Der "Grüne Plan"

Luftbildaufnahme von Äckern.

Geschichte der Landwirtschaft

Der "Grüne Plan"

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Verlauf der 1950er Jahre ein Förderprogramm für die Landwirtschaft unter dem Schlagwort "Grüner Plan" durchgeführt. Es sollten agrarische Flächen geschaffen werden, die sich leichter bewirtschaften ließen.


Ein Flickenteppich aus Höfen

Zersplitterte Flurstücke wurden begradigt und zusammengelegt, asphaltierte Wirtschaftswege angelegt und neue Höfe außerhalb der Gemeinden, sogenannte Aussiedlerhöfe, gebaut. Die Bauern erhielten finanzielle Mittel, um ihre Pferde durch Mähdrescher und Schlepper zu ersetzen.

Notwendig und zweckmäßig waren diese Maßnahmen vor allem in den Gebieten, die durch die Erbfolge der Realteilung wie in Baden, Württemberg und Hessen geprägt waren. Die Landschaft dort glich einem Flickenteppich aus Höfen mit kleinen, verstreut liegenden Wiesen und Äckern.

Die Nahrungsmittelproduktion soll unabhängig werden

Agrarwirtschaftlich ging es zuerst darum, die Hungerjahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, die vielen Bundesbürgern noch im Gedächtnis waren, endgültig zu überwinden. Man wollte eine Unabhängigkeit von Nahrungsmittelimporten erreichen, was bald zu einer Überproduktion führte.

Die Förderprogramme wollten außerdem auf dem Land den gleichen Lebensstandard schaffen wie in der Stadt. Strom wurde in jedes Haus gelegt und Abwasserkanäle wurden gezogen.

Bauern sollten ein befriedigendes Einkommen erwirtschaften können, zusätzlich wurde 1957 eine gesetzliche Altershilfe für Bauern eingeführt. Es gelang außerdem, die Nachgeborenen eines Hofes, für die im Familienbetrieb kein Platz mehr war, auszubilden und in andere Berufe zu integrieren.

Im Rahmen des Grünen Plans kam es zu ökologischen Sünden wie der Begradigung von Bächen, der Rodung von Streuobstwiesen und Hecken. Als man später diese ökologischen Fehler erkannte, wurden sie teilweise wieder rückgängig gemacht.

Schwarzweißfoto: Hungerdemonstration von Arbeitern auf dem Karlsplatz in Krefeld (April 1947).

Die Hungerjahre sollten überwunden werden

Erhalt des bäuerlichen Familienbetriebs

Politisches Ziel der Bundesregierung unter Konrad Adenauer war es, den bäuerlichen Familienbetrieb zu erhalten und eine der CDU politisch nahestehende Wählerklientel an sich zu binden.

Unter dem Motto "Bauer kann sein, wer Bauer sein will" sollten so viele Höfe wie möglich erhalten bleiben, die jedoch aufgrund ihrer Größe im Grunde wirtschaftlich nicht konkurrenzfähig waren und immer am staatlichen Subventionstropf hängen bleiben sollten.

Das 1955 verabschiedete Landwirtschaftgesetz unterstrich noch einmal, dass die Landwirtschaft von der Natur abhängig sei und insofern unter besonderen Bedingungen wirtschaften müsse, die der Staat zu unterstützen hätte.

Die Agrarlobbyisten hatten sich durchgesetzt und die Landwirtschaftspolitik über Jahrzehnte festgeschrieben. Dennoch gaben im Laufe der Jahre viele bäuerliche Betriebe auf.

Landwirtschaft: Hauptberuf oder Nebenerwerbsquelle?

Durch die Wiedervereinigung bekamen die westdeutschen Familienbetriebe enorme wirtschaftliche Konkurrenz durch die agrarischen Großbetriebe des Ostens. Wer heute als kleiner bis mittlerer bäuerlicher Betrieb überleben will, muss auf Zusatzangebote setzen wie Ferien auf dem Bauernhof, Direktvermarktung durch Hofläden und ähnliches.

Daneben gibt es heute viele Nebenerwerbslandwirte, die die eigene Landwirtschaft oder die der Eltern "nebenbei" betreiben oder weiterführen. Leicht ist das Leben auf dem Lande für die meisten also trotz vieler Hilfen und Verbesserungen bis heute nicht.

Autorin: Sabine Kaufmann

Weiterführende Infos

Stand: 30.07.2018, 09:06

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