Schlafstörungen

Eine Frau liegt im Bett und schaut verzweifelt auf ihren Wecker, der 2.12 Uhr anzeigt.

Schlaf

Schlafstörungen

Viele Menschen leiden unter Schlafstörungen – in Deutschland etwa 25 Prozent, unter Schichtarbeitern sogar knapp 40 Prozent. Sie liegen stundenlang wach, fühlen sich am nächsten Tag wie gerädert und haben schon morgens Panik vor der nächsten Nacht.

Zu wenig Schlaf macht krank

In unserer modernen Industriegesellschaft scheinen die Zeiten des guten Schlafs vorbei zu sein. Im Zuge der Globalisierung, Flexibilisierung der Arbeitszeit und des 24-Stunden-Services wird die Nacht immer mehr zum Tag gemacht. Viele Menschen leiden daher unter Schlafstörungen und Schlafmangel.

Nicht schlafen können nervt nicht nur, sondern ist auch extrem ungesund. Chronische Störungen des Schlafes beinträchtigen Leistungs-, Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit sowie das allgemeine Wohlbefinden. Und das mit gravierenden gesundheitlichen Langzeitfolgen: Zu wenig Schlaf kann zu psychischen Störungen wie Depressionen führen.

Zu wenig Schlaf macht dumm

"Vielleicht gleicht der Schlaftrieb weniger dem Ess- als dem Geschlechtstrieb", erklärte der bekannte amerikanische Schlafforscher William Dement. "Ohne Sex ist das Leben zwar auch nicht schön, aber anders als beim Nahrungsmangel ist es dadurch nicht bedroht."

William C. Dement gilt als Pionier der Schlafforschung. An der Universität Stanford rief er 1970 das erste Schlafforschungszentrum ins Leben. Im Jahr 1975 gründete er die "American Sleep Disorders Association", der er zwölf Jahre als Präsident vorstand.

Seine wissenschaftlichen Studien ergaben: Wenn das Gehirn nachts nicht genug Ruhe bekommt, versucht es, am Tag zu schlafen. Wer dieser Tatsache nicht Rechnung trägt, schädigt sein Gehirn dauerhaft. Dements Schlussfolgerung: Schlafentzug macht dumm.

Außerdem ist sich der Schlafforscher sicher: "Niemals zuvor ist die Kluft zwischen dem medizinischen Forschungswissen und der tatsächlichen Anwendung so groß gewesen. Es könnte weitaus mehr Menschen geholfen werden, als es der Fall ist.

Das Tückische: Patienten werden auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Immunsystem-Störungen, Leistungsschwäche behandelt, jedoch wird die Schlafstörung, die Auslöser für die Beschwerden ist, sehr häufig nicht erkannt. Für die Patienten oft eine wahre Odyssee auf ihrem Therapieweg."

Eine Patientin in einem Schlaflabor. In ihrem Gesicht kleben Elektroden.

Im Labor: Suche nach der Ursache für Schlafprobleme

Schlaflosigkeit hat viele Gesichter

Was aber ist eigentlich eine Schlafstörung? Damit bezeichnen Schlafforscher Zustände, die einen Menschen daran hindern, erholsam zu schlafen. Am Tage sind sie daher sehr müde. Die Schlafmedizin unterscheidet bis zu 80 verschiedene Formen von Schlafstörungen.

Die wichtigsten Schlafstörungen:

  • Insomnie beziehungsweise Hyposomnie heißen Ein- und Durchschlafstörungen in der Nacht, die in der Regel psychische Gründe haben wie zum Beispiel unzureichende Stressbewältigung, Grübeln oder negative Gedanken.
  • Hypersomnie nennt man Probleme, tagsüber wach zu bleiben, ungewolltes Einschlafen oder Einnicken am Tage und das Gefühl, trotz ausreichender Schlafdauer permanent schläfrig zu sein.
  • Parasomnie sind schlafgebundene Störungen in der Übergangsphase zwischen Wachsein und Schlafen, zum Beispiel Schlafwandeln. Häufige Begleiterscheinungen sind nächtliches Aufschrecken, Zähneknirschen oder Alpträume.
  • Narkolepsie bezeichnet eine chronische Müdigkeit verbunden mit gelegentlichen Schlafattacken.

Allgemeine Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus sind häufig bei Menschen zu finden, deren innere Uhr durch Schichtarbeit, häufiges Reisen oder ähnliches gestört ist.

Einfache Lösungen

Wer unter leichten Schlafstörungen leidet, kann schon mit wenigen einfachen Mitteln seinen Schlaf verbessern: Warme Bäder bei 34 bis 36 Grad mit Melisse, Hopfen oder Baldrianzusätzen, abendliche Spaziergänge, autogenes Training oder anderes Muskelentspannungstraining, ein kühles Schlafzimmer und eine gute Matratze können schon helfen.

Und wer wirklich mal gar nicht schlafen kann, der sollte lieber aufstehen und sich mit einer langweiligen Tätigkeit ablenken, anstatt im Bett zu liegen und zu grübeln oder sich zu ärgern. Nach einiger Zeit wird dann (fast) jeder wieder müde.

Weniger ist mehr

Wer unter chronischen Schlafstörungen leidet, kann es mit einer Behandlung durch Schlafentzug versuchen, der sogenannten Schlafrestriktionstherapie. Schlafverkürzung heißt das Stichwort.

Die Patienten liegen unter therapeutischer Anleitung über mehrere Wochen nur solange nachts im Bett, wie sie tatsächlich schlafen. Das können unter Umständen nur zwei bis drei Stunden sein. Tag für Tag wird die Schlafperiode verlängert, bis sich allmählich ein normaler Schlafrhythmus wieder einstellt.

Eine Narkolepsie hingegen sollte medikamentös behandelt werden. Zusätzlich helfen verhaltenstherapeutische Maßnahmen zur besseren Bewältigung der Krankheit.

Autorin: Martina Peters

Stand: 15.06.2018, 17:00

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