Krebs: Vorbeugung und Vorsorge

Zwei Hände halten ein Endoskop.

Krebs

Krebs: Vorbeugung und Vorsorge

Von Thomas Schwarz und Birgit Amrehn

Krebs lässt sich häufig nicht verhindern. Doch wenn er früh erkannt wird, sind die Heilungschancen oft besser. Und auch bei der Vorbeugung gibt es einige einfache Maßnahmen: So sollte man etwa nicht rauchen und Übergewicht vermeiden.

Brustkrebs

Zum Schutz vor Brustkrebs gibt es zwei Vorsorgeuntersuchungen: das Abtasten der Brust und das sogenannte Mammographie-Screening. Das Abtasten der Brust ist eine einfache Selbstuntersuchung, die die Frau am besten eine Woche nach Beginn der Regelblutung machen sollte, weil das Brustgewebe dann weich ist.

Frauen ab einem Alter von 30 Jahren können sich im Rahmen der gesetzlichen Krebsvorsorge einmal jährlich bei einem Arzt auf Brustkrebs untersuchen lassen. Dabei tastet der Mediziner Brust und Achselhöhlen ab und kontrolliert Größe, Form und Haut der Brust.

Diese Früherkennungsuntersuchung zählt in Deutschland zum gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramm und wird von den Krankenkassen bezahlt.

Weil Brustkrebs am häufigsten im Alter zwischen 50 und 69 Jahren auftritt, werden Frauen dieses Alters alle zwei Jahre schriftlich zum Mammographie-Screening eingeladen. Dabei handelt es sich um eine Röntgenuntersuchung der Brust. Zwei unabhängige Ärzte beurteilen anschließend die Röntgenbilder.

Ob die Mammographie die beste Methode zur Früherkennung ist, ist unter Fachleuten umstritten. Einige Experten halten die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) für das geeignetere Verfahren. Zudem sind die Frauen bei der MRT keiner Strahlenbelastung ausgesetzt.

Für Frauen jenseits des 70. Lebensjahres gilt wieder das gleiche Angebot der gesetzlichen Krebsfrüherkennung wie für Frauen ab 30. Haben Frauen eine gesicherte oder wahrscheinliche erbliche Belastung für Brustkrebs, gibt es bereits unter 30 engere zeitliche Vorgaben für die Vorsorge und zusätzliche Untersuchungen.

Darmkrebs

Darmkrebs zählt zu den wenigen Tumoren, die sich durch Vorsorge nahezu vollständig verhindern lassen. Da dieser Krebs vor allem bei älteren Menschen auftritt, bieten die Krankenkassen ab dem 50. Lebensjahr regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen an, die jeder Arzt durchführen kann. Dazu gehören das Austasten des Enddarms und ein Schnelltest auf verborgenes Blut im Stuhl.

Ab dem 56. Lebensjahr wird das Vorsorgeprogramm der Krankenkassen um eine Darmspiegelung erweitert. Dabei wird ein flexibler, wenige Zentimeter dicker Schlauch in den Darm eingeführt.

Er verfügt über eine Optik, die dem Arzt Bilder aus dem Darm auf einem Monitor liefert, und über Arbeitskanäle, über die verschiedene Instrumente eingeführt werden können. Vorteil dieser Untersuchung: Sie ist zugleich auch Behandlung.

So können beispielsweise gutartige Tumore wie Polypen, die später zum Krebs entarten können, direkt während der Untersuchung abgetragen und entfernt werden. Eine Wiederholung der Darmspiegelung alle zehn Jahre reicht in der Regel aus. Für Frauen und Männer mit erhöhtem Risiko für Darmkrebs kann eine frühere und engmaschigere Vorsorge sinnvoll sein.

Terminkalender mit Eintrag für Krebsvorsorge und Darmspiegelung

Im Alter wird die Krebsvorsorge noch wichtiger als vorher

Prostatakrebs

Weil bislang nur wenige Risikofaktoren des Prostatakrebses bekannt sind, ist eine Vorbeugung derzeit nicht möglich. Zum Schutz vor diesem Krebs gibt es aber zwei Vorsorgeuntersuchungen: das Abtasten der Prostata und die Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut.

Das Abtasten der Prostata mit dem Finger vom Enddarm aus und die Untersuchung der Geschlechtsorgane stehen im Rahmen der gesetzlichen Krebsvorsorge allen Männern ab dem 45. Lebensjahr zu und werden von den Krankenkassen bezahlt.

Dabei kann der Arzt jedoch nur oberflächliche Veränderungen der Prostata erkennen, die bereits eine gewisse Größe haben und auf der dem Darm zugewandten Seite der Prostata liegen. Außerdem hängt das Ergebnis der Tastuntersuchung sehr stark von der Erfahrung und den Fähigkeiten des Mediziners ab.

Von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt wird die Untersuchung des Blutes auf das PSA. Dabei handelt es sich um ein Eiweiß, das von Zellen der Prostata gebildet wird.

Ein erhöhter PSA-Wert kann auf Prostatakrebs hindeuten, kann aber auch andere Ursachen haben. Zudem schließt ein niedriger PSA-Wert Prostatakrebs nicht unbedingt aus. Daher ist der Nutzen der Blutuntersuchung bei gesunden Männern unter Fachleuten nach wie vor umstritten.

