Unverträglichkeit von Lebensmitteln

Eine Orange, ein Apfel, Milch und Cornflakes.

Krankheiten

Unverträglichkeit von Lebensmitteln

Von Christiane Tovar

Morgens eine Tasse Kaffee mit Milch, dazu Vollkornbrot mit Käse oder Marmelade und vielleicht noch ein Ei. Ein typisches Frühstück. Doch es gibt immer mehr Menschen, die genau das nicht vertragen. Ihnen wird übel, sie bekommen Bauchkrämpfe oder Herzrasen. Lebensmittel-Unverträglichkeit heißt das Leiden, das durch ganz unterschiedliche Nahrungsmittel ausgelöst werden kann.

Unverträglichkeit oder Allergie?

Wenn kurz nach dem Essen der Magen wehtut, die Schleimhäute anschwellen oder der Darm rumort, denken viele sofort an eine Allergie. Doch diese Diagnose stimmt nicht immer, denn oft ist das Immunsystem gar nicht für die Beschwerden verantwortlich.

In diesem Fall spricht man von einer Lebensmittel-Unverträglichkeit, beziehungsweise einer Lebensmittel-Intoleranz. Weil die Symptome ähnlich sein können, werden Unverträglichkeiten oft mit Allergien verwechselt. Die Ursachen für beide Erkrankungen sind jedoch unterschiedlich.

Bei einer Allergie antwortet der Körper mit einer immunologischen Reaktion auf bestimmte Stoffe, auch Allergene genannt. Sie werden als "Eindringlinge" erkannt und entsprechend bekämpft.

Häufig liegen zusätzlich Symptome anderer allergischer Erkrankungen wie Asthma, Neurodermitis, allergischer Schnupfen oder eine allergische Bindehautentzündung vor.

Bei einer Allergie kann schon die fünftausendstel Menge eines Teelöffels ausreichen, um eine entsprechende Reaktion auszulösen.

Allergie oder Nahrungsmittelunverträglichkeit? Planet Wissen 05.06.2019 03:30 Min. Verfügbar bis 05.06.2024 WDR Von Anke Riedel

Bei einer Lebensmittel-Unverträglichkeit hingegen ist es möglich, dass bei kleinen Mengen des Nahrungsmittels noch keine Beschwerden auftreten. Im Gegensatz zu Intoleranzen werden Allergien im Laufe des Lebens eher schlimmer und können in Einzelfällen sogar tödlich enden.

Auch eine Lebensmittel-Unverträglichkeit kann tödliche Folgen haben, die Wahrscheinlichkeit ist allerdings weitaus geringer als bei Allergien.

Intoleranzen sind in der Regel darauf zurückzuführen, dass im Körper ein bestimmtes Enzym fehlt, beziehungsweise in zu geringer Menge vorhanden ist.

Ein Beispiel für solch eine Stoffwechselstörung ist die Laktose-Intoleranz. Unter dieser Unverträglichkeit leiden in Deutschland etwa zwölf Millionen Menschen.

Ihnen fehlt das Enzym Laktase, das für die Aufspaltung von Milchzucker verantwortlich ist. Da der Milchzucker unverdaut bleibt, wird er nicht vom Organismus aufgenommen, sondern bleibt im Darm.

Die Folgen können unter anderem Blähungen, Durchfall und Krämpfe sein. Wer unter Laktose-Intoleranz leidet, sollte Lebensmittel meiden, die Milchzucker enthalten, wie zum Beispiel Milch, Käse, Joghurt oder Quark.

Milch wird aus einer Flasche in ein Glas gegossen.

Milch macht munter, das gilt leider nicht für jeden

Getreide

Eine weitere Unverträglichkeit ist die sogenannte Zöliakie oder Sprue. Beide Namen stehen für ein und dieselbe Erkrankung. Tritt sie im Kindesalter auf, wird sie Zöliakie genannt, kommen die Beschwerden erst im Erwachsenenalter, heißt sie Sprue.

Auslöser dieser Unverträglichkeit ist das Klebereiweiß Gluten, das in den Getreidesorten Weizen, Roggen, Gerste und Hafer vorkommt. Bei den Betroffenen wird durch das Gluten die Oberfläche des Dünndarms zerstört.

Der Darm ist mit sogenannten Zotten ausgestattet, die die Oberfläche des Darms vergrößern. Genau diese werden bei den Menschen, die unter Zöliakie/Sprue leiden, durch das Gluten angegriffen.

Die Darmschleimhaut wird dadurch immer flacher, die Zotten werden nach und nach abgebaut.

Das führt dazu, dass nicht mehr genug Nahrungsbestandteile vom Körper aufgenommen werden können. Die Folge sind Mangelerscheinungen. Zöliakie/Sprue ist nicht mit Medikamenten behandelbar. Den Betroffenen bleibt nichts anderes übrig, als die Getreidesorten wegzulassen, die Gluten enthalten.

