Wissensfragen

Eine Frau sonnt sich auf einem Steg.

Vitamine

Wissensfragen

Von Jochen Zielke

Kann der Mensch Vitamine selbst produzieren?

Bakterien, Einzeller, Pflanzen und Tiere – sie alle brauchen Vitamine, die entscheidenden Rädchen im Stoffwechsel. Vitamine dienen dabei nicht als Energieträger, sondern sie sind Lieferanten unzähliger Substanzen, die erst den lebensnotwendigen Stoffwechsel der Zellen möglich machen. Auch die Pflanze kann nur gedeihen, wenn sie mit lebensnotwendigen Nährstoffen versorgt wird.

Anders als beim Menschen sind bei den Pflanzen die Vitamine jedoch nicht essentiell. Pflanzen bilden sich selbst die Vitamine, die sie brauchen. Der Mensch muss sie über die Nahrung erst aufnehmen oder aber er versorgt sich mit Vorstufen von Vitaminen, den sogenannten Provitaminen, die dann in Vitamine umgewandelt werden.

Noch ist nicht endgültig geklärt, warum dem Menschen die Fähigkeit fehlt, sich seine Vitamine selbst zu produzieren. Eine Erklärung: Der Mensch tritt auf der Evolutionsleiter erst viel später in Erscheinung.

Möglicherweise musste er die Fähigkeit, Vitamine selbst zu produzieren, nicht entwickeln. Nahrung in Form von Pflanzen und Tieren – und damit auch Vitamine – war ja in ausreichender Menge vorhanden.

So könnte man spekulieren, dass eine eigene Vitaminproduktion evolutionär gesehen einen Luxus bedeutet haben könnte, also einen unnötigen Energieaufwand. Warum dann aber mit Vitamin D doch ein Vitamin im menschlichen Körper gebildet werden kann, ist unklar.

Vitamin D ist wichtig für den Knochenstoffwechsel. Es scheint bei uns in Deutschland zu den wenigen Vitaminen zu gehören, bei denen tatsächlich unter bestimmten Umständen eine gewisse Unterversorgung festzustellen ist.

Vitamin D wird in unserer Haut gebildet, unter dem Einfluss von Sonnenlicht. Wer sich viel in geschlossenen Räumen aufhält oder selten das Haus verlässt, könnte zu wenig Vitamin D produzieren.

Natürlich kann es auch über die Nahrung aufgenommen werden. Wenn wir selbst ausreichend Vitamin D produzieren wollen, genügt pro Tag eine halbe Stunde Sonnenlicht auf Gesicht und unbedeckte Unterarme.

Welches Vitamin wurde als erstes entdeckt?

Ende des 19. Jahrhunderts kamen Wissenschaftler zum ersten Mal dem Geheimnis der Vitamine auf die Spur. Auslöser war eine in weiten Teilen Asiens sehr verbreitete Krankheit: Beriberi. Die Symptome waren ein wackeliger Gang, Lähmungen und Erbrechen; oft kam es auch zu einer tödlichen Herzschwäche.

Erst in den 1890er Jahren entdeckte der holländische Arzt Christiaan Eijkman, dass ein Mangel an Vitamin B1 (Thiamin) die Krankheit verursacht. Doktor Eijkman war damals zur Erforschung von Beriberi nach Holländisch-Ostindien geschickt worden, ins heutige Indonesien.

Eines Tages beobachtete er im Hof des Marinehospitals in Batavia, dass nicht nur seine Patienten, sondern auch Hühner an dem heimtückischen Nervenleiden erkrankten. Wie so oft war bei der Lösung des Rätsels der Zufall auf der Seite des Tüchtigen.

Christiaan Eijkman beobachtete nämlich, dass die Hühner dann von der Krankheit verschont blieben, wenn man sie nicht mit weißem, poliertem Reis fütterte, sondern mit braunem, ungeschältem. Das Geheimnis musste demnach in der Schale des Korns verborgen liegen.

Als er auch seine Patienten mit braunem Reis versorgte, verschwanden bei ihnen ebenfalls die Symptome. 1897 wurde so das Thiamin entdeckt, das Vitamin B1.

Erst zwei Jahrzehnte später gelang es, die Struktur des geheimnisvollen Stoffes zu entschlüsseln. 1929 wurde Christiaan Eijkman für seine Entdeckung mit dem Nobelpreis geehrt.

Noch im 21. Jahrhundert sorgte Beriberi in Israel für Schlagzeilen. Dort hatte man im Jahr 2003 viele Säuglinge, die unter einer Kuhmilchallergie litten, mit einem Milchersatz aus Soja ernährt. Versehentlich hatte es der deutsche Hersteller damals versäumt, der Ersatznahrung das lebensnotwendige Vitamin B1 zuzuführen. Mehr als 20 Säuglinge erkrankten an Beriberi, drei Babys starben.

Können Vitamine schnell kaputtgehen oder zerstört werden?

Mehrere Einflussfaktoren bestimmen die Stabilität der Vitamine. Zu ihnen gehören unter anderem Hitze, Sauerstoff und Licht. Alleine oder kombiniert können sie in ihrer Wirkung den Vitamingehalt von Lebensmitteln schnell senken.

Man sollte also frische und reife Ware kaufen, sie schnell verbrauchen oder zumindest entsprechend lagern. Schon Raumtemperatur setzt Vitaminen sofort zu – schnell ist die Hälfte der Vitamine nach einem Tag zerstört. Kühl lagern ist wichtig, Kälte stoppt den Verfall.

Schutz vor Licht und Freien Radikalen kann auch durch entsprechende Verpackung erreicht werden. Milch (Vitamin D) wird heute in lichtundurchlässigen Tetrapacks angeboten. Auch gute Pflanzenöle findet man meist in getönten Flaschen.

Jede Form von Konservierung durch Bestrahlung schadet den Vitaminen ebenfalls. Besser als ihr Ruf ist Tiefkühlkost – die sofortige Schockgefrierung erhält einen Großteil der Vitamine.

Auch Dosengemüse wird heute in der Regel erntefrisch verarbeitet und ist vor allem in den Wintermonaten ein guter Vitaminlieferant. Gemüse und Salat sollte man nicht zu lange wässern oder waschen, da wasserlösliche Vitamine schnell ausgeschwemmt werden.

Stand: 29.05.2019, 14:30

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