Sorbonne

Studenten im Innenhof der französischen Universität Sorbonne in Paris

Universitäten

Sorbonne

Von Sabine Kaufmann

Die französische Universität Sorbonne gehörte neben Oxford und Bologna jahrhundertelang zu den renommiertesten Universitäten in Europa.

Hort der Gelehrten im Mittelalter

Die Gründung der Sorbonne-Universität geht auf den religiösen Eifer und das soziale Engagement ihres Namensgebers Robert de Sorbon zurück. Der Kaplan des königlichen Hofes gründete sie zunächst als Theologenschule für mittellose Studenten. Die Sorbonne entwickelte sich zum führenden geistigen Zentrum in Frankreich.

Im Quartier Latin, dem Sitz der Sorbonne, wurden im Mittelalter die klassischen Disziplinen ("artes liberales") gelehrt: Theologie, Medizin und Recht. Die Studenten wurden zunächst vier Nationen zugeordnet, so waren sie entweder französischer, pikardischer, normannischer oder englischer Herkunft. Diese kulturelle Vielfalt unter den Studierenden verlieh der Universität von Anfang an ein internationales Image.

Parallel zur Universität wurde auch die Bibliothek eingerichtet, die im Mittelalter zu den bedeutendsten gehörte. Aufgrund ihrer großen Sammlung mit einem Umfang von vier Millionen Büchern ist sie noch heute eine wichtige Forschungsbibliothek. Ihren beachtlichen Bestand verdankt die Universitätsbibliothek Schenkungen ehemaliger Mitglieder des Professorenkollegiums.

Unter anderem übereignete auch Kardinal Richelieu seine eigene Privatbibliothek mit 1000 Bänden der Sorbonne. Der Kardinal war einer der großen Förderer der Universität. Auf eigene Rechnung begann er im 17. Jahrhundert mit den Plänen für den Neubau. Er finanzierte auch einen Großteil der Einrichtung.

Die prägenden Persönlichkeiten und die wichtigsten historischen Ereignisse an der Universität, wie die Gründung durch Robert de Sorbon oder die Bauarbeiten durch Kardinal Richelieu, sind auf prächtigen Reliefs an den Wänden der Festsäle verewigt.

Die Dynamik der Gründungszeit verlor die Sorbonne im Zeitalter der Renaissance. Dem humanistischen Gedankengut, das, aus Italien kommend, Europa beflügelte, verschloss sie sich zunächst. Anderseits stemmte sich die Universität im 16. Jahrhundert gegen die wachsende päpstliche Macht und den Versuch, den Jesuitenorden in Frankreich zu etablieren. Die Sorbonne wurde zur Vorkämpferin einer französischen Nationalkirche.

Die Place de la Sorbonne am Abend.

Place de la Sorbonne

Anspruchsvolle Adresse für Geisteswissenschaftler

Die Zeit der Französischen Revolution ist das düsterste Kapitel in der Geschichte der Universität. Der gesamte Lehrbetrieb wurde per Dekret ausgesetzt und die prächtigen Gebäude als Nationaleigentum beschlagnahmt. Erst nach 30 Jahren Stillstand öffnete die Hochschule 1821 ihre Pforten wieder für Studenten.

Viele später berühmt gewordene Männer und Frauen absolvierten ein Studium an der Sorbonne, unter ihnen Albertus Magnus, Thomas von Aquin, Claude Lévi-Strauss und Simone de Beauvoir. Den verstorbenen Geistesgrößen der Sorbonne, wie Marie Curie und Victor Hugo, haben die Franzosen im Pantheon sogar ein Denkmal gesetzt. Nach wie vor gilt die Sorbonne weltweit als anspruchsvolle Adresse, gerade auf dem Gebiet der Geistes- und Sprachwissenschaften.

Einen weiteren tiefgreifenden Einschnitt erlebte die Sorbonne 1968, als sie zum Zentrum der Studentenunruhen in Frankreich wurde. Wochenlang hielten die Studenten ihre "Alma mater" besetzt. Nach den Auseinandersetzungen wurde die Sorbonne in insgesamt 13 eigenständige Universitäten zerschlagen. Drei behielten ihren traditionellen Namen bei: die Sorbonne Nouvelle, die Sorbonne de Paris und die Panthéon-Sorbonne.

SWR | Stand: 14.07.2017, 13:00

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