Die Grafik zeigt einen gezeichneten Beckenknochen und die Wirbelsäule. Im Becken ist ein großer Tumor zu erkennen.

Ab 45 wird die Vorsorge bezahlt

Hautkrebs

Ein wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung von Hautkrebs ist die UV-Bestrahlung der Haut. Daher ist eine konkrete Vorbeugung möglich, indem die Haut nicht der direkten Bestrahlung ausgesetzt wird.

So sollte man Solarien meiden und an Sonnentagen die Haut durch entsprechende Kleidung schützen. Wichtig sind dabei auch Kopfbedeckung und Sonnenbrille. Unbedeckte Körperteile sollten spätestens eine halbe Stunde vor der Bestrahlung mit Sonnenschutzmitteln eingecremt werden, die mindestens den Lichtschutzfaktor 15 aufweisen.

Darüber hinaus ist im Kampf gegen Hautkrebs eine gezielte Vorsorge möglich. Denn Veränderungen der Haut lassen sich oft mit dem bloßen Auge erkennen und mit den Fingern ertasten. Daher ist die Selbstuntersuchung der Haut eine gute Möglichkeit der Vorsorge.

Zudem bieten viele Krankenkassen ihren Versicherten eine jährliche Früherkennungsuntersuchung bei einem Hautarzt an. Seit dem 1. Juli 2008 ist die Früherkennung auf Hautkrebs Bestandteil der gesetzlichen Krebsvorsorge in Deutschland und wird von allen Krankenkassen bezahlt. Sie wird dann ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre angeboten.

Die Altersgrenze ist jedoch unter Fachleuten nicht ganz unumstritten. So wird nach Angaben des Landesverbandes der Betriebskrankenkassen in Bayern jeder fünfte Schwarze Hautkrebs bei unter 35-Jährigen diagnostiziert.

Eine Frau, deren Gesicht nicht zu sehen ist, cremt sich den Oberarm mit Sonnencreme ein.

Schutz vor UV-Strahlen

Gebärmutterhalskrebs

Gebärmutterhalskrebs wird in der Regel durch eine Infektion mit Viren verursacht, den sogenannten Humanen Papillomviren (HPV).  Eine Vorsorgeuntersuchung und eine Impfung können helfen, sich gegen diesen Krebs zu schützen.

Seit Januar 2020 wird von den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland ein Programm zur Früherkennung angeboten:

  • Bei Frauen zwischen 20 und 34 Jahren wird ein Abstrich vom Gebärmuttermund auf veränderte Gewebezellen untersucht – der sogenannte Pap-Test (von Papillomviren-Test).
  • Frauen ab 35 Jahren haben alle drei Jahre Anspruch auf eine Kombinationsuntersuchung. Sie besteht einerseits aus dem genannten Pap-Test. Andererseits wird mittels eines HPV-Tests in einem weiteren Abstrich direkt nach Spuren des Virus gesucht.

Nicht jede Frau, bei der der Virus nachgewiesen wird, erkrankt an Gebärmutterhalskrebs. In der Regel handelt es sich dabei um eine vorübergehende Infektion, die vom Immunsystem erfolgreich bekämpft wird und von alleine verschwindet. Dennoch erkranken laut Robert-Koch-Institut in Deutschland jedes Jahr etwa 6250 Frauen durch den HP-Virus an Gebärmutterhalskrebs.

Begleitet werden die Abstriche von einer körperlichen Untersuchung des Unterleibs im Rahmen der Krebsvorsorge. Dabei wird die Gebärmutter über die Bauchdecke und Scheide abgetastet und der Gebärmuttermund betrachtet. Auf diese Untersuchung haben alle Frauen, unabhängig von den Tests, jährlich Anspruch.

Einen zusätzlichen Schutz gegen Krebs bietet eine HPV-Impfung. Empfohlen wird sie für Mädchen im Alter zwischen 9-14 Jahren, aber auch für Jungen. Bei ihnen kann der HP-Virus Erkrankungen wie Peniskrebs oder Genitalwarzen auslösen.

Von den gesetzlichen Krankenkassen wird die Impfung bis zum vollendeten 18. Lebensjahr übernommen. Da in den meisten Fällen HP-Viren durch Geschlechtsverkehr und intimen Hautkontakt übertragen werden, sollte die Impfung vor dem ersten Sexualkontakt erfolgen.

Auch private Versicherungen übernehmen in der Regel die Kosten für Impfung und Vorsorgeuntersuchungen.

Fünf Papillomaviren unter dem Mikroskop.

Eine Impfung gegen Papillomaviren ist möglich

Lungenkrebs

Ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung von Lungenkrebs ist das Rauchen. Nach Angaben von Experten sind etwa 90 Prozent aller Lungenkrebserkrankungen darauf zurückzuführen. Daher lässt sich gegen Lungenkrebs gezielt vorbeugen, indem man nicht raucht.

Spezielle Früherkennungsuntersuchungen gibt es bei Lungenkrebs bislang nicht. Lang anhaltender Husten, gegebenenfalls mit blutigem Auswurf, eine Bronchitis, die sich trotz Einnahme von Antibiotika nicht bessert, Schmerzen im Brustbereich und Gewichtsverlust können aber auf den Krebs hindeuten.

Weiterführende Infos

Stand: 04.07.2019, 15:00

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