der kommt an einem Namen nicht vorbei: Heinrich von Stephan. Er war nicht nur Deutschlands erster Postminister vor rund 150 Jahren, er organisierte die weltweite Vernetzung der Post. Ihm ist es zu verdanken, dass sich die Erfindung des Telefons durchsetzte. Auf seine Initiative hin gab es im Jahr 1888 allein in Berlin mehr Fernsprechanschlüsse als in den gesamten Vereinigten Staaten.

Blitzkarriere bei der Post

Heinrich von Stephan war ein hochintelligenter, genialer Kopf, der aus einfachen, kleinbürgerlichen Verhältnissen kam und sich bis ganz nach oben hocharbeitete. Geboren wurde Stephan als achtes Kind eines Schneidermeisters in Pommern. Früh fiel er durch seine außergewöhnliche Begabung und sein musikalisches Talent auf. Bereits mit 17 Jahren trat er als Schreiber beim Pommerschen Postamt Stolpe ein.

Schnell sollte seine Karriere steil bergauf gehen: Postassistent mit besonderer Auszeichnung, Postsekretär, Bezirkspostkassenkontrolleur, Geheimer expedierender Sekretär, Postrat, Oberpostrat, Geheimer Oberpostrat, Vortragender Rat – schließlich fiel Stephans stetige Beamtenlaufbahn mit den umwälzenden politischen Ereignissen seiner Zeit zusammen, der Gründung des Deutschen Reiches.

Ein Reich – eine Post

Bismarck lernte den tüchtigen Postbeamten kennen und war von seinen Talenten sichtlich beeindruckt. Daraufhin bestellte er Stephan zum Generalpostdirektor. Schließlich wurde Stephan nach der Reichsgründung Staatssekretär des Reichspostamtes, 1895 sogar Staatsminister.

Heinrich von Stephan wurde der große Visionär, der die deutsche Post im Zuge der deutschen Reichsgründung Mitte des 19. Jahrhunderts einte. Die territoriale Zersplitterung wurde unter dem Dach der Reichspost überwunden, die Post zum Kommunikationskonzern von nie gekannten Ausmaßen ausgebaut. Unermüdlich reformierte und rationalisierte Stephan seine Behörde und baute die Post zu einem hochmodernen und effizienten, schließlich auch ausgesprochen profitablen Dienstleistungsinstitut aus.

Postkutsche um 1880

Postkutsche um 1880

Bahnbrechende Erneuerungen

Der Generalpostdirektor sorgte bald für eine Vereinheitlichung der Gebühren und senkte dadurch entscheidend die Portokosten. Er führte das Briefgeheimnis ein. Er revolutionierte die Postzustellung durch den Einsatz neuer, moderner Technologien. Die Eisenbahn wurde für den Posttransport nutzbar gemacht und löste bald die Postkutsche ab. Regelmäßig verkehrende Postdampfer wurden bereitgestellt und die Luftpost erfunden: Stephan bereitete der Briefbeförderung per Zeppelin den Boden.

Vor allem aber war Heinrich von Stephan 1874 maßgeblich an der Gründung des bis heute existierenden Weltpostvereins beteiligt, dessen Präsident er bis 1891 war. In vielen schwierigen, bilateralen Verträgen schuf Stephan ein internationales Postbewusstsein, das Beförderungshemmnisse abbaute und die Grenzen für den Postverkehr durchlässig machte.

Im Deutschen Reich schuf Stephan die Voraussetzungen für eine systematische Organisation der Feldpost und er erfand die Postkarte, damals landläufig als "Correspondenz-Karte" bekannt.

Deutschlands erster Postminister war ein Anhänger des Fortschrittsglaubens seiner Zeit. Neuen Erfindungen und Technologien gegenüber immer sehr aufgeschlossen, förderte er den neuen Zeitgeist, wo er konnte. Das Deutsche Reich wurde auf dem Sektor neuer Kommunikationsmedien bald weltweit führend. Die Rohrpost wurde systematisch eingeführt, das Telegrafenwesen der Post ausgebaut und nach seinem erklärten Motto "Jedem Bürger sein Telefon" legte Stephan zielstrebig und erfolgreich den Grundstein für das komplexe deutsche Telefonnetz.

Stephanspost

Die Reformen und Neuerungen der Post waren so grundlegend und erfolgreich, dass Heinrich von Stephan beim deutschen Volk bald ungeheure Popularität erlangte. Die Menschen konnten die neuen Erfindungen und Entwicklungen der Post miterleben – und sie profitierten davon. Zeitweilig hieß die Reichspost im Volksmund einfach "Stephanspost".

Als Heinrich von Stephan aufgrund einer schweren Diabeteskrankheit 1897 im Alter von 66 Jahren starb, gab ihm ganz Berlin das letzte Geleit. Seit der Beerdigung des alten Kaisers – so erzählte man sich damals – sei in Berlin niemand mehr unter so großer öffentlicher Anteilnahme beigesetzt worden.

Zu Recht wird der preußische Generalpostmeister Heinrich von Stephan auch heute noch als großer Begründer und Weichensteller des modernen Postwesens in Deutschland anerkannt und gewürdigt.

Schwarzweiß-Bild von Heinrich von Stephan

Der Begründer des modernen Postwesens

Stand: 24.01.2020, 13:20

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