Anbau und Handel – vom Baum in den Laden

Drei Orangen, eine davon aufgeschnitten.

Zitrusfrüchte

Anbau und Handel – vom Baum in den Laden

Gesund, lecker und reich an Vitamin C sind die Zitrusfrüchte fester Bestandteil unseres Speisezettels. Orangen, Mandarinen und Grapefruits wirken wie Farbkleckse mitten im Winter. Doch der Farbenpracht wird nach der Ernte meist nachgeholfen.

Darum geht's:

  • Zitrusfrüchte reifen je nach Art sechs bis 18 Monate.
  • Die Ernte ist meistens Handarbeit.
  • Es gibt verschiedene Stufen der Nachbehandlung.
  • Chemische Dünger sind bei Ökofrüchten tabu.
  • Ökofrüchte erkennt man an der Größe und an der Schale.

Was lange währt, ist endlich reif

Sechs bis 18 Monate müssen Zitrusfrüchte je nach Art am Baum reifen. Einmal gepflückt, reifen sie nicht mehr nach. Die Hauptsaison für Orangen und Mandarinen beginnt mit der Erntezeit in Südeuropa und erstreckt sich von November bis März.

Reife Orangen können bis zu 14 Monaten am Baum "gelagert" werden. Dagegen müssen Mandarinen, wenn sie reif sind, zügig geerntet und bearbeitet werden um nicht zu verderben.

Der Reifegrad richtet sich nach dem Zucker-Säure-Verhältnis. Apfelsinen und Mandarinen mit teilweise noch grüner Schale können genauso süß und wohlschmeckend sein wie orange.

Es ist lediglich ein Hinweis darauf, dass die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht nicht groß genug waren, denn für die optimale Ausfärbung der Schale sind kühle Nächte nötig.

Meist werden Zitrusfrüchte, besonders die Sorten, die für den Frischverzehr bestimmt sind, von Hand geerntet. Mit einer Spezialschere, dem Clipper, werden sie vom Baum geschnitten.

Ein geübter Pflücker kann in einer Stunde bis zu 100 Kilo Früchte vom Baum trennen. Bei Früchten, aus denen Saft hergestellt wird, kommen auch Rüttelmaschinen zum Einsatz. Die Pflanzen werden mechanisch geschüttelt, die Früchte in Auffangplanen gesammelt.

Orangenbaum mit reifen Früchten

Reife Orangen können am Baum hängen bleiben

Frisch gepflückt – und noch längst nicht beim Kunden

Nach dem Pflücken werden anhaftende Zweige und Blätter entfernt. Dann bleiben die Früchte fünf Tage lang liegen. Dadurch verlieren die äußeren Zellen an Wasser, die Schale schrumpft etwas, wird fester und widerstandsfähiger.

Anschließend wird das Obst maschinell gewaschen, gebürstet und auf Rollbändern für den Transport nach Größe sortiert.

Nun beginnt die Nachbehandlung. Müssen die Schalen noch entgrünt werden, kommen die Früchte für zwei bis drei Tage in einen Ausfärberaum bei 20 bis 24 Grad Celsius.

Hier werden sie mit dem Gas Ethylen behandelt, ein Reifehormon, das den Farbumschlag von grün nach gelb beziehungsweise orange fördert.

Danach sorgt ein Bad mit konservierenden Pflanzenschutzmitteln für Fäulnisschutz. Eingesetzt werden hier pilzabtötende Mittel, so genannte Fungizide wie Diphenyl, Natriumorthophenylphenol, Orthophenylphenol oder Thiabendazol.

Nach dem Bad eignen sich die Schalen nicht mehr zum Verzehr. Manchmal wird auch das Packpapier für den Transport mit Antischimmelmitteln imprägniert.

Da durch das maschinelle Waschen die natürliche Wachsschicht der Schalen, die die Früchte vor dem Austrocknen schützt, entfernt wurde, erhalten sie nun eine neue Wachschicht.

Als Überzugsmittel dürfen sowohl Bienenwachs als auch Schellack, Montansäureester, Polythylenwachsoxidate, Zuckerester und Zuckerglyceride eingesetzt werden. Sie verleihen den Früchten einen stärkeren Glanz und eine intensivere Farbe.

Drei Männer bei der Orangenernte

Die meisten Früchte werden von Hand geerntet

Öko-Früchte: Chemie ist tabu

Künstlich hergestellte Mineraldünger und chemische Pflanzenschutzmittel sind beim ökologischen Anbau von Zitrusfrüchten tabu. Zur Düngung werden nur spezielle, nach Öko-Kriterien zugelassene Düngemittel eingesetzt.

Statt auf Chemie setzt man auf natürliche Anbaumethoden wie zum Beispiel die Bodengare. Damit ist die Struktur und der Humusanteil des Bodens gemeint.

Die Gare wird unter anderem durch die gezielte Bepflanzung mit Grunddüngerpflanzen gefördert. Man nimmt in Kauf, dass wegen des Verzichts auf Kunstdünger die Bäume schlechter mit Nährstoffen versorgt werden.

Öko-Orangen sind daher oft kleiner und von unregelmäßigerer Form als konventionelle Erzeugnisse. Dafür sind sie unbelastet von Schadstoffen und schmecken genauso lecker wie herkömmlich kultivierte Früchte.

Laut einer Studie aus den USA enthalten Orangen aus ökologischem Anbau bis zu 30 Prozent mehr Vitamin C. Dies sei auf den Verzicht auf leicht lösliche Stickstoffdünger zurückzuführen. Ist viel Stickstoff vorhanden, lagern die Pflanzen mehr Wasser ein und verdünnen so den Nährstoffgehalt.

Bioorange mit Bio-Aufkleber

Bioorangen werden nach Öko-Kriterien gedüngt

Wie erkennt man eine Öko-Orange?

Allein die Fruchtgröße – ökologisch erzeugte Zitrusfrüchte sind meist kleiner als konventionelle – ist kein klarer Hinweis auf die Erzeugungsmethode. Zuverlässiger ist ein Blick auf die Schale: Ist sie glänzend und makellos, handelt es sich um eine konservierte und mit Überzugsmitteln versehene Frucht.

Ökologische Ware wird nach der Ernte nicht konserviert und glänzt nicht. Sicherheit bietet die Deklarierung "ohne Rückstände von Schadstoffen", "natürlich", "naturrein" oder das Bio-Gütesiegel.

Autorin: Beatrix von Kalben

Stand: 17.07.2017, 14:27

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