Getreideähren und Mehl.

Menschen, die an Zöliakie erkrankt sind, vertragen bestimmte Getreidesorten nicht

Wer genau wissen möchte, ob er von dieser Intoleranz betroffen ist, kommt um eine Biopsie der Dünndarmschleimhaut nicht herum. Die Gewebeentnahme ist in der Regel mit einer Antikörperbestimmung verbunden.

Es gibt noch weitere Unverträglichkeiten, die auf Störungen des Stoffwechsels zurückzuführen sind. Dazu gehören unter anderem die Unverträglichkeit von Fruchtzucker (Fructose) und Fett. Diese Intoleranzen treten allerdings nicht sehr häufig auf.

Ava Celik – Ein Leben für Brot Planet Wissen 30.10.2019 05:20 Min. Verfügbar bis 30.10.2024 WDR Von Georg Wieghaus

Koffein, Histamin und Co

Kaffee und Cola enthalten unter anderem Koffein. Was der eine als anregend empfindet, kann bei dem anderen Kopfschmerzen, Herzrasen oder Schlafstörungen verursachen – selbst wenn es nur in kleinen Mengen konsumiert wird.

Kopfschmerzen können aber durch die Unverträglichkeit von Histamin ausgelöst werden. Dieser Stoff kommt zum Beispiel als Gewebehormon im menschlichen Körper vor und steuert viele Körperfunktionen.

Besonders viel Histamin steckt in eiweißreicher, leicht verderblicher Nahrung wie Fisch. Aber auch Wein, Sauerkraut und Edelpilzkäse enthalten dieses Eiweißabbauprodukt. Außerdem gibt es eine Reihe von Lebensmitteln, die das vorhandene Histamin im Körper freisetzen, wie zum Beispiel Zitrusfrüchte, Erdbeeren und Tomaten.

Erdbeeren in Großaufnahme.

Erdbeeren setzen Histamin im Körper frei

Aber nicht nur natürliche Stoffe, auch künstliche Zusätze können Probleme bereiten. Dazu gehören unter anderem die Pestizide, mit denen Obst und Gemüse oft behandelt werden.

In Fleisch und Fisch sind unter Umständen verschiedene Antibiotika enthalten, die Unverträglichkeiten und Allergien auslösen können. Auch Konservierungsmittel lösen bei einigen Menschen schon in kleinen Mengen Unwohlsein oder Kopfschmerzen aus.

Auf der Suche nach den Auslösern

Wenn die Beschwerden immer wieder nach dem Verzehr gewisser Lebensmittel auftreten, ist es wahrscheinlich, dass entweder eine Allergie oder eine Unverträglichkeit vorliegt.

In so einem Fall sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden, der eine differenzierte Diagnose stellt. Denn fast alle Symptome einer Nahrungsmittel-Unverträglichkeit können auch bei anderen Erkrankungen vorkommen.

Wenn eine Lebensmittel-Unverträglichkeit nicht ausgeschlossen werden kann, ist es zunächst wichtig herauszufinden, bei welchen Nahrungsmitteln Probleme auftreten. Dabei hilft ein Ernährungstagebuch.

In dieses Buch wird über mehrere Wochen hinweg eingetragen, was zu welcher Uhrzeit gegessen wurde und wie der Körper darauf reagiert hat. Dabei ist es wichtig, die Speisen und Getränke möglichst genau aufzulisten.

Bei Selbstgekochtem sollten die gesamten Zutaten aufgeschrieben werden, einschließlich der verwendeten Gewürze.

Auch bei Fertigprodukten ist es wichtig, alle aufgeführten Bestandteile zu notieren. Mit solch einem Protokoll lässt sich meistens sehr schnell herausfinden, welche Inhaltsstoffe Probleme bereiten.

In einigen Fällen hilft allerdings auch ein genau geführtes Tagebuch nicht. Dann kann es sinnvoll sein, nur noch ganz bestimmte Lebensmittel zu essen und die Palette dann nach und nach zu erweitern. Der Fachmann nennt das Eliminationsdiät.

Auf einem derartigen Basisspeiseplan können zum Beispiel Reis, Kartoffeln, Geflügel und ein bestimmtes Gemüse stehen. Lösen diese Speisen keine Beschwerden aus, werden immer neue hinzugefügt.

Wer unter einer Lebensmittel-Intoleranz leidet, sollte zunächst auf das entsprechende Nahrungsmittel verzichten. Aber auch der Speiseplan eines Menschen, der unter Lebensmittel-Unverträglichkeit leidet, kann abwechslungsreich sein, denn mittlerweile gibt es für viele Intoleranzen Alternativprodukte.

Aus einer Armbeuge wird Blut entnommen.

Durch einen Bluttest können Allergien entdeckt werden

Stand: 05.06.2019, 10:44

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